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Rechtstipp vom
08.05.2012

Cybermobbing - Schikane 2.0

Mobbing an sich ist insbesondere unter Kindern und Jugendlichen stark verbreitet. Was auf Schulhöfen schon lange existiert, verlagert sich im digitalen Zeitalter immer mehr ins Internet. Diese Form des Internet-Mobbings wird als sog. Cybermobbing oder als Cyberbullying bezeichnet. Von Cybermobbing ist die Rede, wenn Menschen absichtlich und systematisch von einem oder mehreren anderen Menschen mittels elektronischer Kommunikationsmedien - insbesondere des Internets, aber mit Hilfe von Mobiltelefonen - belästigt, bedroht, bloßgestellt oder ausgegrenzt werden. Es stellt damit eine Form von realer psychischer Gewalt dar. Oft werden die Betroffenen aber nicht nur in der virtuellen Welt des Internets gemobbt, sondern auch außerhalb, z. B. in der Schule.

Die Möglichkeiten des Cybermobbings sind durch die vielfältige Kommunikationsstruktur des Internets äußert vielfältig. Vor allem die immer mehr Zulauf bekommenden sog. Social Networks bieten eine große Plattform. Auch sog. Instant-Messenger, Chatrooms, Video- und Foto-Portale werden oft zu Mobbingzwecken missbraucht. Gefälschte Profile mit negativen Darstellungen, heimlich aufgenommenen Fotos und Videos oder manipulierten Bilder in peinlichen Situationen, Rundmails mit bösartigen Behauptungen und Kommentaren - gegen bestimmte Personen gerichtet - belästigende Anrufe und SMS auf dem Handy - nur einige Beispiele von Erscheinungsformen des Cybermobbings. Vor allem durch die Nutzung des Internets ist für die Täter eine größere Anonymität möglich, wodurch die Hemmschwelle zu solchen Mobbingattacken erheblich sinken dürfte. Zudem erreicht das Internet eine viel größere Öffentlichkeit, was die Folgen noch gravierender macht. Gefährlich ist auch, dass die Folgen des Mobbings von den Tätern oft nicht bedacht werden, das Vorgehen vielfach nur als Spaß angesehen und damit verharmlost werden. Dabei verstoßen viele derartige Verhaltensweisen nicht nur gegen moralische Werte, sondern auch gegen viele (Straf-)Gesetze: Beleidigung (§ 185 StGB), Üble Nachrede (§ 186 StGB), Verleumdung (§ 187 StGB), Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (§ 201a StGB), Nachstellung bzw. Stalking (§ 238 StGB), Recht am eigenen Bild (§ 22 KUG).

Laut einer 2011 durchgeführten bundesweiten Umfrage von Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse gaben 32 Prozent der befragten jungen Menschen im Alter von 14 und 20 Jahren an, schon einmal im Internet beleidigt, bedroht oder verleumdet worden zu sein. Aber auch Erwachsene, z. B. Lehrer, werden häufig zu Opfern. Die Folgen können für die Betroffenen schwerwiegend sein. Verzweiflung, Hilflosigkeit, Schlafstörungen, Depressionen, Kopf- und Bauchschmerzen - nur einige Beispiele für Folgen des Mobbings.

Wie können Sie vorbeugen:

  • Gehen Sie sorgsam und sparsam mit Ihren persönlichen Daten (Adresse, Telefonnummer, Handynummer, E-Mail-Adresse usw.) um, vor allem im Internet!
  • Geben Sie Passwörter und Zugangsdaten nicht weiter!
  • Wenn Sie sich z. B. bei einem Social Network anmelden, informieren Sie sich vorher, welche Datenschutzmöglichkeiten es gibt und nutzen Sie diese!
  • Geben Sie Ihre Daten nur für wirkliche Freunde frei (der Begriff Freund wird vor allem in Social Networks sehr weitgehend gefasst - bedenken Sie: Nicht jeder Bekannte ist gleich ein Freund)!
  • Seien Sie vorsichtig mit dem Veröffentlichen von eigenen Bildern und Videos - wählen Sie behutsam aus, welches Bild oder Video Sie hochladen wollen bzw. ob dieses Sie in Schwierigkeiten bringen kann!
  • Überprüfen Sie regelmäßig, z. B. über Suchmaschinen, ob und was über Sie im Internet zu finden ist!
  • Wenn Sie wollen, dass mit Ihnen respektvoll umgegangen wird, sollten Sie dies auch mit anderen tun!

Was können Sie tun, wenn Sie von Cybermobbing betroffen sind:

  • Ignorieren Sie die Vorfälle nicht, sondern holen Sie sich umgehend Hilfe von vertrauensvollen Menschen (Eltern, Verwandte, Vertrauenslehrer, Rechtsanwalt usw.)!
  • Sichern Sie Beweise - machen Sie Screenshots und Ausdrucke von Einträgen, Bildern usw.!
  • Nutzen Sie eventuell vorhandene Sicherheitsvorkehrungen bei Internetdiensten, z. B. das Ignorieren oder Sperren von anderen Nutzern bzgl. Ihres Profils (vor allem bei Social Networks) - im Zweifelsfall löschen Sie selbst Ihren eigenen Account (erst nachdem Sie die Beweise gesichert haben)!
  • Informieren Sie umgehend die Betreiber des betreffenden Internetdienstes und melden Sie die Vorgänge, damit die Betreiber dagegen vorgehen können!
  • Lassen Sie sich rechtlich beraten, inwieweit zivil- und strafrechtliche Maßnahmen ergriffen werden können und sollten!
  • Werden Sie nicht selbst zum Täter!

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