Versteigerung gepfändeter Sachen

staatlicher Hoheitsakt, durch den der Gerichtsvollzieher gepfändete Sachen verwertet.

Die öffentliche Versteigerung ist in den Paragrafen 814 bis 825 der Zivilprozessordnung (ZPO) geregelt.
Einzelheiten zum Ablauf enthält die Geschäftsanweisung für Gerichtsvollzieher (GVGA), die als Amtspflicht durch den Gerichtsvollzieher zu beachten ist.

Die Versteigerung darf frühestens eine Woche nach der Pfändung erfolgen.
Der Gerichtsvollzieher bestimmt den Zeitpunkt und den Ort der Versteigerung, der grundsätzlich in dem Ort liegen muss, in dem die Pfändung erfolgt ist, zumindest aber im gleichen Vollstreckungsbezirk.
Der Termin ist öffentlich bekannt zu machen, Schuldner und Gläubiger werden gesondert benachrichtigt (§ 142 Nr. 4 GVGA).

Die Versteigerung ("Bieterstunde") wird durch den Gerichtsvollzieher eröffnet, indem er bekannt gibt:

  • den gewöhnlichen Verkaufswert
  • das notwendige Mindestgebot (die Hälfte des gewöhnlichen Verkaufswertes)
  • die Versteigerungsbedingungen

Der Gerichtsvollzieher fordert die im Termin erschienenen Interessenten dazu auf, Gebote abzugeben.
Gläubiger und Schuldner können mitbieten (§ 816 Absatz 4 ZPO in Verbindung mit § 1239 Absatz 1 Satz 1 Bürgerliches Gesetzbuch).
Der Meistbietende, der wenigstens das Mindestgebot bieten muss (§ 817a Absatz 1 ZPO), erhält den Zuschlag.

Nach dem Zuschlag übergibt der Gerichtsvollzieher die Sache gegen Barzahlung dem Ersteigerer (§ 817 Absatz 2 ZPO), sodass dieser Eigentümer wird.
Den Erlös erhält - nach Abzug der Vollstreckungskosten - der Gläubiger, soweit zu dessen Befriedigung erforderlich.
Verbleibt ein Überschuss, geht dieser an den Schuldner.

Liegt das Höchstgebot in der Versteigerung unter dem Mindestgebot, erfolgt kein Zuschlag.
Der Gläubiger behält sein Pfandrecht und kann jederzeit das Anberaumen eines neuen Versteigerungstermins beantragen.

Über den Ablauf der Versteigerung hat der Gerichtsvollzieher ein Protokoll aufzunehmen (§ 762 ZPO)

Praxistipp:

Bis zur Aushändigung des Erlöses kann ein Dritter gegen die Verwertung der Sache noch die Drittwiderspruchsklage erheben, wenn ihm und nicht dem Schuldner die versteigerte Sache gehört.

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