Rechtsschutzversicherung

Wer sein Recht durchsetzen will, hat immer ein Kostenrisiko. Anwalts- Gerichts- und Sachverständigenkosten können sich schnell auf einige tausend Euro summieren. Mit einer Rechtsschutzversicherung kann dieses Risiko minimiert werden. Etwa 40 Prozent aller deutschen Haushalte sind mittlerweile rechtsschutzversichert.

Der Versicherer übernimmt in der Regel die Kosten für den Anwalt, die Gerichtskosten, die Vollstreckungskosten und die Verwaltungskosten, sowohl gerichtlich, als auch außergerichtlich. Ebenso übernimmt er Beratungskosten.

Wer glaubt, durch den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung für alle Fälle gewappnet zu sein, der irrt. Es gibt keine Versicherung, die bei jedem Rechtsstreit eintritt. Immer nur ein Bereich oder in Kombination bestimmte Rechtsgebiete sind abgedeckt.
Zu den häufigsten Versicherungen zählen:

  • Verkehrsrechtsschutz - für den Streit nach einem Autounfall (Schaden, Bußgeld, Werkstatt)
  • Privatrechtsschutz - für vertragliche Angelegenheiten (Kaufverträge, Streit mit Handwerkern oder Nachbarn)
  • Berufsrechtsschutz - bei Ärger mit dem Arbeitgeber (Kündigung, Versetzung, Abmahnung)

Der Versicherungsschutz variiert zwischen den einzelnen Versicherern. Deshalb sollte man sich vor Abschluss genau über den eigenen Bedarf klar werden und dann vergleichen. Die Privatrechtsschutzversicherung deckt beispielsweise in aller Regel keine familien- und erbrechtlichen Streitigkeiten, also auch nicht die Scheidung, ab - allenfalls eine Erstberatung beim Anwalt. Mietrechtsschutz ist nur gegen Aufpreis erhältlich. Bauprozesse sind ebenfalls ausgeschlossen. Berufsrechtsschutz wird nur in Kombination mit einer Privatrechtsschutzversicherung gewährt. Nur etwa die Hälfte aller Versicherer zahlt den Rechtsanwalt, wenn der Versicherte Opfer einer Straftat geworden ist und als Nebenkläger im Strafprozess auftreten will. Für außergerichtliche Vertretung im Streit mit einer Behörde werden nur in den seltensten Fällen die Anwaltskosten übernommen und auch bei der anschließenden verwaltungs- oder sozialgerichtlichen Auseinandersetzung schließen sich manche Privatrechtsschutzversicherer aus.

Die Streitigkeit darf erst nach Abschluss des Vertrages und nach Ablauf der im Vertrag bestimmten Karenzzeit (zumeist drei Monate nach Versicherungsabschluss) entstanden sein.

Rechtstipp: Geld sparen kann, wer einen Selbstbehalt akzeptiert. Bei 150 Euro je Fall sinken die Prämien um bis zu 25 Prozent. Ist eine Selbstbeteiligung vereinbart, muss diese der Versicherte allerdings in jeder Angelegenheit beisteuern.

Die Versicherung trägt nur die Kosten, die anfallen, nachdem sie sich zur Übernahme der Kosten bereit erklärt hat (Deckungszusage). Die Zusage ist deshalb in jedem Fall vorher einzuholen. Die Versicherungen prüfen, ob der angestrebte Rechtsstreit nicht völlig aussichtslos ist. Bei aussichtslosen oder mutwilligen Klagen kann die Versicherung die Risikoübernahme ablehnen. Allerdings kann dann unter Umständen der Anwalt des Versicherten mit dem so genannten "Stichentscheid" die Versicherung zur Leistung verpflichten.

Rechtstipp: Ihr Anwalt ist Ihnen beim Einholen der Deckungszusage gerne behilflich. Dafür sollten Sie ihm die Versicherungsnummer und die Unterlagen für den Rechtsstreit sowie die Zahlung des letzten Versicherungsbeitrags beim ersten Kontakt vorlegen. Der Anwalt ist allerdings berechtigt, für die Einholung der Deckungszusage ein gesondertes Honorar zu verlangen, welches die Versicherung in der Regel nicht übernimmt. Meist wird aber der Anwalt diese Dienstleistung kostenlos anbieten. Um Zeit zu sparen, können Sie sich schon vorher mit Ihrer Rechtsschutzversicherung in Verbindung setzen und selbst die Kostenfrage abklären.

Wer die Versicherung zu oft in Anspruch nimmt, riskiert die Kündigung und muss sich dann einen anderen Versicherer suchen.

Streitfälle mit der Versicherung schlichtet ein Ombudsmann (www.versicherungsombudsmann.de).

Zuletzt geändert am 16.04.2007

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