Zwei von drei deutschen Rechtsanwälten werden in ihrer Berufspraxis in Einzelfällen pro bono tätig, bearbeiten also Mandate bedürftiger Rechtssuchender und gemeinnütziger Organisationen kostenlos, wenn diese keine Möglichkeit zur Finanzierung eines Anwalts haben. Dies zeigt eine Studie, die der Direktor des Soldan Instituts Matthias Kilian auf dem «2011 European Pro Bono Forum» in Berlin vorgestellt hat.
Nach der Studie der Kölner Forscher bearbeiten 66 Prozent der Rechtsanwälte Mandate pro bono. Nur 34 Prozent verzichteten grundsätzlich auf ein solches gesellschaftliches Engagement. Besonders häufig seien Rechtsanwälte aus kleinen örtlichen Sozietäten und aus internationalen Law Firms in dieser Weise tätig. Im Durchschnitt bearbeite ein pro bono publico aktiver Rechtsanwalt neun Mandate pro Jahr kostenlos. Jährlich würden damit in Deutschland mehrere Hunderttausend Mandate Rechtssuchender, die weder über eine Rechtsschutzversicherung verfügen noch staatliche Kostenhilfe erhalten, von der Anwaltschaft kostenlos betreut, so das Soldan Institut.
Institutsdirektor Kilian hält die Ergebnisse der Studie auch deshalb für bemerkenswert, «weil das anwaltliche Berufsrecht ein kostenloses Tätigwerden von Rechtsanwälten bislang streng genommen nicht zulässt». Offensichtlich sei das anwaltliche Berufsrecht mit gesellschaftlichen Realitäten in diesem Punkt nicht mehr im Einklang. Nach Ansicht Kilians drängt sich eine Anpassung auf.
Die Studie, für die rund 1.200 Rechtsanwälte befragt worden sind, hat laut Soldan Institut ergeben, dass pro bono-Mandate besonders häufig für Mitarbeiter, Freunde und Bekannte übernommen werden. Häufig bäten solche nahestehenden Personen oder gemeinnützige Organisationen den Rechtsanwalt aber auch, für andere Personen aktiv zu werden. Jeder dritte Anwalt berichte, dass seine pro bono-Mandate unter anderem auf persönlichem, außerberuflichem Engagement in Hilfsorganisationen und -einrichtungen beruhen oder sich daraus ergeben, dass ein bereits betreuter Mandant die Anwaltskosten nicht mehr bezahlen kann. Selten sprächen Rechtssuchende einen Anwalt gezielt an und bäten darum, ein Mandat kostenlos zu übernehmen.
Soldan Institut, PM vom 17.11.2011
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