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Ausweg aus der Abofalle

Oder wählen Sie einen passenden Anwalt in Ihrer Nähe

Kaufrecht

Gratis Horoskope, Ahnenforschung und vermeintlich kostenlose Routenplaner – diese Begriffe sollten bei Ihnen die Alarmglocken schrillen lassen. Denn was hier angeblich als kostenlos und einmalig angeboten wird, entpuppt sich meist als ein kostenpflichtiges Abo.

Die wichtigsten Fakten

  • Eine Abofalle ist ein unseriöses Angebot im Internet, bei dem der Verbraucher unbeabsichtigt ein kostenpflichtiges Abo eingeht.
  • Abofallenbetreiber verlangen häufig die Angabe von persönlichen Daten.
  • Onlinehändler sind dazu verpflichtet den Verbraucher vor der Bestellung genau über den Preis zu informieren.
  • Sind Sie Opfer einer Abofalle geworden, bewahren Sie Ruhe und lassen Sie sich nicht einschüchtern.
  • Sind Sie in die Abofalle getappt, haben Sie verschiedenen Möglichkeiten das Abo frühzeitig zu beenden.

Die wichtigsten Schritte

  1. Prüfen Sie als erstes, ob Sie wirklich einen Vertrag abgeschlossen haben.
  2. Lassen Sie sich gegebenenfalls von einem Anwalt beraten.
  3. Versuchen Sie den Vertrag zu widerrufen.
  4. Fechten Sie den Vertrag an.
  5. Treten Sie vom Vertrag zurück.
  6. Nutzen Sie Ihre Kündigungsrechte.

Was ist eine Abofalle?

Als Abofalle bezeichnet man unseriöse Angebote im Internet, bei denen der Verbraucher unbeabsichtigt ein kostenpflichtiges Abonnement eingeht.

Die Angebote sind häufig so gestaltet, dass der Kostenfaktor für den User nicht oder nur sehr schwer zu erkennen ist. Um diese Angebote nutzen zu können, wird die Angabe von persönlichen Daten wie zum Beispiel

  • Name
  • Geburtsdatum
  • Adresse
  • Kontodaten 

verlangt.

Gibt man bspw. dem verlockenden Angebot einer Ahnenforschung nach und gibt seine persönlichen Daten inkl. Kreditkartendaten an, um die vermeintlich kostenlose Dienstleistung nutzen zu können, währt die Freude meist nicht lange. Die erste böse Überraschung folgt, wenn man mitgeteilt bekommt, einen kostenpflichtigen Vertrag abgeschlossen zu haben. Die zweite böse Überraschung ist dann die erste zu bezahlende Rechnung, für die angeblich kostenlose Ahnenforschung. Egal ob der Betrag hoch ist oder nicht – es ist ärgerlich, da Sie überhaupt kein kostenpflichtiges Abo abschließen wollten.

Wie gehe ich gegen eine Abofalle vor?

Erhalten Sie eine solche Rechnung, sollten Sie diese nicht bezahlen. Überprüfen Sie zunächst den Vertrag und versuchen Sie gegebenenfalls erst Ihre sogenannten Gestaltungsrechte auszuüben und den bestehenden Vertrag zu beenden.

Achtung: Nicht in jeder Konstellation können Sie einen Vertrag wirksam beenden. Viele Abos können Sie nur aus ganz bestimmten Gründen kündigen.

1. Überprüfen Sie Ihren Vertrag

Prüfen Sie zunächst selbst, ob überhaupt ein wirksamer Vertrag zustande gekommen ist. Betrüger behaupten oft, dass dies der Fall ist und versenden fleißig Mahnungen oder schalten Inkassobüros ein. Lassen Sie sich davon nicht einschüchtern!

Sind Sie sich Ihrer Sache nicht sicher, kontaktieren Sie einen Anwalt. Anwaltlicher Rat ist auch dann ratsam, wenn der Preis der Dienstleistung im starken Missverhältnis zum Wert der Gegenleistung steht.

2. Widerrufen Sie den Vertrag

Schließen Sie als Privatperson (Verbraucher), online einen Vertrag ab, steht Ihnen normalerweise anschließend ein Widerrufsrecht zu. Für den Widerruf haben sie zwei Wochen ab Vertragsschluss Zeit. Falls Sie nicht richtig über das Widerrufsrecht informiert wurden, verlängert sich diese Frist auf ein Jahr.

Den Widerruf müssen Sie schriftlich erklären. Schicken Sie hierzu ein Schreiben mit Ihrem Wunsch des Widerrufs an Ihren Vertragspartner. Gründe für den Widerruf müssen Sie nicht nennen. Um sicherzugehen, dass der Vertragspartner Ihr Schreiben auch wirklich erhält, sollten Sie es per E-Mail und Einschreiben mit Rückschein versenden.

3. Fechten Sie den Vertrag an

Wussten Sie nicht, dass Sie einen Vertrag abschließen bzw. dass der Vertrag Kosten verursacht, handelt es sich um einen Irrtum und Sie können den Vertrag deshalb anfechten. Das Gleiche gilt auch, wenn Sie mit dem jeweiligen Anbieter überhaupt keinen Vertrag abschließen wollten und sich bei Vertragsschluss geirrt haben.

Möchten Sie einen Vertrag anfechten, verlangt das Gesetz gem. § 121 BGB ein unverzügliches Handeln. Das bedeutet, dass Sie ab Kenntnisnahme der Rechnung zwei Wochen Zeit haben, den Vertrag anzufechten. Die Anfechtung sollten Sie aus Beweisgründen schriftlich erklären. Wenn Sie eine Anfechtungserklärung abgeben, müssen Sie die Gründe, also der Irrtum und die Umstände, nennen.

Außerdem haben Sie noch die Möglichkeit den Vertrag wegen einer Täuschung im Sinne des § 123 BGB anzufechten. Der Unterschied zur Irrtumsanfechtung besteht darin, dass der Abofallenbetreiber in diesem Fall keinen Schadensersatz von Ihnen verlangen kann. Hintergrund ist, dass der Abofallenbetreiber nicht auch noch für seine Täuschung belohnt werden soll. Anders als die Anfechtung wegen Irrtums haben Sie hier ein ganzes Jahr Zeit, sich vom Vertrag zu lösen.

4. Treten Sie vom Vertrag zurück

Eine weitere Möglichkeit das Abo vorzeitig loszuwerden ist ein Rücktritt wegen Störung der Geschäftsgrundlage. Haben sich z.B. Umstände geändert die beide Vertragspartner kannten und welche Grundlage des Vertrags waren, können Sie eventuell zurücktreten. Achtung: Diese Umstände dürfen nicht in Ihre oder die Risikosphäre des Vertragspartners fallen. Zum Rücktritt sind Sie nur berechtigt, wenn Ihnen die Fortführung des Abos nicht zuzumuten ist.

5. Kündigen Sie den Vertrag

Sollten Sie den Vertrag nicht vorzeitig beenden können, bleibt Ihnen noch die Möglichkeit eine Kündigung bis zum nächstmöglichen Termin einzureichen.

Kostenpflichtige Verträge werden meist für die Dauer von einem Jahr geschlossen und enthalten oft Angaben, wann eine Kündigung einzureichen ist.

Lesen Sie hierzu Ihren Vertrag gut durch und kündigen Sie innerhalb des angegebenen Zeitraums. Damit müssen Sie zwar für die Dauer des Vertrages, das unerwünschte Abo weiterbezahlen, verhindern aber immerhin eine Verlängerung.

6. Kündigen Sie den Vertrag fristlos

Ist eine Fortsetzung des Vertrags für Sie bis zum Ablauf der Kündigungsfrist bzw. bis zur Beendigung nicht zumutbar, kann eine Kündigung aus wichtigem Grund infrage kommen.

Liegen jedoch Vertragsverletzungen seitens Ihres Vertragspartners vor (z. B. Dienstleistung ist nicht ordnungsgemäß erbracht worden), müssen Sie diesem vorher erfolglos eine Frist gesetzt haben. Auch Ihre Kündigung muss innerhalb einer angemessenen Frist erfolgen. Da das Gesetz jedoch wenig Aufschluss darüber gibt, was als angemessen Frist anzusehen ist, sollten Sie sich mit der Kündigung sicherheitshalber keine Zeit lassen.

Von
Nina Struller
anwalt.de-Redaktion