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Wenn Sie nach einem Unfall z. B. mit einem geparkten Fahrzeug einfach wegfahren, begehen Sie eine Straftat. Man spricht von Fahrerflucht, auch Unfallflucht genannt.

Die rechtlichen Konsequenzen sind bei größeren Schäden vielen klar. Bei Bagatellschäden wie Lackkratzern werden sie aber häufig verdrängt, obwohl auch in diesem Fall eine Unfallflucht nicht folgenlos bleibt. Welche Strafe droht Ihnen bei einer Fahrerflucht und wie kann diese vermieden werden?

Die wichtigsten Fakten

  • Verkehrsteilnehmer, die einen Unfall verursacht haben und sofort weiterfahren, begehen Fahrerflucht.
  • Fahrerflüchtigen droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis drei Jahren sowie drei Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot von maximal drei Monaten sowie der Entzug der  Fahrerlaubnis.
  • Welche Strafe bei einer Unfallflucht genau verhängt wird, ist von der Höhe des entstandenen Schadens abhängig.
  • Fahranfängern droht im Fall einer Fahrerflucht eine Verlängerung der Probezeit um zwei weitere Jahre und die verpflichtende Teilnahme an einem Aufbauseminar.
  • Verletzt man bei einem Wildunfall ein Tier, so kann man beim Weiterfahren keine Unfallflucht begehen.

So gehen Sie vor!

  • Gesetzlich ist jeder, der in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde, verpflichtet, umgehend anzuhalten.
  • Sichern Sie die Unfallstelle und leisten Sie, wenn nötig, Erste Hilfe.
  • Wenn es ein Beteiligter verlangt, muss der Unfall der Polizei gemeldet werden.
  • Räumen Sie die Fahrbahn, sichern Sie Unfallspuren und notieren Sie wichtige Daten der Unfallbeteiligten.
  • Ist keine andere Person beteiligt, da Sie z. B. ein geparktes Auto angefahren haben, sollten Sie mindestens 30 Minuten warten. Taucht niemand auf, melden Sie den Unfall der nächsten Polizeiinspektion.

Wann begeht man Fahrerflucht?

Wenn Sie einen Unfall im Straßenverkehr verursacht haben und anschließend nicht anhalten, sondern weiterfahren, liegt ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vor. Bei diesem Fehlverhalten handelt es sich um eine Straftat. Diese ist im Strafgesetzbuch in § 142 geregelt.

Voraussetzung für eine Fahrerflucht ist, dass nach einem Unfall ein Personen- oder Fahrzeugschaden vorliegt. Ohne Schaden kann es keine Unfallflucht geben. Da man Schäden manchmal nicht von außen erkennt, sollte man sich als Beteiligter im Zweifelsfall nicht von der Unfallstelle entfernen, ohne anderen Unfallbeteiligten erforderliche Auskünfte zu übermitteln und gemeinsam den womöglich verursachten Schaden anzusehen.

Trifft man z. B. nach einem Parkrempler am Unfallort niemanden an, ist man gesetzlich verpflichtet, dort eine angemessene Zeit lang zu warten. Tagsüber wird von Unfallbeteiligten eine Wartezeit von mindestens 30 Minuten erwartet. Taucht auch dann niemand auf, so muss man die eigenen Daten am Unfallort hinterlassen und unbedingt die Polizei verständigen.

Hält man sich als Unfallbeteiligter nicht daran und hinterlässt z. B. nur ein Stück Papier mit seinen Kontaktdaten hinter der Windschutzscheibe des Unfallgegners, begeht man laut aktueller Rechtsprechung immer noch Unfallflucht. Der Grund dafür ist, dass der Zettel möglicherweise vom Regen aufgelöst bzw. unleserlich wird oder vom Wind weggeweht werden kann.

Liegen nach Verkehrsunfällen „nur“ Fahrzeugschäden vor, so kommt es gar nicht so selten zu einer Fahrerflucht. Außerdem gibt es zwischen den einzelnen deutschen Bundesländern starke Unterschiede, was den Anteil der Fahrerflüchtigen an der Gesamtzahl der entsprechenden Unfälle anbelangt:

Verkehrsrecht - Vorwurf-Fahrerflucht-pruefen.jpg
Quelle: Verkehrsunfallstatistik, Statistisches Bundesamt

Welche Strafen drohen im Fall einer Fahrerflucht?

Wenn Sie als Unfallbeteiligter nach einem Verkehrsunfall den Unfallort einfach verlassen, machen Sie sich strafbar. Dieses Fehlverhalten kann aber unterschiedlich sanktioniert werden. Die Strafe für Unfallflucht setzt sich aus zwei Rechtsgebieten zusammen:
 
  • Strafrecht
  • Verkehrsrecht

Begehen Sie als Unfallbeteiligter Fahrerflucht, so droht Ihnen laut § 142 StGB eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis drei Jahren. Die weiteren verkehrsrechtlichen Folgen einer Unfallflucht können aus drei Punkten in Flensburg, der Verhängung eines Fahrverbots von maximal drei Monaten und dem Entzug der Fahrerlaubnis bestehen. Was Ihnen als Fahrerflüchtigem genau droht, hängt von der Höhe des entstandenen Schadens ab.

Folgende Strafen können auf unfallflüchtige Fahrer zukommen:

  • Der Schaden liegt bei unter 600 Euro: Wenn der Unfallflüchtige ermittelt werden kann, droht ihm im Regelfall die Zahlung einer Geldauflage. Damit verbunden ist die Einstellung des Verfahrens.
  • Der Schaden beträgt zwischen 600 und 1.300 Euro: Die Konsequenz ist eine Geldstrafe in der Höhe eines Monatsgehalts. Hinzu kommen zwei Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot von maximal drei Monaten.
  • Der Schaden übersteigt 1.300 Euro: Zu den Folgen für den Unfallflüchtigen zählen eine Geldstrafe, die höher als ein Monatsgehalt sein kann, drei Punkte im Flensburger Fahreignungsregister und der Entzug der Fahrerlaubnis. Zudem wird die zuständige Behörde binnen einer mindestens sechsmonatigen Sperrfrist der Neuerteilung der Fahrerlaubnis nicht zustimmen.

Fahrerflucht kann auch verjähren. § 78 StGB legt für Taten, bei denen ein Strafmaß zwischen mehr als einem und fünf Jahren Freiheitsstrafe droht, eine Verjährungsfrist von fünf Jahren fest. Danach ist es nicht mehr möglich, den Täter zu bestrafen.

Welche weiteren Straftatbestände existieren im Zusammenhang mit der Fahrerflucht?

In Verbindung mit der Unfallflucht gibt es noch weitere Straftatbestände. So kann es bei einer Fahrerflucht mit Personenschaden noch zu weiteren Tatbeständen aus dem StGB kommen. § 34 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) umfasst z. B. die Pflicht, sich nach einem Unfall um Verletzte an der Unfallstelle zu kümmern und Erste Hilfe zu leisten.

Wenn Sie also Beteiligter an einem Unfall sind, bei dem Personen geschädigt wurden, und begehen Unfallflucht, so missachten Sie die StVO und machen sich auch wegen unterlassener Hilfeleistung schuldig. Dieser Straftatbestand wird laut § 323c StGB mit Freiheitsstrafe von maximal einem Jahr oder mit Geldstrafe geahndet.

Ein kurzer Blick auf die einzelnen Straftatbestände im Zusammenhang mit der Unfallflucht laut Strafgesetzbuch und die drohenden Strafen ist hilfreich, um sich einen Überblick zu verschaffen:

TatbestandStrafe
Unterlassene Hilfeleistung nach einem VerkehrsunfallGeld- oder Freiheitsstrafe von höchstens 1 Jahr
Unfallbeteiligter ermöglicht nicht die Feststellung der eigenen Person, des eigenen Fahrzeugs und die Art der BeteiligungGeld- oder Freiheitsstrafe von höchstens 3 Jahren
Wartefrist missachtetGeld- oder Freiheitsstrafe von höchstens 3 Jahren
Berechtigt, entschuldigt oder nach Ablauf der Wartefrist vom Unfallort entfernt, ohne nachträglich sofort Feststellungen zur Beteiligung zu ermöglichenGeld- oder Freiheitsstrafe von höchstens 3 Jahren

Welche Konsequenzen hat eine Fahrerflucht in der Probezeit?

Fahranfänger, die einen Autounfall verursacht haben, sollten unbedingt sicherstellen, dass beim Unfallgegner kein Schaden entstanden ist. Eine Fahrerflucht zählt in der Probezeit zu den A-Verstößen. Sie wird also als im Gegensatz zum leichteren B-Verstoß als schwerwiegender Verkehrsverstoß gewertet. Führerscheinneulinge müssen schon bei einem solchen A-Verstoß innerhalb der Probezeit mit folgenden Konsequenzen rechnen:

  • Verlängerung der Probezeit um zwei weitere Jahre
  • Verpflichtung zur Teilnahme an einem Aufbauseminar
Hinzu kommt dieselbe Strafe in Abhängigkeit von der Schwere der Fahrerflucht wie bei langjährigen Verkehrsteilnehmern.

Ist nach einer Fahrerflucht eine Selbstanzeige sinnvoll?

Einige Autofahrer sehen ihr Fehlverhalten erst dann ein, wenn sie die Unfallstelle schon verlassen haben. Wenn Fahrerflüchtige im Nachhinein Reue zeigen, besteht die Möglichkeit, dass sie bei der Polizei Selbstanzeige erstatten und den Unfall dort melden.

Nach einer Selbstanzeige droht bei einer Fahrerflucht in einigen Fällen keine Strafe oder diese kann zumindest deutlich milder ausfallen. Dafür müssen jedoch folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Es darf lediglich ein geringer Sachschaden bis maximal 1.300 Euro vorliegen.
  • Die Polizei darf noch keine Ermittlungen in dem Fall aufgenommen haben.
  • Die Selbstanzeige muss binnen 24 Stunden nach dem Unfall abgegeben werden.
  • Der Unfall muss außerhalb des fließenden Verkehrs passiert sein. Damit geht es vor allem um Kollisionen auf Parkplätzen mit entsprechenden Schäden.
  • Man muss auch nach einer Selbstanzeige seinen Beitrag dazu leisten, dass der Unfallgegner die eigenen Personalien und Informationen zum Fahrzeug bekommt.

Kann es bei einem Wildunfall zu einer Fahrerflucht kommen?

Wenn einem Fahrzeugführer ein Wildtier, wie z. B. ein Reh oder Hirsch, vor den Wagen läuft, dann sitzt der Schreck zunächst einmal tief. Oft gehen solche Kollisionen mit Tieren mit Sachschäden am eigenen Auto einher. Jedoch liegt bei einem Wildunfall generell keine Fahrerflucht vor, wenn sich der betroffene Verkehrsteilnehmer von der Unfallstelle entfernt, ohne den Vorfall zu melden. Er begeht in diesem Sinne also keine Straftat.

Auch wenn es sich um keine Unfallflucht handelt, wird in diesem Zusammenhang das Jagdausübungsrecht des jeweiligen Jagdberechtigten oder -pächters verletzt. Darüber hinaus verstößt der Fahrzeugführer gegen das Tierschutzgesetz, wenn das Tier noch leben sollte. Daher ist es wichtig, die Polizei und den zuständigen Förster über den Unfall in Kenntnis zu setzen.

Von
Boris Christof Böhm
anwalt.de-Redaktion