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Patientenverfügung erstellen: Darauf sollten Sie achten!

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Erbrecht

Ein schwerer Unfall, Demenz oder eine andere unheilbare Krankheit: es kann jedem passieren. Wenn man dann nicht mehr für sich selbst entscheiden kann, ist es gut, mit einer Patientenverfügung vorgesorgt zu haben. Damit bestimmen Sie und nicht andere, was mit Ihnen geschieht.

Die wichtigsten Fakten

  • In einer Patientenverfügung können Sie für den Fall Ihrer eigenen Entscheidungsunfähigkeit festlegen, welche medizinischen Maßnahmen getroffen werden sollen und welche nicht.
  • Die Patientenverfügung muss schriftlich vorliegen und eigenhändig unterschrieben sein.
  • Eine Patientenverfügung ist nur für Volljährige wirksam.
  • Die Patientenverfügung kann beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registriert werden.

So gehen Sie vor

  1. Informieren Sie sich über die Voraussetzungen und den Inhalt einer Patientenverfügung.
  2. Beginnen Sie mit Ihrem Namen, Geburtsdatum und Wohnort.
  3. Formulieren Sie genau, in welchen Situationen Sie welche Behandlungen wünschen und welche Sie ablehnen.
  4. Sie können bestimmen, wann und wie lange die Patientenverfügung gelten soll.
  5. Nicht vergessen: Patientenverfügung am Ende unterschreiben.

Wofür benötigt man eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung ist ein Dokument, in dem Sie für den Fall der eigenen Entscheidungsunfähigkeit bestimmen, welche medizinischen Maßnahmen und Behandlungen getroffen werden sollen und welche nicht. So ist das z.B. häufig der Fall bei Demenz, einem Wachkoma oder bei schweren unheilbaren Krankheiten.

Sie legen in der Patientenverfügung frühzeitig fest, welche medizinischen Maßnahmen erfolgen sollen, wenn Sie Ihren eigenen Willen nicht mehr wirksam ausdrücken können. Dazu gehören

  • Lebenserhaltende Maßnahmen
  • Schmerz- und Symptombehandlungen
  • Künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
  • Künstliche Beatmung
  • Wiederbelebungsmaßnahmen
  • Gabe von Medikamenten
  • Gabe von Blutspenden

Sie benötigen dazu eine Vorsorgevollmacht, die die bevollmächtigte Person insbesondere zur Entscheidung über ärztliche Maßnahmen berechtigt.

Fehlt diese, muss das Betreuungsgericht zunächst einen Betreuer bestellen. Dies nimmt wertvolle Zeit in Anspruch, in der keine Behandlungen an Ihnen durchgeführt werden dürfen, die nicht Ihrem Willen entsprechen.

Welche Behandlungen ein Arzt tatsächlich durchführen darf und welche nicht, wird für diesen erst verbindlich durch eine bereits vorhandene Patientenverfügung. Ebenso daran gebunden sind Vorsorgebevollmächtigte oder Betreuer.

Wer kann eine Patientenverfügung erstellen?

Um den eigenen Wünschen und Vorstellungen gerecht zu werden, ist eine Patientenverfügung deshalb für alle volljährigen Personen zu empfehlen. Jeder Mensch kann schließlich jederzeit plötzlich durch Unfall oder Krankheit nicht mehr zu eigenen Entscheidungen fähig sein. Bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr sind automatisch die Sorgeberechtigten – meist also deren Eltern –, dazu berechtigt, Entscheidungen über medizinische Behandlungen zu treffen.

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Patientenverfügung

Worauf Sie achten sollten und welche Fehler Sie vermeiden müssen. Informieren Sie sich

hier!

Wie muss die Patientenverfügung erstellt werden?

Eine Patientenverfügung kann jeder privat verfassen. Diese muss jedoch aus Gründen der Sicherheit und zu Beweiszwecken schriftlich erstellt werden.

Der vom Ersteller zum Ausdruck gebrachte Wille ist rechtlich bindend und darf von niemandem, weder Arzt noch Angehörigen noch Betreuer, missachtet werden. Eine Ausnahme besteht nur bei gewünschten Behandlungen, die selbst gegen ein Gesetz verstoßen würden – z. B. aktive Sterbehilfe.

Muss eine Patientenverfügung notariell beurkundet werden?

Nein, die Patientenverfügung muss nicht zwingend notariell beurkundet oder beglaubigt werden.

Im Rahmen einer Beglaubigung prüft der Notar nur die Richtigkeit der Unterschrift. Sie erhält dadurch jedoch mehr Gewicht. Sind Sie nicht mehr in der Lage, selbst zu unterschreiben oder zu sprechen, ist eine notarielle Beurkundung notwendig. Der Verfasser der Patientenverfügung muss lediglich volljährig und in der Lage sein, die Tragweite seiner Entscheidungen zu erkennen.

Was muss die Patientenverfügung beinhalten?

Beim Erstellen einer Patientenverfügung müssen Sie konkret beschreiben, in welchen Situationen diese gelten soll und welche Behandlungswünsche Sie haben. Die Patientenverfügung darf keine allgemeinen und ungenauen Formulierungen beinhalten, wie etwa der Wunsch würdevoll zu sterben.

  • Nehmen Sie Bezug auf genaue Lebenssituationen, wie etwa das Befinden im Endstadium einer unheilbar, tödlich verlaufenden Krankheit und Ihre konkreten Behandlungswünsche in diesen Situationen.
  • Nennen Sie nahestehende Personen, die sie gut kennen und bei der Ermittlung Ihrer Vorstellungen helfen können.
  • Entbinden Sie die behandelnden Ärzte von ihrer Schweigepflicht gegenüber diesen Personen entbinden.
  • Geben Sie Hinweise auf weitere Vorsorgeverfügungen oder einen Organspendeausweis.
  • Weisen Sie darauf hin, dass Sie, im Falle eines Eintretens der beschriebenen Umstände, keine weitere ärztliche Aufklärung wünschen. Da bestimmte ärztliche Eingriffe nur mit wirksam vorgenommener Aufklärung erfolgen können, ist diese Bestimmung besonders wichtig.
  • Versehen Sie die Patientenverfügung mit Angaben zu Ort und Datum. Diese Angaben können bei Unklarheiten helfen, Ihren Willen zu ermitteln.
  • Denken Sie von Zeit zu Zeit daran, Ihre Patientenverfügung Ihren aktuellen Wünschen anzupassen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht?

PatientenverfügungVorsorgevollmacht
GültigkeitWenn der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, seinen eigenen Willen zu bilden.Sofort. Jedoch kann vereinbart werden, dass der Bevollmächtigte die Vorsorgevollmacht erst gebrauchen darf, wenn der Aussteller handlungsunfähig ist.
VerfügungsmöglichkeitenErklärung über gewünschte medizinische Maßnahmen.Bestellung einer Vertrauensperson zum Vertreter in allen rechtlichen Angelegenheiten.
Begrenzung auf bestimmte Aufgabenmedizinische AngelegenheitenMöglich
Zeitpunkt des ErlöschensGilt nur dann, wenn der Betroffene nicht in der Lage ist seinen eigenen Willen zu bilden.Grundsätzlich mit dem Tod. Wenn eine Gültigkeit bis über den Tod hinaus gewünscht ist, muss dies explizit geregelt werden.
Gesetzliche Regelung§§ 1901a, 1901b BGB§ 1901c BGB; § 164 bis §181 BGB
Registrierbar beim Vorsorgeregister der BundesnotarkammerJaJa
Änderungen möglichJaJa
Von
Nina Struller
anwalt.de-Redaktion