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Pflichtteil: So prüfen Sie Ihren Anspruch auf Erbe!

Oder wählen Sie einen passenden Anwalt in Ihrer Nähe

Erbrecht

Gab es in Ihrer Familie einen Todesfall und möchten Sie wissen, ob Sie einen Anspruch auf Erbe haben? Ob Sie erbberechtigt sind und wie Sie Ihren Anspruch geltend machen können, erfahren Sie hier.

Die wichtigsten Fakten

  • Viele Erbstreitigkeiten landen jedes Jahr in Deutschland vor Gericht.
  • Wenn es weder ein Testament noch einen Erbvertrag gibt, gilt die gesetzliche Erbfolge.
  • Erben sind entsprechend ihrem Verwandtschaftsgrad erbberechtigt.
  • Wenn es Erben 1. Ordnung gibt, können Verwandte der 2. und 3. Ordnung nicht erben.
  • Falls es keine Kinder gibt, sind die Eltern des Erblassers erbberechtigt.

So gehen Sie vor

  1. Prüfen Sie, ob ein Testament oder Erbvertrag vorliegt.
  2. Wenn Sie vom Erbe ausgeschlossen oder im Testament nicht bedacht wurden, können Sie möglicherweise einen Pflichtteil geltend machen.
  3. Wenn Sie einen Anspruch auf den Pflichtteil haben, sollten Sie den Nachlasswert ermitteln.
  4. Machen Sie Ihren Pflichtteilsanspruch dem Erben oder der Erbengemeinschaft gegenüber geltend.
  5. Wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt für Erbrecht. Er unterstützt Sie bei der Durchsetzung Ihres erbrechtlichen Anspruchs.

Gibt es ein Testament oder einen Erbvertrag?

Im Idealfall wird der Erbfall über ein Testament oder einen Erbvertrag geregelt.

Ein Testament kann entweder als Einzeltestament oder als gemeinschaftliches Testament erstellt werden, wobei beim gemeinschaftlichen Testament nur der Ehegatte oder Lebenspartner eingetragen werden kann. Wichtig ist u. a., dass die Formvorschriften eingehalten werden, damit es rechtswirksam ist. Eine notarielle Beurkundung ist nicht immer notwendig.

Der Erbvertrag hingegen muss notariell beurkundet werden. Als Vertragspartner kann jede beliebige Person eingesetzt werden. Wenn Sie in einem rechtswirksamen Testament oder Erbvertrag als Erbe eingesetzt sind, haben Sie einen erbrechtlichen Anspruch. Dies gilt allerdings nicht für Fälle, in denen im Erbvertrag auf den Pflichtteil verzichtet wurde.

Wer ist gesetzlicher Erbe?

Liegt weder ein Testament noch einen Erbvertrag vor, wird es kompliziert, denn dann gilt die gesetzliche Erbfolge.

Diese legt fest, dass der Erbanspruch vom Verwandtschaftsgrad abhängt. Danach erben als Verwandte 1. Ordnung zunächst Kinder und Enkel, danach Eltern und Geschwister (2. Ordnung) und anschließend Großeltern sowie Onkel und Tanten (3. Ordnung). Wenn es Verwandte 1. Ordnung gibt, sind Verwandte der 2. Ordnung nicht erbberechtigt.

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Quelle: Postbank

Was erbt der Ehepartner?

Der überlebende Ehegatte hat neben anderen Verwandten erster Ordnung Anspruch auf 1/4 des Nachlasses (§ 1931 Abs. 1 BGB). Wenn er in Zugewinngemeinschaft gelebt hat, erhöht sich sein Erbteil um ein zusätzliches Viertel der Erbschaft (§ 1371 Abs. 1 BGB), sodass er 50 % des Nachlasses erhält. Dieses zusätzliche Viertel nennt man auch Zugewinnpauschale.

Beispiel: Ein Ehepaar lebt in Zugewinngemeinschaft und hat zwei Kinder. Ein Ehegatte stirbt.

Nachlasswert: 100.000 Euro

Ehepartner: 1/4 = 25.000 Euro (§ 1931 Abs. 1 BGB) + 1/4 (Zugewinnpauschale) = 50.000 Euro
Jedes Kind erhält 1/4 = 25.000 Euro

Wenn Ehepartner in Gütertrennung gelebt haben, hängt die Höhe des gesetzlichen Erbteils von der Anzahl der Kinder ab. Wenn der Erblasser ein Kind hatte, erbt der überlebende Ehegatte die Hälfte, das Kind die andere Hälfte. Wenn es zwei Kinder gibt, erben sowohl der Ehegatte wie auch jedes Kind 1/3 der Erbmasse.

Im Falle einer Gütergemeinschaft erhält der überlebende Ehegatte neben Verwandten erster Ordnung 1/4 des Nachlasses, alle anderen Erben 3/4. Wenn der hinterbliebene Ehegatte mit Verwandten 2. Ordnung erbberechtigt ist, beträgt sein Erbteil zunächst die Hälfte des Nachlasses.

Grundsätzlich sind Erben nachfolgender Ordnungen nur erbberechtigt, wenn es keine Erben vorrangiger Ordnungen gibt.

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Pflichtteil

Hier können Sie überprüfen, ob Sie einen Anspruch auf Erbe haben

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Anspruch auf den Pflichtteil

Wenn eine Enterbung vorliegt, also z. B. ein anderer zum Erben eingesetzt wurde oder aus einem Testament bzw. Erbvertrag eindeutig hervorgeht, dass der Sohn oder die Tochter des Erblassers enterbt wurde, dann sind nur seine Enkelkinder, dessen Ehegatte und (falls es keine Enkelkinder gibt) auch seine Eltern pflichtteilsberechtigt.

PflichtteilInformationen
Definition Wenn Angehörige des Erblassers erbrechtliche Ansprüche haben, aber weder im Testament noch im Erbvertrag bedacht oder enterbt wurden, steht ihnen ein Pflichtteilsanspruch zu.
Wer ist pflichtteilsberechtigt?In erster Linie haben Nachkommen des Erblassers (Kinder, Enkel), und sein Ehepartner bzw. Lebenspartner einen Anspruch auf den Pflichtteil. Wenn es keine Kinder gibt, können Eltern des Verstorbenen ihren Pflichtteil geltend machen.
Wie hoch ist der Pflichtteilsanspruch?Der Pflichtteil entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Dazu muss der Pflichtteilsberechtigte erst einmal ermitteln, welchen Betrag er geerbt hätte.
Was ist ein Pflichtteilsergänzungsanspruch?Wenn der Erblasser zugunsten eines Dritten eine Schenkung gemacht hat, um seine Erbmasse zu verringern, haben Pflichtteilsberechtigte einen Pflichtteilsergänzungsanspruch, wenn der Erbfall innerhalb von 10 Jahren nach der Schenkung eintritt. Der Pflichtteilergänzungsanspruch wird jährlich um ein Zehntel reduziert.
Wie werden Pflichtteilsansprüche geltend gemacht?Pflichtteilsberechtigte können ihren Pflichtteil gegenüber dem Erben oder einer Erbengemeinschaft geltend machen.
Wie wird der Umfang des Nachlasses ermittelt?Alle Pflichtteilsberechtigten haben einen Auskunftsanspruch und dürfen z. B. ein Nachlassverzeichnis überprüfen. Außerdem muss ihnen der Erbe Auskunft über sämtliche Zuwendungen sowie Vermögenswerte geben und Ihnen sein Wissen offenbaren.
Können Erben vom Pflichtteil ausgeschlossen werden?Wenn Sie aufgrund eines Vertrages auf Ihren Pflichtteilsanspruch verzichten oder mithilfe einer Straftat an das Erbe gelangen wollten (z. B. Betrug oder Ermordung des Erblassers), sind sie nicht mehr pflichtteilsberechtigt.
Gelten Verjährungsfristen?Innerhalb von drei Jahren ab dem Ende des Jahres, in welchem der Pflichtteilsberechtigte Kenntnis vom Tod des Erblassers erlangt hat, verjähren Ansprüche auf den Pflichtteil. Die Frist beginnt ab dem Jahr der Kenntnisnahme vom Tod des Erblassers. Wichtig: Bei Minderjährigen läuft die Frist erst ab Eintritt der Volljährigkeit. Falls der Pflichtteilsberechtigte keine Kenntnis über seinen Anspruch hat, verjährt dieser erst nach 30 Jahren.
Von
Renate Held
anwalt.de-Redaktion