Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Regelinsolvenz: Antrag, Ablauf, Voraussetzungen und Folgen

Oder wählen Sie einen passenden Anwalt in Ihrer Nähe

Insolvenzrecht

Leere Kassen und angesammelte Rechnungen, die nicht beglichen werden können: dies bedeutet keinesfalls das Ende. Neben Privatpersonen haben auch Unternehmen die Möglichkeit, Insolvenz anzumelden.

Allerdings sind bei einer Unternehmensinsolvenz, auch Regelinsolvenz genannt, deutlich mehr Personen betroffen. Nicht nur Ihr Unternehmen könnte aufgelöst werden, sondern damit auch die Arbeitsplätze Ihrer Angestellten und die laufenden Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Lieferanten.

Die wichtigsten Fakten

  • Für Unternehmen, die zahlungsunfähig sind, ist die Regelinsolvenz vorgesehen.
  • Ziel ist ein finanzieller Neuanfang.
  • Die Regelinsolvenz dauert ca. 6 Jahre.
  • Ein Insolvenzverfahren endet mit der Sanierung oder Liquidation des Unternehmens.
  • Um das Insolvenzverfahren zu eröffnen, muss ein Antrag beim Insolvenzgericht eingereicht werden.
  • Es muss ein Insolvenzgrund vorliegen.
  • Ein Insolvenzverwalter übernimmt die Unternehmensführung.

So gehen Sie vor

  1. Informieren Sie sich über die Voraussetzungen und die Folgen einer Insolvenz
  2. Prüfen Sie, ob bei Ihnen ein Insolvenzgrund vorliegt
  3. Prüfen Sie, ob die Insolvenzantragspflicht für Sie gilt
  4. Lassen Sie keine Fristen verstreichen
  5. Überlegen Sie sich, ob Sie eine Eigen- oder Fremdverwaltung wollen

Was ist eine Unternehmensinsolvenz?

Das Insolvenzverfahren für Unternehmen wird auch Regelinsolvenz genannt und dient dem finanziellen Neuanfang. Es gibt zwei mögliche Ausgänge des Verfahrens:

  • Sanierung (Wiederherstellung)
  • Liquidation (Verkauf) des Unternehmens

Zur Beantragung einer Regel- also Unternehmensinsolvenz berechtigt sind Personengesellschaften (OHG, GbR, KG) und Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, UG) sowie Freiberufler oder Selbstständige. Bei Letzteren muss die Unternehmens- von der Verbraucherinsolvenz abgegrenzt werden. Eine Verbraucherinsolvenz ist für nicht und nicht mehr selbstständige Tätige möglich. In der Regel dauert eine Unternehmensinsolvenz sechs Jahre, kann jedoch auch auf drei oder fünf Jahre verkürzt werden.

Insolvenzverfahren bei Einzelunternehmern

Einzelunternehmer haften mit ihrem Privatvermögen. Bei Ihnen ist sechs Jahre nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens eine Restschuldbefreiung möglich. Besonders aufpassen müssen aber Freiberufler wie Rechtsanwälte und Notare. Ihnen kann die Zulassung entzogen werden. Gleiches gilt für die Gewerbelizenz von Gewerbetreibenden.

Wie läuft ein Regelinsolvenzverfahren ab?

Die Regelinsolvenz besteht im Wesentlichen aus drei Abschnitten:

  1. dem Eröffnungsverfahren
  2. dem eigentlichen Insolvenzverfahren
  3. dem Verfahrensabschluss

Wie stellt man einen Antrag auf die Eröffnung eines Regelinsolvenzverfahrens?

Um ein Regelinsolvenzverfahren zu eröffnen, müssen Sie als Unternehmer zunächst selbst einen Antrag auf die Eröffnung einer Regelinsolvenz beim zuständigen Insolvenzgericht (meist Amtsgericht), in dessen Bezirk Sie Ihren Wohnsitz haben, stellen. Ein vorgefertigtes Formular hierzu finden Sie z.B. auf der Seite des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz.

Hier ist jedoch zu beachten, dass die Insolvenzantragspflicht nur für die GmbH (& Co. KG/OHG), UG, AG und Genossenschaft gilt.

Auch wenn die Insolvenzantragspflicht zwar nur für juristische Personen besteht und nicht für Personengesellschaften, sollten auch Sie schnellstmöglich einen Insolvenzantrag stellen, da bei Fortführung der Geschäfte eine Strafbarkeit wegen z. B. Eingehungsbetrugs droht und auch die Restschuldbefreiung versagt werden kann.

Im Gegensatz zur Privatinsolvenz können Sie den Antrag sofort stellen und müssen vorher keinen außergerichtlichen Einigungsversuch mit Ihren Gläubigern durchführen. Der Antrag muss zwingend schriftlich gestellt werden und sollte eine Übersicht über die Vermögensverhältnisse sowie über die Gläubiger enthalten.

Fristen beachten!

Der Antrag muss zwingend innerhalb von drei Wochen ab Eintritt der Zahlungsunfähigkeit gestellt werden, da sonst ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung droht!

Auch Geschäftsführer und Gesellschafter bzw. Vorstand und Mitglieder des Aufsichtsrates können harte Konsequenzen treffen: Wird Ihnen von der Staatsanwaltschaft Insolvenzverschleppung, Bankrott oder Ähnliches vorgeworfen, müssen Sie mit Geldstrafen, Freiheitsstrafen, einer Sperrung für die Tätigkeit als Geschäftsführer und Durchgriffshaftung auf das Privatvermögen rechnen.

media - Regelinsolvenz-1.jpg

Regelinsolvenz

Ob Sie einen Anspruch auf ein Regelinsolvenzverfahren haben, erfahren Sie

hier!

Wann wird das Regelinsolvenzverfahren eingeleitet?

Damit das Regelinsolvenzverfahren eingeleitet werden kann, muss ein Insolvenzgrund vorliegen. Diese sind in der Insolvenzordnung festgelegt. Demnach gibt es drei Eröffnungsgründe für eine Unternehmensinsolvenz.

EröffnungsgründeBeschreibung
ZahlungsunfähigkeitSie sind nicht in der Lage, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen oder haben Ihre Zahlungen gänzlich eingestellt
Drohende ZahlungsunfähigkeitSie sind nicht in der Lage, die bestehenden Zahlungspflichten zu begleichen und eine Zahlungsunfähigkeit wird in absehbarer Zeit (max. 12 Monate) eintreten
ÜberschuldungIhr Vermögen deckt die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr

Nachdem Sie oder einer Ihrer Gläubiger einen Insolvenzantrag eingereicht hat, wird dieser von einem Sachverständigen geprüft. Da auch Gläubiger einen Eröffnungsantrag stellen können, wird in einem solchen Fall selbstverständlich die Berechtigung der Gläubigerforderung kontrolliert und Sie als Schuldner hierzu befragt.

Liegt mindestens einer der Eröffnungsgründe vor und ist eine ausreichende Insolvenzmasse (Immobilien, Bankguthaben, Möbel, Bausparverträge etc.) für die Deckung der auf Sie zukommenden Verfahrenskosten vorhanden, wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Dieser Beschluss ist öffentlich einsehbar.

Im Rahmen der Eröffnung des Insolvenzantrags wird dann auch ein Insolvenzverwalter bestimmt, an den sofort alle Verwaltungs- und Verfügungsrechte übergehen. Alternativ können Sie auch einen Antrag auf Eigenverwaltung stellen. Dann behalten Sie die Befugnisse und bekommen nur einen sogenannten Sachwalter zur Seite gestellt.

media - 200_unternehmensinsolvenz.jpg
Statistisches Bundesamt (Destatis) 2018

Was passiert beim Regelinsolvenzverfahren?

Ist das Verfahren eröffnet, können Gläubiger keine weiteren Zwangsvollstreckungsmaßnahmen mehr bei Ihnen durchführen. Haben Sie im Insolvenzantrag keine Eigenverwaltung gefordert, sind Sie ab dem Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung auch nicht mehr berechtigt Ihr Unternehmensvermögen selbst zu verwalten. Der Insolvenzverwalter wird ab jetzt die Unternehmensführung für sie übernehmen und auch dafür sorgen, dass bisherige Arbeitsabläufe einbehalten werden können.

Durch die öffentliche Bekanntmachung Ihrer Insolvenz werden Ihre Gläubiger dazu aufgefordert, innerhalb einer bestimmten Frist Forderungen gegen Sie beim Insolvenzverwalter anzumelden. Dieser prüft sämtliche Forderungen und erstellt ein Forderungsverzeichnis, das beim Insolvenzgericht zur Annahme oder Ablehnung vorlegt.

Anschließend wird ein Insolvenzplan erstellt, dieser zeigt, wie eine Sanierung Ihres Unternehmens ablaufen könnte. Die vom Gericht zugelassenen Gläubiger können nun abstimmen, ob der Plan angenommen und somit ein Insolvenzverfahren vermieden wird. Erfolgt die Ablehnung des Insolvenzplans, wird das Insolvenzverfahren fortgeführt und die bei der Unternehmensliquidation in Geld umgesetzte Insolvenzmasse durch den Insolvenzverwalter entsprechend auf die Gläubiger verteilt bzw. für die Verfahrenskosten getilgt. Dieser Vorgang wird als Schlussverteilung bezeichnet.

media - Regelinsolvenz-1.jpg

Regelinsolvenz

Ob Sie einen Anspruch auf ein Regelinsolvenzverfahren haben, erfahren Sie

hier!

Wie wird das Regelinsolvenzverfahren beendet?

Sind alle Forderungen beglichen und ist die Schlussverteilung beendet, reicht der Insolvenzverwalter einen Schlussbericht beim Insolvenzgericht ein.

Das Gericht setzt daraufhin einen Schlusstermin fest, bei dem der Insolvenzverwalter abschließend über das Verfahren berichten soll. Werden keine Einwendungen erhoben, wird die Schlussverteilung (Verteilung der Insolvenzmasse auf die Gläubiger) gemäß dem Verteilungsverzeichnis bewilligt und das Insolvenzverfahren aufgehoben. Das Unternehmen ist nun entweder saniert oder liquidiert und wird, soweit erforderlich, aus dem Handelsregister gelöscht.

Von
Nina Struller
anwalt.de-Redaktion