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Scheidung: Das Wichtigste über Trennungsjahr, Scheidungskosten und Co.

Oder wählen Sie einen passenden Anwalt in Ihrer Nähe

Familienrecht

Sie möchten sich scheiden lassen? Dann befinden sie sich in einer emotionalen Ausnahmesituation und müssen dennoch den Kopf freihaben, für Ihre Zukunft wichtige Entscheidungen zu treffen und Fragen zu klären. Eine Erstberatung zum Thema Scheidung bietet Ihnen alle wichtigen Informationen über Trennungsjahr, Scheidungskosten und Co.

Die wichtigsten Fakten

  • Eine einvernehmliche Scheidung kostet weniger Zeit und Geld als eine streitige.
  • Bei einer Online-Scheidung müssen Sie nur zum Gerichtstermin persönlich erscheinen.
  • Erst nach Ablauf des Trennungsjahrs ist die Scheidung möglich.
  • Die Scheidungskosten hängen vom Einkommen und Vermögen der Eheleute sowie von den zu klärenden Streitpunkten ab.

So gehen Sie vor

  1. Legen Sie das Trennungsdatum fest.
  2. Machen Sie ggf. Anspruch auf Trennungsunterhalt geltend.
  3. Lassen Sie durch Ihren Rechtsanwalt den Scheidungsantrag stellen.
  4. Stellen Sie ggf. Anträge auf Sorgerecht und Unterhalt.
  5. Führen Sie den Versorgungsausgleich durch.
  6. Nach dem Scheidungstermin vor Gericht erhalten Sie den Scheidungsbeschluss.

Der Idealfall: einvernehmliche Scheidung

Eine Scheidung kann teuer werden – muss sie aber nicht! Lassen sich die Ehepartner einvernehmlich scheiden, kann man immense Kosten und eine Menge Zeit sparen. „Einvernehmlich“ bedeutet, dass man sich mit seinem Partner über alle Scheidungsfolgen (Unterhalt, Sorgerecht, Aufteilung von Vermögen und Hausrat etc.) einigt und den Richter nur für den formalen Akt der Scheidung benötigt.

Der größte Vorteil: Eine einvernehmliche Scheidung können Sie gemeinsam mit nur einem Anwalt bewältigen und sich dessen Kosten teilen. Streng genommen kann der Anwalt aber nur einen der Ehegatten rechtlich vertreten – das kann zur Stolperfalle werden, falls doch noch Streitigkeiten auftreten.

 

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Online-Scheidung: einfach, schnell und bequem

Anders, als der Name vermuten lässt, kann auch eine Online-Scheidung nicht vollständig über das Internet abgewickelt werden. Wenn Sie sich für diesen Weg entscheiden, können Sie zwar zeitintensive Termine beim Anwalt umgehen und sämtliche Kommunikation per E-Mail und Telefon abwickeln. Zum Scheidungstermin vor Gericht müssen Sie und Ihr Ehegatte aber trotzdem persönlich erscheinen.

Die Online-Scheidung ist nur dann sinnvoll, wenn Sie sich einvernehmlich scheiden lassen. Eine attraktive Alternative stellt sie insbesondere dar, wenn Sie und Ihr Ehepartner weit auseinander wohnen oder einer seinen Wohnsitz im Ausland hat.

Trennungsjahr: Das müssen Sie beachten

Bevor eine Ehe endgültig geschieden werden kann, müssen Eheleute erst das sogenannte Trennungsjahr abwarten. Sie müssen also mindestens ein Jahr lang getrennt leben, aber nicht unbedingt in unterschiedlichen Wohnungen. Das Trennungsjahr beginnt, sobald keine häusliche Gemeinschaft mehr besteht: Jeder führt den Haushalt für sich selbst, wäscht seine eigene Wäsche, kocht sein eigenes Essen, regelt seine eigenen Finanzen etc.

Nach Ablauf des Trennungsjahres kann eine einvernehmliche Scheidung zügig abgewickelt werden, insbesondere wenn die Eheleute nur kurz verheiratet waren: Dann gibt es weniger zu regeln und die Scheidung ist schneller abgewickelt.

Eine Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahres ist nur in bestimmten Ausnahmefällen möglich. Dann spricht man von einer Blitzscheidung oder Härtefallscheidung und es gibt keine Trennungsfrist oder Ähnliches – der Antrag wird sofort gestellt. Die Voraussetzung dafür ist, dass ein Fall von unzumutbarer Härte vorliegt. Das können z. B. sein:

  • Gewalt
  • Demütigungen
  • Morddrohungen
  • psychische Erkrankungen
  • Alkohol- oder Drogensucht
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Scheidungskosten: Wie teuer ist eigentlich eine Scheidung?

Die Kosten einer Ehescheidung hängen vom Einzelfall ab. Berechnet werden sie nach dem sogenannten Verfahrenswert. Je nach Vermögen und Einkommen der Ehepartner ist der Verfahrenswert höher oder niedriger – insbesondere das Nettoeinkommen der letzten drei Monate spielt dabei eine Rolle.

Zum Einkommen gehören dabei auch Renten, Krankengeld, Kindergeld und Arbeitslosengeld I, nicht aber Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II oder Erziehungsgeld. Abgezogen werden vom Einkommen zunächst außerdem gemeinsame Schulden, laufende Darlehen und Unterhaltszahlungen für eheliche Kinder.

Aus dem Verfahrenswert bestimmen sich die tatsächlichen Kosten, die sich aus Anwaltskosten und Gerichtskosten zusammensetzen. Der Verfahrenswert beträgt immer mindestens 3.000 Euro – auch, wenn die Ehepartner weniger verdienen. Neben dem Einkommen gibt es noch weitere Punkte, die die Höhe der Scheidungskosten beeinflussen.

Lassen sich die Ehegatten nicht einvernehmlich scheiden und das Gericht muss über Unterhalt, Sorgerecht, Vermögen usw. entscheiden, erhöhen sich dadurch die Gerichtskosten. Grundsätzlich gilt: Je weniger Streitpunkte es bei der Scheidung gibt, desto günstiger ist sie.

Kosten bei einvernehmlicher Scheidung mit einem Anwalt:

Verfahrenswert in EuroAnwaltskosten in EuroGerichtskosten in EuroGesamtkosten in Euro
Bis 3.000621,78216,00837,78
Bis 4.000773,50254,001.027,50
Bis 5.000925,23292,001.217,23
Bis 6.0001.076,95330,001.406,95
Bis 7.0001.228,68368,001.596,68
Bis 8.0001.380,40406,001.786,40
Bis 9.0001.532,13444,001.976,13
Bis 10.0001.683,85482,002.165,85
Bis 13.0001.820,70534,002.354,70
Bis 16.0001.957,55586,002.543,55
Bis 19.0002.094,40658,002.732,40
Bis 22.0002.231,25690,002.921,25
Bis 25.0002.368,10742,003.110,10
Bis 30.0002.591,23812,003.403,23
Bis 35.0002.814,35882,003.696,35
Bis 40.0003.037,48952,003.989,48
Bis 45.0003.260,601.022,004.282,60
Bis 50.0003.483,731.092,004.575,73
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Scheidungskosten berechnen

Wie hoch Ihre voraussichtlichen Scheidungskosten ausfallen, erfahren Sie auf unserer Rechtshelfer-Seite zum Thema Scheidungskosten.

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Scheidungsfolgen: Vermögen, Hausrat, Unterhalt & Co.

Neben finanziellen Angelegenheiten gibt es bei einer Trennung und Scheidung weitere Folgen, die Sie beachten müssen und um deren Regelung Sie sich rechtzeitig kümmern sollten.

VersorgungsausgleichWährend der Ehe gewinnen die Ehepartner gegenseitig Ansprüche an der Rente des anderen. Beim Versorgungsausgleich werden diese gerecht unter den Ehegatten aufgeteilt. Das entschädigt z. B. den Partner, der wegen der Kindererziehung nicht arbeiten konnte.
ZugewinnausgleichOhne Ehevertrag leben Ehepartner automatisch in einer Zugewinngemeinschaft. Dann wird bei der Scheidung der Zugewinnausgleich durchgeführt und beide Ehegatten haben einen Anspruch auf die Hälfte des Zugewinns, also des Vermögens, das beide Partner seit der Hochzeit gemeinsam neu erwirtschaftet haben.
Gütertrennung vs. GütergemeinschaftIm Ehevertrag kann als Alternative zur Zugewinngemeinschaft die Gütertrennung vereinbart werden. In diesem Fall findet kein Ausgleich des Vermögens statt, sondern jeder Ehegatte behält das, was ihm gehört.

Ebenfalls möglich ist die Gütergemeinschaft. Hier bekommt jeder die Hälfte des gesamten Vermögens, nicht nur des Zugewinns seit der Hochzeit.
HausratDer Hausrat muss bei einer Scheidung gerecht aufgeteilt werden. Dazu gehören alle beweglichen Gegenstände, die im Haushalt der Ehegatten für die gemeinsame Lebensführung benutzt wurden: z. B. Möbel, Bettwäsche, Geschirr und Besteck, Elektrogeräte oder Unterhaltungselektronik.
UnterhaltDer Ehepartner mit dem geringeren Einkommen hat während des Trennungsjahres Anspruch auf Trennungsunterhalt. Nach durchgeführter Scheidung kommt nachehelicher Unterhalt nur unter bestimmten Voraussetzungen in Betracht.

Einen Anspruch auf Unterhaltszahlungen haben im Scheidungsfall außerdem Kinder gegenüber dem Elternteil, bei dem sie nicht leben.

Ausführliche Informationen finden Sie auch auf unserer Rechtshelfer-Seite zum Thema Unterhalt.
SorgerechtIm Normalfall behalten bei einer Scheidung ohne weitere Regelungen beide Elternteile weiterhin das gemeinsame Sorgerecht für ihre Kinder. Alleiniges Sorgerecht kommt nur auf begründeten Antrag in Betracht.

Der nicht betreuende Elternteil hat dann ein Umgangsrecht. Eine besondere Möglichkeit der Ausübung des gemeinsamen Sorgerechts ist das sogenannte Wechselmodell.

Mehr zum Sorgerecht lesen Sie auf der Rechtshelfer-Seite zum Thema.
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Erstberatung zu Ihrer Scheidung

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Scheidung einer Unternehmerehe

Ein Sonderfall tritt ein, wenn einer der Ehegatten oder sogar beide Unternehmer sind. Dann gibt es bei der Scheidung Besonderheiten zu beachten, egal, wie groß die Firma ist. Dazu gehören unter anderem Fragen wie:

  • Ist ein Ehegatte in der Firma des anderen angestellt?
  • Ist das Auto des Ehegatten ein Firmenwagen?
  • Welche Ansprüche auf Trennungsunterhalt gibt es? (Der Unterhalt wird bei einer Unternehmerehe anders berechnet als bei einer „normalen“ Scheidung.)
  • Gab es das Unternehmen schon vor der Ehe oder wurde es von den Ehegatten gemeinsam gegründet?
  • Besteht das Unternehmen nach der Ehe überhaupt noch oder gibt es die Firma gar nicht mehr?
  • Gibt es einen Ehevertrag? (Wenn nicht, fällt die Firma häufig in den Zugewinnausgleich – für hohe Ausgleichszahlungen kann dann sogar drohen, dass die Firma verkauft werden muss.)

Oft ist ein Großteil des gemeinsamen Vermögens im Unternehmen angelegt. Um die Firma zu schützen, sollten Unternehmer deshalb immer einen Ehevertrag aufsetzen und Gütertrennung vereinbaren.

Von
Theresa Zevgitis
anwalt.de-Redaktion