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Sorgerecht: Welche Rechte und Pflichten haben Eltern?

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Familienrecht

Das gemeinsame Sorgerecht ist auch bei einer Scheidung Standard. Möchten Sie hingegen das alleinige Sorgerecht, müssen Sie dieses erst beantragen. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen, die dem Kindeswohl entsprechen. Das sind Ihre Rechte und Pflichten rund ums Sorgerecht.

Die wichtigsten Fakten

  • Das Sorgerecht liegt bei den Eltern des Kindes.
  • Bei einer Trennung behalten in der Regel beide Elternteile das gemeinsame Sorgerecht.
  • Das alleinige Sorgerecht muss beim Familiengericht beantragt werden.
  • Für die Bewilligung des Antrags gibt es bestimmte Voraussetzungen – die Entscheidung muss immer dem Kindeswohl entsprechen.
  • Hat ein Elternteil das alleinige Sorgerecht, so hat der andere in der Regel zumindest ein Umgangsrecht.

So gehen Sie vor

  1. Alleiniges Sorgerecht beim Familiengericht beantragen.
  2. Bei Zustimmung des anderen Elternteils erhalten Sie das alleinige Sorgerecht.
  3. Ohne Zustimmung des anderen Elternteils müssen Sie belegen, warum das alleinige Sorgerecht besser für das Kind ist.
  4. Das Jugendamt gibt eine Stellungnahme ab.
  5. Das Familiengericht entscheidet über den Entzug des Sorgerechts.

Sorgerecht – was ist das?

Die elterliche Sorge ist ein Recht. Sie ist aber auch mit gewissen Pflichten verbunden. Zum Sorgerecht gehören die Personensorge, die Vermögenssorge und die Vertretungsmacht.

Die Personensorge beinhaltet die Pflege, Beaufsichtigung und Erziehung des Kindes. Dazu gehört z. B. das Recht, den Aufenthalt des Kindes und seinen Umgang zu bestimmen. Außerdem müssen sich Eltern um Aspekte wie Bildung und Ernährung kümmern. Vermögenssorge bedeutet, dass die Sorgerechtsberechtigten das Vermögen des Kindes in Besitz nehmen und verwalten können. Unter der Vertretungsmacht ist die rechtliche Vertretung des Kindes zu verstehen.

Das Sorgerecht liegt bei den Eltern eines Kindes. Wird das Kind volljährig, endet das Sorgerecht der Eltern. Als Eltern versteht das Gesetz Vater und Mutter. Es definiert dabei Folgendes: Als Mutter gilt, wer das Kind geboren hat. Gesetzlicher Vater ist der Mann, der bei der Geburt mit der Kindsmutter verheiratet ist, der die Vaterschaft anerkannt hat oder dessen Vaterschaft vom Gericht festgestellt wurde.

Formen des Sorgerechts

Art des SorgerechtsErklärung
Gemeinsames SorgerechtFall 1: Sie und Ihr Ehepartner sind zum Zeitpunkt der Geburt Ihres Kindes miteinander verheiratet. Sie erhalten ohne einen Antrag stellen zu müssen das gemeinsame Sorgerecht.

Fall 2: Sie und der andere Elternteil heiraten erst nach der Geburt Ihres Kindes. Auch in diesem Fall erhalten Sie automatisch das alleinige Sorgerecht.

Fall 3: Sie und der andere Elternteil sind nicht miteinander verheiratet. Durch Abgabe einer Sorgeerklärung können Sie dennoch das gemeinsame Sorgerecht erhalten.

Fall 4: Sie lassen sich vom anderen Elternteil scheiden. Auch nach der Scheidung behalten Sie beide, wenn Sie nichts unternehmen, weiterhin das gemeinsame Sorgerecht.

Derjenige, bei dem das Kind überwiegend lebt, darf bestimmte alltägliche Entscheidungen trotzdem allein treffen, z. B. was den Schulalltag, die Kleidung, das Taschengeld oder den Umgang mit Medien betrifft. Schwerwiegende Angelegenheiten müssen immer beide Elternteile gemeinsam entscheiden, etwa hinsichtlich der Schulwahl oder des Kindesaufenthalts.
Alleiniges SorgerechtWer das alleinige Sorgerecht innehat, der ist allein für die Personensorge und Vermögenssorge zuständig, das Kind wohnt bei ihm und wird von ihm versorgt. Der andere Elternteil muss dann einen Unterhaltsbeitrag, den sogenannten Kindesunterhalt, leisten.

Fall 1: Sie sind zum Zeitpunkt der Geburt Ihres Kindes nicht mit dem anderen Elternteil verheiratet. Als Mutter erhalten Sie automatisch das alleinige Sorgerecht.

Fall 2: Nach der Scheidung möchten Sie das alleinige Sorgerecht für Ihr Kind. In diesem Fall müssen Sie einen Antrag beim zuständigen Familiengericht stellen. Das Gericht wird dem Antrag in der Regel stattgeben, wenn der andere Elternteil damit einverstanden ist oder wenn diese Regelung am ehesten dem Kindeswohl entspricht.
UmgangsrechtZum Umgangsrecht gehört dabei mehr als nur ein reines Besuchsrecht. Es beinhaltet z. B. auch die Möglichkeit gemeinsamer Ferien, des telefonischen Kontakts und Briefkontakts oder einen Auskunftsanspruch über die persönlichen Verhältnisse des Kindes.

Fall 1: Sie sind der nicht-sorgeberechtigte Elternteil des Kindes. In diesem Fall steht Ihnen ein Umgangsrecht zu. Der andere Elternteil darf diesen Umgang auch nicht behindern oder gar verbieten.

Fall 2: Sie sind eine sonstige enge Bezugsperson des Kindes (z. B. Großeltern, Geschwister, Pflege- oder Stiefeltern).
WechselmodellDie Situation: Nach der Scheidung behalten Sie weiterhin das gemeinsame Sorgerecht. Beim Wechselmodell handelt es sich um eine besondere Form dessen Ausübung.

Es wird auch Paritätsmodell, Pendelmodell oder Doppelresidenzmodell genannt. Nach der Scheidung lebt Ihr Kind Fall nicht überwiegend bei Ihnen oder dem anderen Elternteil, sondern zeitlich gleichwertig bei beiden.

Die Länge der Wechselintervalle ist dabei individuell zu regeln. Ein Beispiel: Ihr Kind verbringt zwei ganze Wochen bei Ihnen, im Anschluss zwei Wochen beim anderen Elternteil, dann wieder zwei Wochen bei Ihnen usw.

Damit das Wechselmodell funktionieren kann, müssen Sie als Eltern zuverlässig und konfliktfrei über die Versorgung des Kindes kommunizieren können, sich gegenseitig in Ihrer Elternschaft unterstützen und die Beziehung des jeweils anderen zum Kind fördern.
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Alleiniges Sorgerecht: Wann ist das möglich?

Die Entscheidung darüber, ob Sie das alleinige Sorgerecht erhalten, trifft das zuständige Familiengericht. Dafür gibt es verschiedene Kriterien:

Kriterium
Erklärung
KontinuitätEine einheitliche, stabile Erziehung soll für eine ausgeglichene Entwicklung Ihres Kindes gegeben sein. Dabei wird untersucht, ob Ihr Kind zu Ihnen eine stärkere Beziehung als zum anderen Elternteil hat. Eine Rolle spielt außerdem, ob Ihr Kind während des Trennungsjahres bei Ihnen gelebt hat.
FörderungEs wird geprüft, ob Ihr Kind bei Ihnen die beste Grundlage für seine Entwicklung hat. Kriterien dafür sind z. B. Bildungsstand und finanzielle Situation.
Soziale BindungIhr Kind soll nicht von seinem sozialen Umfeld getrennt werden, also von Geschwistern, Verwandten oder Freunden, und soll weiterhin die bisherige Schule besuchen können.
Anhörung des KindesAb 14 Jahren muss das betroffene Kind vom Familiengericht dazu befragt werden, wer Sorgeberechtigter sein soll. Der Richter ist jedoch an den Kindeswillen nicht gebunden. Bei Kindern unter 14 Jahren wird im Einzelfall entschieden, ob sie angehört werden. Die Entscheidung hängt insbesondere von der geistigen Reife des Kindes ab.
SonstigesIhnen kann das alleinige Sorgerecht auch dann zugesprochen werden, wenn dem anderen Elternteil das Sorgerecht wegen fehlerhaften Verhaltens entzogen wird. Mögliche Gründe sind z. B.:

  • Missbrauch des Sorgerechts, z. B. Anstiftung zu Straftaten oder Nichterfüllung der Schulpflicht
  • Gesundheitsgefährdung, z. B. Verweigerung von notwendigen Behandlungen
  • Vernachlässigung, z. B. mangelhafte Ernährung, Pflege oder Aufsicht
  • Veruntreuung des Vermögens des Kindes
  • Gefährliches Umfeld, z. B. Drogenszene oder Prostitutionsszene
  • Erziehungsfehler, z. B. zu hohe schulische Anforderungen oder staatsfeindliche Erziehung durch Rechts- oder Linksextremismus oder radikale Glaubensgemeinschaften
  • Misshandlung des Kindes

Die wichtigsten Fragen zum alleinigen Sorgerecht

Für die Entscheidung des Gerichts, wem das alleinige Sorgerecht zugesprochen wird, sind insbesondere diese Fragen relevant:

  • Bei wem wird das Kind am besten betreut?
  • Von wem wird das Kind am besten gefördert?
  • Wo ist das gewohnte soziale Umfeld des Kindes?
  • Wo leben weitere Verwandte wie z. B. Großeltern und Geschwister?
  • Zu wem hat das Kind die engere Beziehung?
  • Bei wem besteht das bessere Umfeld für die Erziehung des Kindes?

Prüfen Sie, ob Ihnen ein Anspruch auf Sorgerecht zusteht. Ein Rechtsanwalt kann Ihnen helfen, Ihren individuellen Fall genauer zu beleuchten und Ihren Anspruch beim Familiengericht erfolgreich durchzusetzen.

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Von
Theresa Zevgitis
anwalt.de-Redaktion