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Unterhalt für Ehegatten, Kinder und Eltern: Anspruch und Höhe

Oder wählen Sie einen passenden Anwalt in Ihrer Nähe

Familienrecht

Sind Sie unsicher, ob Sie Unterhalt zahlen müssen oder Ihnen Unterhaltszahlungen zustehen? Generell sind nahe Angehörige gegenseitig zu Unterhalt verpflichtet. So schulden Ehegatten sich untereinander, Eltern ihren Kindern und in der Regel im Alter die Kinder ihren Eltern Unterhalt. Lassen Sie sich über das Thema Unterhalt informieren, kennen Sie Ihre Rechte und Pflichten!

Die wichtigsten Fakten

  • Man unterscheidet zwischen Geldunterhalt, Betreuungsunterhalt und Naturalunterhalt.
  • Die Dauer und die Höhe des Unterhalts hängen vom Bedarf des Unterhaltsberechtigten ab.
  • Jeder Unterhaltspflichtige ist durch den Selbstbehalt vor einer Überbelastung geschützt. Das Einkommen, das der Unterhaltspflichtige für den eigenen Lebensunterhalt benötigt, muss er nicht abgeben.
  • Die Unterhaltspflicht trifft Ehegatten untereinander und alle Personen, die voneinander abstammen, das heißt in gerader Linie miteinander verwandt sind.

So gehen Sie vor

  1. Mit einer Unterhaltsklage fordern Sie als Unterhaltsberechtigter vom Unterhaltspflichtigen Unterhalt zur Lebensführung, wenn er diesen nicht freiwillig zahlt.
  2. Voraussetzung ist, dass Sie sich selbst nicht unterhalten können, das heißt bedürftig sind, und der Unterhaltspflichtige leistungsfähig ist. 
  3. Sie müssen die Unterhaltsklage im Regelfall beim Familiengericht (Amtsgericht) am Wohnort des Unterhaltspflichtigen einreichen.
  4. Beim Familiengericht herrscht  Anwaltszwang, das bedeutet, Sie müssen sich einen Rechtsanwalt nehmen.
  5. Die Anwalts- und Gerichtsgebühren, die auf Sie zukommen können, hängen bei einer Unterhaltsklage vom Jahresbetrag des mit der Klage geforderten Unterhalts ab.

Welche Unterhaltsformen gibt es?

Man grenzt im Wesentlichen den Naturalunterhalt vom Barunterhalt ab. Der Naturalunterhalt umfasst überwiegend Sachwerte, mit denen der Unterhaltspflichtige seine Pflicht erfüllt.

Zu diesen Sachleistungen gehört u. a. die Bereitstellung von:

  • Wohnraum, wie z. B. einem Kinderzimmer inklusive einem Bett sowie weiterer Möbel
  • Kleidung
  • Gesundheits- und Krankenpflege
  • Unterricht, Betreuung und Erziehung
  • Freizeitgestaltungen wie Urlaub
  • Taschengeld
Der Barunterhalt ist dagegen ein Anspruch auf die Zahlung von Geld. Dieser besteht, wenn ein Naturalunterhalt nicht in Betracht kommt.

Wovon hängt die Unterhaltshöhe ab?

Die Höhe des Unterhalts orientiert sich grundsätzlich an der Einkommenshöhe des Unterhaltspflichtigen.

Zum Einkommen werden gerechnet:

  • Einnahmen durch unselbstständige Tätigkeit (Angestelltenverhältnis)
  • Einnahmen durch selbstständige Tätigkeit
  • Einnahmen aus Vermögen wie Zinsen, Miete oder Aktienausschüttungen
  • Renten und andere Versicherungsleistungen

Im nächsten Schritt kann der Unterhaltspflichtige von diesen Einkommen wiederum Abzüge geltend machen, insbesondere Steuern und Beiträge wie z. B. die Krankenversicherung oder die Einkommensteuer. Zu den möglichen Abzügen zählen neben den Pflichtabgaben auch freiwillige Abgaben wie Versicherungsbeiträge einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Der Unterhaltspflichtige soll motiviert sein, trotz hoher Unterhaltszahlungen weiterzuarbeiten. Daher kann er für berufsbedingte Fahrten 30 Cent je Kilometer und zusätzlich einen Erwerbstätigenbonus in Höhe von ca. 10 Prozent des Nettoeinkommens in Abzug bringen.

Um die Höhe des Unterhaltsanspruches zu ermitteln, hat der Unterhaltsberechtigte gegen den Unterhaltsverpflichteten einen Anspruch auf Auskunft über dessen Einkünfte. Zudem können Unterhaltsberechtigte auch Belege über die Einkünfte verlangen.

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Unterhalt

Sind Sie unsicher, ob Sie Unterhalt zahlen müssen oder Ihnen Unterhaltszahlungen zustehen?

Informieren Sie sich hier über das Thema Unterhalt, um Ihre Rechte und Pflichten zu kennen.

Welche Unterhaltsansprüche haben Ehegatten?

Die Ehepartner schulden einander Ehegattenunterhalt, den sie in der Regel als Naturalunterhalt erbringen. Trennen sich die Ehepartner, hat der Partner mit den geringeren Einkünften einen Anspruch auf den Trennungsunterhalt. Dieser endet mit der Scheidung. Allerdings kann ein Anspruch auf nachehelichen Unterhalt bestehen. Der nacheheliche Unterhalt ist aber keine Selbstverständlichkeit.

Nach der Scheidung obliegt es jedem Ex-Partner, für sich selbst zu sorgen. Davon gibt es aber auch Ausnahmen. Wer beispielsweise während der Ehe die Kinder betreut und aufgezogen hat und deshalb eine mögliche berufliche Karriere aufgegeben hat, der hat, je nach Fall, auch Anspruch auf nachehelichen Unterhalt. In der Regel entsteht dadurch ein längerfristiges Karrieredefizit.

Sind gemeinsame Kinder vorhanden, ist der Betreuungsunterhalt zu bestimmen. Anspruch auf diesen hat derjenige, der die Kinder aufzieht und versorgt. Der alleinerziehende Betreuende hat einen Anspruch auf einen Basisunterhalt bis zum dritten Lebensjahr. Nach dem dritten Lebensjahr müssen Alleinerziehende das Kind in Betreuung geben und einer Arbeit nachgehen. Ausnahmen sind möglich, wenn es vor Ort keine Betreuungseinrichtung gibt.

Wie ermittelt man den Unterhalt für Kinder?

Die Düsseldorfer Tabelle

Die Höhe des Kindesunterhalts bestimmen die Gerichte nach der Düsseldorfer Tabelle. Die Unterhaltssätze nach der Düsseldorfer Tabelle ermitteln die Oberlandesgerichte jedes Jahr neu. Sie steigen mit dem Alter der Kinder.

Der genaue Unterhaltsanspruch der Kinder bemisst sich nach der Höhe des bereinigten Nettoeinkommens. Je nach Einkommen ordnet die Düsseldorfer Tabelle den Unterhaltspflichtigen einer Einkommensstufe zu. Bei nur einem unterhaltspflichtigen Kind rutscht der Pflichtige in eine höhere Stufe und bei drei oder mehr Kindern in eine entsprechend niedrigere Stufe. Die Düsseldorfer Tabelle bestimmt zudem einen Mindestunterhalt.

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Kindesunterhalt 2019

Ausführliche Informationen zum Kindesunterhalt finden Sie auf unserer Rechtshelfer-Seite zum Thema.

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Rechte und Pflichten des Unterhaltspflichtigen

Jeder Unterhaltspflichtige ist grundsätzlich verpflichtet, gemäß seinen Fähigkeiten einer Arbeit nachzugehen, um ein optimales Einkommen zu erhalten. Wer dagegen verstößt und z. B. weniger verdient als er könnte, muss mehr zahlen. Er wird daran gemessen, was er verdienen würde, wenn er seine Möglichkeiten nutzen würde. In Ausnahmefällen, wie bei Erwerbslosigkeit aufgrund einer schweren Krankheit, muss kein Mindestunterhalts gezahlt werden.

Volljährige Kinder

Der Anspruch auf Kindesunterhalt endet nicht mit der Volljährigkeit, sondern erst mit Abschluss der ersten beruflichen Ausbildung. Das Kind darf einmal die Ausbildung oder das Studium wechseln.

Sind mehrere Personen unterhaltsberechtigt, so ist es für volljährige Kinder entscheidend, ob sie als privilegiert gelten oder nicht. Sie gelten als privilegiert, wenn sie noch nicht 21 Jahre alt sind, nicht geheiratet haben, noch im Elternhaus oder bei einem Elternteil wohnen und sich noch in der allgemeinen Schulausbildung befinden.

Sind sie privilegiert, rangieren sie mit den Minderjährigen an erster Stelle. Sind sie nicht privilegiert, kommen sie erst an vierter Stelle zum Zuge, also wenn ggf. bestehende Ansprüche von Minderjährigen, Betreuenden und Ehegatten bereits erfüllt sind.

Es gibt auch Kinder, die gegenüber den Eltern einen lebenslangen Anspruch auf Unterhalt besitzen. Hierzu ziehen solche, die unter einer körperlichen oder geistigen Behinderung leiden und dauerhaft nicht für sich selbst sorgen können. 

Düsseldorfer Tabelle (Stand: 1. Januar 2019):

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Quelle: OLG Düsseldorf
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Unterhalt

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Die Unterhaltspflicht gegenüber den Eltern

Seit einigen Jahren kommt der Elternunterhalt immer mehr ins Gespräch. Aber nicht deshalb, weil die Eltern von den Kindern vermehrt Unterhalt fordern, sondern weil die Sozialträger dies tun.

Die gesetzliche Pflegeversicherung und Altersversorgung reichen für viele alte Menschen, die ihr ganzes Arbeitsleben hinweg Sozialbeiträge geleistet haben, nicht aus. Werden diese Menschen pflegebedürftig und ist ihr Vermögen verbraucht, springt der Sozialträger ein. Der Sozialträger fordert jedoch seine Ausgaben von den Kindern des Pflegebedürftigen zurück. Es gibt aber Ausnahmen und hohe Freibeträge, um in diesem Fall keinen Elternunterhalt zahlen zu müssen.

Kosten einer Unterhaltsklage

Die Grafik verdeutlicht die Kostenaufteilung bei einem angenommenen Streitwert von 1.800 Euro. 

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Quelle: Rechtsschutz-Unterhalt
Von
Boris Christof Böhm
anwalt.de-Redaktion