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10 Mieterfragen rund um den Wohnungsschlüssel

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Endlich ist es soweit: Der Vermieter händigt dem Mieter die Schlüssel für das neue Zuhause aus.

Aber wie viele Schlüssel bekommt der Mieter eigentlich?

Das richtet sich erst einmal nach dem Mietvertrag. Steht die Anzahl der Schlüssel nicht drin, darf der Mieter für alle Bewohner einen Wohnungsschlüssel verlangen. Wer alleine wohnt, darf aber zwei Schlüssel verlangen, um einen hinterlegen zu können. Einem Paar stehen zwei Schlüssel zu, eine Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern erhält vier Schlüssel.

Muss der Vermieter nicht alle Haus- und Wohnungsschlüssel überlassen?

Ja, das muss er, weil sonst ein ungestörtes Wohnen nicht möglich ist. Hat der Vermieter beispielsweise drei Wohnungsschlüssel im Besitz, muss er alle drei übergeben, auch wenn der Mieter alleine ist. Denn die Mietwohnung muss einschließlich des Zubehörs, sprich des kompletten Schlüsselsatzes, übergeben werden.

Was ist, wenn der Vermieter einen Schlüssel „für alle Fälle“ einbehält? 

Gerne argumentieren die Vermieter damit, dass sie als Wohnungseigentümer ja berechtigt sein müssen, bei „Gefahr in Verzug“ jederzeit die Wohnung auch ohne Zustimmung des Mieters betreten zu können. Das stimmt nicht, da die Privatsphäre des Mieters und sein Recht auf ein ungestörtes Wohnen Vorrang haben. Und tritt denn „Gefahr in Verzug“ ein? Wenn in der Wohnung (hoffentlich nicht!) ein Brand auftreten sollte, öffnet besser die Feuerwehr als der Vermieter die Wohnung. Und bei einem Wasserschaden wird der Mieter schnellstmöglich die Wohnung öffnen.

Muss der Mieter bei längerer Abwesenheit oder im Urlaub nicht einen Schlüssel hinterlegen und dem Vermieter Bescheid geben?

Solche Verpflichtungen ergeben sich zumeist schon aus dem Mietvertrag, der Mieter kann einen Wohnungsschlüssel bei einem Nachbarn oder bei Bekannten / Verwandten hinterlegen und muss dem Vermieter Bescheid geben. Dem Vermieter muss er, falls er die Schlüssel anderweitig hinterlegen kann, den Schlüssel nicht überlassen.

Welche Schlüssel außer dem Haustür- und dem Wohnungsschlüssel müssen sonst noch übergeben werden?

Für alle angemieteten Sachen müssen weitere Schlüssel übergeben werden. Zu denken ist u. a. an Schlüssel für die Garage, den Briefkasten, den Keller, den Speicher, das Gartenhaus, das Gartentürchen oder die Zimmertüren. Am besten die genaue Anzahl und Art der Schlüssel bei der Übergabe aufschreiben lassen!

Was ist mit zusätzlichen Wohnungsschlüsseln? 

Manchmal benötigt der Mieter mehr Schlüssel, als ihm bei der Wohnungsübergabe überlassen wurden. Beispielsweise für den Nachbarn, der die Blumen im Urlaub gießt, für den Postboten oder die Putzfrau. Der Mieter darf dann weitere Wohnungsschlüssel vom Vermieter verlangen, allerdings auf Kosten des Mieters.

Darf der Mieter einen Wohnungsschlüssel auch selbst nachmachen lassen?

Auf seine Kosten darf der Mieter Wohnungsschlüssel nachmachen lassen, sollte aber sicherheitshalber den Vermieter darüber informieren. Bei modernen Schließanlagen ist ein Zertifikat oder ein Berechtigungsschein erforderlich, den es nur mit Einwilligung des Vermieters gibt. Hat der Mieter einen plausiblen Grund für die Anfertigung eines weiteren Schlüssels, muss der Vermieter das Zertifikat aushändigen.

Darf der Mieter eigentlich das Schloss auswechseln?

Wenn der Vermieter nicht alle vorhandenen Schlüssel überlassen oder sogar heimlich die Wohnung betreten hat, ist es am besten, das Schloss zur Wohnung auszutauschen. Dieses Recht steht dem Mieter als rechtmäßigen Besitzer der Wohnung zu. Freilich muss er das alte Schloss gut aufbewahren und beim Auszug wieder zurückbauen.

Was ist, wenn der Schlüssel verloren oder gestohlen wurde?

Als erstes muss der Mieter den Vermieter informieren. Geld für einen Ersatzschlüssel kann der Vermieter nur verlangen, wenn der Mieter schuldhaft gehandelt hat. Bei Schließanlagen argumentieren Vermieter gerne damit, dass diese aus Sicherheitsgründen ausgetauscht werden müssen, was dann richtig teuer werden kann. Ein Verschulden legt nach Rechtsprechung auch in dem Fall vor, dass das Auto des Mieters aufgebrochen wurde und der Schlüssel dabei wegkam. Der Mieter muss die Kosten für die neue Zentralschließanlage aber nur dann zahlen, wenn die Anlage wirklich eingebaut worden ist.

Jedes Mietverhältnis neigt sich einmal dem Ende zu und dann gilt es, die Wohnung zurückzugeben.

Aber was ist, wenn der Vermieter die Schlüssel nicht annimmt?

Wenn der Vermieter zu dem vereinbarten Übergabetermin nicht kommt oder wegen angeblicher Wohnungsmängel die Wohnung nicht zurücknimmt („In diesem Zustand nehme ich die Wohnung nicht an!“), kommt er in Annahmeverzug und der Mieter kann die Schlüssel auf andere geeignete Art und Weise zurückgeben.

Auch wenn die Wohnungsübergabe manchmal Wohnungsabnahme genannt wird, liegt keine Abnahme im werkvertraglichen Sinn vor, sondern der Mieter muss lediglich die Wohnung zurückgeben. In welchem Zustand sich die Wohnung nach Ansicht des Vermieters befindet, ist dabei egal, wichtig ist nur, dass diese leer und geräumt ist.

Der Mieter kann die Schlüssel in den Briefkasten des Vermieters einlegen, dies sollte am besten durch einen Zeugen geschehen. Oder er schickt die Schlüssel per Post an den Vermieter, wobei den Mieter das Risiko trifft, sollte der Brief nicht ankommen.

Der Vermieter muss die Wohnung auch annehmen, wenn der Mieter z. B. wegen eines Schlüsselverlusts nicht alle Schlüssel zurückgeben kann.


Rechtstipp vom 08.06.2018
aus der Themenwelt Mietwohnung und dem Rechtsgebiet Mietrecht & Wohnungseigentumsrecht

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