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Abgezockt auf eBay – BGH urteilt im August 2016 zu den sog. „Abbruchjägern“

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eBay-Abbruchjäger-Problematik

Von Abbruchjägern bei eBay hörte man immer wieder: Sie bieten 1 Euro auf Artikel wie Autos oder Motorräder und warten darauf, dass die Verkäufer ihre Auktionen wegen zu geringer Gebote abbrechen. Dann verlangen sie Schadensersatz vom Verkäufer. Bisher verloren die Verkäufer oft vor Gericht gegen die Abbruchjäger, doch das ändert sich möglicherweise im August 2016. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat wohl erstmals ausreichend Indizien zu Hand, um einen Rechtsmissbrauch festzustellen zu können, so dass ein grundsätzliches Urteil in der Sache gefällt werden könnte.

Inhalt und Gegenstand des sog. „Abbruch-Falles“

In dem streitgegenständlichen Fall hatte der Verkäufer sein Motorrad auf der Internetplattform eBay zum Verkauf angeboten. Der Verkäufer stellte das Motorrad in einer 1- Euro-Auktion ein. Der tatsächliche Wert des Motorrads betrug ca. 4.900,00 €. Kurze Zeit später brach der Verkäufer die Aktion ab. Zum Zeitpunkt des Auktionsabbruchs gab es nur einen Bieter. Dieser hatte 1 Euro geboten. Der Käufer verlangte dann zuerst die Herausgabe des Motorrads und stützte sich dabei auf die eBay-Regeln. Nach denen darf nämlich eine Auktion nur in bestimmten Fällen abgebrochen werden, denn grundsätzlich gilt: Wenn man einen Artikel bei eBay zum Verkauf einstellt, erklärt man sich verbindlich zum Abschluss eines Vertrags bereit.

Daraufhin klagte der 1-Euro-Bieter auf Schadensersatz in Höhe von 4899 Euro (also der Differenz zum Wert des Motorrads). Mit diesem Fall beschäftigt sich nun der BGH. Ein Urteil soll erst Ende August verkündet werden. Die Vorinstanzen haben dabei bereits festgestellt, dass der Bieter mit Systematik vorgehe und bereits mehrere anhängige Verfahren vor Gericht gebracht hat. Insgesamt soll es sich um 215.000 € handeln. Dazu kommt, dass er seine Identität immer wieder hinter verschiedenen Accounts versteckt hatte.

Welche Möglichkeiten hat der BGH?

Es ist zu erwarten, dass der BGH verbraucherfreundlich entscheiden wird. Die bereits vorliegenden Indizien zeigen, dass hinter der Klage System steckt und der reine Profit im Vordergrund steht. Die Richter in Karlsruhe täten also gut daran, den offensichtlichen Rechtsmissbrauch klar zu benennen und dementsprechend zu urteilen. Zudem ist nicht auszuschließen, dass es in der Sache ein grundsätzliches Urteil wird.

Worauf sollten Anbieter auf eBay achten?

Solange der BGH das Verhalten der Abbruchjäger und deren „Geschäftsmodell“ nicht offiziell als rechtsmissbräuchlich einstuft, sollten Anbieter Ihre Auktionen nicht ohne einfach so abbrechen, denn dafür hat eBay strenge Regeln aufgestellt. So kann eine Auktion gestoppt werden, wenn der Artikel zwischenzeitlich unverschuldet beschädigt, zerstört oder gestohlen wurde. Auch wenn der Verkäufer beim Einstellen des Angebots einen schwerwiegenden Fehler gemacht hat, kann er die Versteigerung vorzeitig abbrechen. Nicht erlaubt ist ein Rückzieher, weil der Verkäufer sich plötzlich umentschieden oder in der Zwischenzeit einen anderen Käufer gefunden hat. Überdies empfiehlt es sich, die Auktionen mit einem Mindestpreis zu starten, der per se sog. Abbruchjäger bereits abschreckt.

Für alle Fragen rund um die Durchsetzung und Abwehr von Forderungen sog. „eBay-Abbruchjäger“ steht Ihnen Rechtsanwalt Fabian Bagusche LL.M. (Köln/Paris 1) gern zur Verfügung.


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