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Ablauf eines Strafverfahrens – Wann und wofür brauchen Sie einen Verteidiger?

Rechtstipp vom 20.08.2018
Rechtstipp vom 20.08.2018

Spätestens dann, wenn Sie selbst oder ein naher Angehöriger mit dem Vorwurf einer Straftat konfrontiert werden, fragen Sie sich, wie ein Strafverfahren eigentlich abläuft. Zumindest ist das eine der ersten Fragen, die meine Mandanten sich (und mir) regelmäßig stellen. Das Strafverfahren gliedert sich in drei Abschnitte:

  • Vorverfahren (Ermittlungsverfahren)
  • Zwischenverfahren
  • Hauptverfahren

Wie es zu einem Strafverfahren kommt, was in den einzelnen Verfahrensabschnitten passiert und wofür Sie einen Verteidiger benötigen, erkläre ich Ihnen im folgenden Text.

In der Praxis beginnt ein Strafverfahren meist damit, dass die Polizei durch Strafanzeige oder eigene Beobachtungen Kenntnis von einer möglicherweise strafbaren Handlung erlangt. Die entsprechenden Informationen leitet diese an die Staatsanwaltschaft weiter.

Vorverfahren (Ermittlungsverfahren)

Die Staatsanwaltschaft leitet den ersten Teil des Strafverfahrens, das Vorverfahren. Dieses wird auch als Ermittlungsverfahren bezeichnet, weil die Staatsanwaltschaft den zugrunde liegenden Sachverhalt zu ermitteln hat. Sie leitet die Ermittlungen und bedient sich zur Ausführung den Ermittlungsbeamten der Polizei. Eigene Entscheidungskompetenz beispielsweise hinsichtlich einer Einstellung des Verfahrens hat die Polizei nicht.

Manchmal gibt es zu diesem Zeitpunkt noch keinen „Tatverdächtigen“. Das Ermittlungsverfahren richtet sich dann zunächst gegen „unbekannt“. Die Staatsanwaltschaft versucht in diesen Fällen, einen möglichen Täter zu ermitteln.

Sobald ein Anfangsverdacht gegen eine bestimmte Person besteht, richtet sich das Ermittlungsverfahren gegen diese. Die Aufgabe der Staatsanwaltschaft ist es nun, alle den Beschuldigten belastenden, aber auch entlastenden Umstände zu ermitteln.

Sofern sie das Verfahren nicht einstellt, ist sie verpflichtet, den Beschuldigten über die ihm vorgeworfene Tat zu informieren und ihm Gelegenheit zu geben, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Im Regelfall erhält der Beschuldigte durch die entsprechende Vorladung zur polizeilichen Beschuldigtenvernehmung erstmals Kenntnis davon, dass ein Ermittlungsverfahren gegen ihn geführt wird. Bestenfalls nimmt er dann umgehend die Hilfe eines Strafverteidigers in Anspruch.

Häufig wäre durch frühzeitige Informierung des Beschuldigten der Ermittlungserfolg gefährdet. Dann darf die Staatsanwaltschaft zunächst ermitteln, ohne den Beschuldigten darüber in Kenntnis zu setzen. Je nach Tatvorwurf kann sie beispielsweise die Wohn- und Geschäftsräume des Beschuldigten durchsuchen oder eine Überwachung der Telekommunikation vornehmen. Unter gewissen Voraussetzungen droht dem Beschuldigten auch die Untersuchungshaft.

Kommt die Staatsanwaltschaft am Ende ihrer Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass eine Verurteilung des Beschuldigten in einem gerichtlichen Verfahren wahrscheinlich ist, erlässt sie, wenn sie das Verfahren nicht trotzdem aus bestimmten Gründen einstellt, einen Strafbefehl oder erhebt Anklage, indem sie eine Anklageschrift verfasst und diese mit ihren Ermittlungsakten an das zuständige Gericht leitet.

Was ein Strafverteidiger im Ermittlungsverfahren für Sie tun kann: 

  • Sobald Sie davon Kenntnis erlangen, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Sie geführt wird, sollten Sie einen Fachanwalt für Strafrecht kontaktieren. Er wird Ihnen raten, zunächst zu schweigen, keinerlei von den Behörden vorgelegte Schriftstücke zu unterschreiben und Sie je nach Ausgestaltung Ihres individuellen Falles weiter eingehend beraten.
  • Im Gegensatz zu Ihnen erhält Ihr Strafverteidiger vollständige Akteneinsicht in die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft und wird Ihnen genau mitteilen, was die Staatsanwaltschaft „gegen Sie in der Hand hat“.
  • So sind Sie optimal vorbereitet und können gemeinsam mit Ihrem Strafverteidiger überlegen, ob es sinnvoll ist, weiter zu schweigen oder ob es besser ist, sich zu den Vorwürfen zu äußern.
  • Häufig kann bereits in diesem Verfahrensstadium mithilfe Ihres Strafverteidigers eine Einstellung des Verfahrens erreicht werden.

Zwischenverfahren

Mit Eingang der Anklageschrift und der Akten bei Gericht beginnt das Zwischenverfahren. Das Gericht muss prüfen, ob die auf den bisherigen Ermittlungsergebnissen beruhende Anklageschrift die Eröffnung und Durchführung eines Hauptverfahrens rechtfertigt. Damit der Beschuldigte, der nun als Angeschuldigter bezeichnet wird, nochmals Gelegenheit zur Verteidigung erhält, wird ihm die Anklageschrift durch das Gericht übermittelt. Er hat nochmals das Recht, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Das Gericht darf vor seiner Entscheidung auch eigene Ermittlungen durchführen. Kommt es zu dem Ergebnis, dass eine Verurteilung des Angeschuldigten nicht hinreichend wahrscheinlich ist, lehnt es die Eröffnung des Hautverfahrens ab. Dies passiert in der Praxis äußerst selten.

Was ein Strafverteidiger im Zwischenverfahren für Sie tun kann: 

  • Auch jetzt ist es noch sinnvoll, einen Fachanwalt für Strafrecht kontaktieren. Er wird Sie je nach Ausgestaltung Ihres individuellen Falles eingehend beraten.
  • Auch jetzt erhält Ihr Strafverteidiger vollständige Akteneinsicht und wird Ihnen genau mitteilen, worauf die Anklage der Staatsanwaltschaft fußt.
  • So sind Sie optimal vorbereitet und können gemeinsam mit Ihrem Strafverteidiger überlegen, ob es sinnvoll ist, das Gericht durch eine schriftliche Erklärung dazu zu bringen, die Anklage der Staatsanwaltschaft nicht zuzulassen. Manchmal kann in diesem Verfahrensstadium noch erreicht werden, dass das Gericht die Anklage nicht zur Hauptverhandlung zulässt. 
  • Wenn die Anklage gleichwohl zugelassen wird, können Sie sich gemeinsam mit Ihrem Strafverteidiger auf die nun folgende Hauptverhandlung vor Gericht vorbereiten.

Hauptverfahren

Andernfalls beginnt mit dem Eröffnungsbeschluss des Gerichts das Hauptverfahren. Der Angeschuldigte wird nun als Angeklagter bezeichnet. Das Gericht bereitet die Hauptverhandlung vor, indem es Termine festlegt und alle Beteiligten des Verfahrens zu diesen Terminen lädt.

Die Hauptverhandlung selbst beginnt mit dem Aufruf der Sache und der Vernehmung des Angeklagten zu seiner Person. Diese dient ausschließlich der Feststellung seiner Identität. Fragen, die sich beispielsweise auf die Lebensumstände oder das Einkommen des Angeklagten beziehen, gehören nicht hierher, denn sie könnten relevant für das Urteil sein. Der Staatsanwalt verliest danach die Anklageschrift. Sodann erhält der Angeklagte die Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Im Anschluss führt das Gericht die Beweisaufnahme durch. Sobald diese abgeschlossen ist, erhalten der Staatsanwalt sowie der Angeklagte bzw. dessen Verteidiger die Gelegenheit, im Rahmen ihrer als Plädoyer bezeichneten Schlussvorträge zum Ergebnis der Beweisaufnahme umfassend Stellung zu nehmen. Bevor sich das Gericht zur Beratung über das Urteil zurückzieht, erhält der Angeklagte das letzte Wort. Die Hauptverhandlung und mit ihr das erstinstanzliche Verfahren endet schließlich mit der Verkündung des Urteils.

Was ein Strafverteidiger im Hauptverfahren für Sie tun kann: 

  • Auch kurz vor der Hauptverhandlung kann ein Strafverteidiger noch viel für Sie tun. Auch jetzt kann er vollständige Akteneinsicht nehmen und mit Ihnen gemeinsam auf dieser Grundlage die Hauptverhandlung vorbereiten.
  • Ihr Strafverteidiger wird mit Ihnen eine optimale Verteidigungsstrategie ausarbeiten und wenn sinnvoll Beweisanträge stellen.
  • Er kann Zeugen eingehend befragen und Widersprüche in deren Aussagen aufdecken.
  • Im besten Fall kann er auch in diesem Verfahrensstadium noch eine Einstellung des Verfahrens oder schließlich einen Freispruch erreichen.

Ihnen wird eine Straftat vorgeworfen?

Gern helfe ich Ihnen weiter, ob im Ermittlungsverfahren oder kurz vor der Hauptverhandlung.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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