Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Abmahnung bekommen: Was kann man tun? Wann droht die Kündigung?

(25)

Sicher haben Sie schon davon gehört, dass man dreimal abgemahnt werden muss, bevor man gekündigt werden kann. Tatsächlich reicht aber grundsätzlich schon eine Abmahnung. Eine Abmahnung sollte man also ernst nehmen und gründlich überlegen, dagegen vorzugehen, vor allem wenn kein Abmahngrund vorlag.

Deswegen erklären wir Ihnen in diesem Beitrag, wann ein Arbeitgeber überhaupt eine Abmahnung aussprechen darf und wie man sich gegen eine Abmahnung wehrt.

Wann darf der Arbeitgeber abmahnen?

Grundsätzlich darf nur ein bestimmtes (Fehl-)Verhalten eines Arbeitnehmers im Arbeitsverhältnis abgemahnt werden, also Dinge, die man als Arbeitnehmer in seinem Verhalten beeinflussen kann. Ist man zum Beispiel chronisch krank, kann ein Arbeitgeber nicht wegen ständigen Krankseins abmahnen. Kommt man allerdings immer erheblich zu spät zur Arbeit, ist das ein abmahnbares Fehlverhalten.

Entscheidend ist, dass sich die Abmahnung auf ein Fehlverhalten am Arbeitsplatz bezieht oder zumindest damit direkt im Zusammenhang steht. Willkürliche Abmahnungen von irgendeinem Verhalten hingegen sind unwirksam, genauso wie Abmahnungen für Kleinigkeiten. Denn bei geringfügigem Fehlverhalten kann der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer ermahnen oder belehren, um dieses Fehlverhalten zu rügen. Eine Abmahnung wäre im Vergleich zum Verstoß nicht verhältnismäßig.

Gibt es eine Frist für die Abmahnung?

Nein. Die Abmahnung unterliegt keiner gesetzlichen Frist, muss aber zeitnah zum abgemahnten Verhalten erfolgen. Wartet der Arbeitgeber zu lange, hat er seine Chance verwirkt, den Arbeitnehmer wegen eines konkreten Fehlverhaltens abzumahnen.

Muss die Abmahnung schriftlich sein?

Nein. Die Abmahnung kann formlos ergehen, also auch mündlich erfolgen. Zur Beweissicherung für einen eventuellen späteren Prozess werden die meisten Abmahnungen allerdings schriftlich erteilt. Bei mündlichen Abmahnungen erhält der Arbeitnehmer oft im Anschluss eine zusätzliche ausformulierte Abmahnung, in der noch einmal alles festgehalten ist.

Was muss in der Abmahnung stehen?

Inhaltlich soll die Abmahnung dem Arbeitnehmer sein Fehlverhalten vor Augen führen, es konkret benennen und rügen (Hinweis- und Rügefunktion der Abmahnung). Außerdem soll sie festhalten, dass bei einem nochmaligen Fehlverhalten des Arbeitnehmers die Kündigung droht (Warn- und Ankündigungsfunktion). Der Arbeitgeber dokumentiert mit der Abmahnung also nicht nur ein Fehlverhalten des Arbeitnehmers. Er mahnt zu zukünftiger Einhaltung der arbeitsvertraglichen Regelungen und kündigt gleichzeitig für zukünftige Verstöße die Kündigung an.

Abmahnung muss konkret sein

Eine allgemeine Abmahnung im Sinne von „Sie wissen schon, wovon ich spreche“ ist unwirksam. Um wirksam zu sein, muss die Abmahnung das Fehlverhalten des Arbeitnehmers detailliert schildern. So muss zum Beispiel die vorgeworfene Handlung mit der Angabe von Tag und Uhrzeit bezeichnet werden. Auch Zeugen oder Mitanwesende können benannt werden, um den Vorwurf zu konkretisieren. Und: Die arbeitsrechtlichen Folgen – also die drohende Kündigung im Wiederholungsfalle – müssen angedroht werden!

Wie viele Abmahnungen braucht man für die Kündigung?

Eine pauschale Anzahl an Abmahnungen, die zwangsläufig zur Kündigung führt, gibt es nicht.

Bei einer ordentlichen verhaltensbedingten Kündigung ist regelmäßig mindestens eine vorherige Abmahnung erforderlich. Wiederholt der Arbeitnehmer dann das abgemahnte Verhalten, darf gekündigt werden. Bei sehr schweren Verstößen gegen Pflichten aus dem Arbeitsvertrag kann der Arbeitgeber sogar ohne vorherige Abmahnung kündigen, z. B. in Fällen einer außerordentlichen Kündigung.

Wie kann man sich gegen die Abmahnung wehren?

Hat man eine Abmahnung bekommen, kann man dieser widersprechen und gegen diese vorgehen.

Ist die Abmahnung ungerechtfertigt oder unwirksam, verlangt man am besten die Entfernung der Abmahnung aus der Personalakte.

Meist muss man das aber einklagen. Aus anwaltlicher Sicht empfiehlt sich eine solche Klage in den Fällen, in denen man sich durch die Abmahnung auch persönlich angegriffen fühlt.

Beispiel: Ein typisches Beispiel sind hier Mobbingfälle. Gerade in hierarchischen Unternehmensstrukturen kann eine solche Klage helfen, wenn der abmahnende Vorgesetzte und der Arbeitgeber nicht identisch sind. Eine ungerechtfertigte Abmahnung und das Fehlverhalten des Vorgesetzten kann so ans Tageslicht gebracht werden.

Will man keine Klage erheben, gibt es noch die Möglichkeit der sogenannten inzidenten Überprüfung der Abmahnung: Wird dem Arbeitnehmer gekündigt und die Kündigung auf eine vorherige Abmahnung gestützt, kommt es innerhalb der sog. Kündigungsschutzklage ohnehin zu einer gerichtlichen Überprüfung der Abmahnung.

Fazit

Eine Abmahnung ist eine echte arbeitsrechtliche Sanktion. Viele Abmahnungen leiden an aber an inhaltlichen oder formalen Fehlern und sind dann unwirksam. Andere Abmahnungen sind einfach „zu spät“ oder von vornherein ungerechtfertigt.

Haben Sie eine Abmahnung bekommen – lassen Sie sie deshalb anwaltlich überprüfen! Es kann sich lohnen! Kontaktieren Sie uns für ein kostenloses Erstgespräch.


Rechtstipp vom 15.02.2018
aus der Themenwelt Abmahnung und Kündigung und dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwalt Jan Ottmann (Rechtsanwälte Ottmann Khazanov Partnerschaft)

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.