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Abschleppkosten

Rechtstipp vom 27.05.2017
Rechtstipp vom 27.05.2017

Abschleppkosten nach einem Verkehrsunfall sind diejenigen Kosten, die entstehen, wenn Ihr Fahrzeug nach einem Verkehrsunfall in die Werkstatt von einer Abschleppfirma verbracht wird. Kennzeichnend ist insoweit, dass das Abschleppen, wenn Ihr Fahrzeug nicht mehr fahrfähig ist, auf Geheiß der Polizei erfolgt. Dies bedeutet gleichfalls, dass die Abschleppkosten im Vorhinein nicht festgelegt worden sind. Daher sind Abschleppkosten auch immer wieder ein Streitthema bei der außergerichtlichen Regulierung von Verkehrsunfällen. 

Höhe der Abschleppkosten

Da die Abschleppkosten im Vorfeld nicht vertraglich festgelegt sind, gilt der werkvertragliche Grundsatz, dass diese Kosten für das Abschleppen ortsüblich und angemessen sein müssen. Man kann sich insoweit leicht vorstellen, dass Streit darüber besteht, was angemessen und ortsüblich ist. Bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall ist es aber so, dass Sie ja als Geschädigter keinen Einfluss auf die Abschleppkosten haben. Es gilt der Grundsatz, dass Sie nach dem Verkehrsunfall so gestellt werden müssen, als wäre der Verkehrsunfall nicht geschehen. Dies bedeutet auch, dass Sie neben den normalen Schadensersatzansprüchen, auch von den Kosten für das Abschleppen freigestellt werden müssen. Was ortsüblich und angemessen ist, kann bei den Abschleppkosten schwerlich im Vorfeld gesagt werden, da z.B. ein Abstreuen der Straße notwendig ist. Auch wird insoweit zwischen Abschleppkosten und Bergungskosten bei den Abschleppkosten unterschieden.

Abschleppkosten: kein Preisvergleich bei Haftpflichtschäden

Bei sog. unverschuldeten Unfällen, Haftpflichtschäden, ist insgesamt die besondere Situation des Geschädigten zu beachten, weil die schnelle Räumung der Unfallstelle im Vordergrund steht. Es muss also vor Beauftragung des Abschleppunternehmens kein Preisvergleich stattfinden. Dies wird Ihnen in der Regel auch gar nicht möglich sein, weil die Abschleppunternehmen ja von der Polizei ausgewählt und benachrichtigt werden (OLG Celle, Urteil vom 09.10.2013, AZ: 14 U 55/13). Höchstrichterliche BGH-Rechtsprechung gibt es jedoch noch nicht.

Abschleppkosten – wie weit darf abgeschleppt werden?

Bei der Frage, wohin das Fahrzeug abgeschleppt werden darf, ist zwischen Totalschäden und Reparaturschäden an Ihrem Fahrzeug zu unterscheiden. 

Abschleppkosten bei Totalschaden

So hat das Landgericht Stuttgart, Urteil vom 15.06.2011, AZ: 8 O 434/11, entschieden, dass bei einem offensichtlichen Totalschaden das Fahrzeug nicht auf Kosten des eintrittspflichtigen Haftpflichtversicherers nicht über eine Strecke von 373 km an den Wohnort des Geschädigten abgeschleppt werden darf. Derartige Kosten sind nicht angemessen. Dies gilt deswegen, weil die Verwertung des Fahrzeuges nach dem Verkehrsunfall auch am Unfallort organisiert werden kann.

Abschleppkosten bei Reparaturschaden

Etwas anders ergibt sich bei Reparaturschäden. Hier können die Entfernungen auch größer sein. Dies liegt daran, dass Sie als Geschädigter ja auch wieder zu Ihrem Fahrzeug gelangen müssen. Es kann insoweit nicht verlangt werden, dass Sie als Geschädigter, z.B. Urlaub nehmen müssen, um den verunfallten Wagen wieder abzuholen. Hierfür würden nämlich wieder Zugfahrkosten oder aber Mietwagenkosten zur Zurücklegung der Fahrtstrecke anfallen.

Abschleppkosten – die Abschleppstory

Bei den Abschleppkosten hat sich bei der Versicherung insoweit herausgebildet, dass ein Abrechnungstool, die s.g. Abschleppstory, entwickelt wurde. Die Abschleppstory wurde als Abrechnungstool für Abschleppkosten von Allianz, Mondial und dem Verband der Bergungs- und Abschleppunternehmen e.V. (VBA in Zusammenarbeit mit Audatext entwickelt und umgesetzt). Es handelt sich hierbei um ein Prüftool, das zur systematischen Kürzung der Abschleppkosten herangezogen wird. Es ähnelt insoweit den Prüfberichten und Tools der Firmen Carexpert und ControlExpert.

Abschleppkosten – Keine Anwaltskosten im Haftpflichtschadensfall

Sollten Ihnen die Abschleppkosten nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall rechtswidrig gekürzt worden sein, dann nehmen Sie unverbindlich Kontakt auf. Es entstehen Ihnen keine Anwaltskosten, denn die Anwaltskosten sind als Teil des Schadensersatzes von der gegnerischen Versicherung zu tragen.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht, Verkehrsrecht

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