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Achtung: Widerruf bei Verbraucherdarlehen nur noch wenige Tage möglich

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Eine Widerrufsmöglichkeit zu Verbraucherdarlehen ist nur noch wenige Tage möglich. Durch ein Gesetz wurde die Widerrufsmöglichkeit für Verbraucherdarlehen, die zwischen dem Jahre 2002 und 2010 (10.6.2010) abgeschlossen wurden, begrenzt. Ein Widerruf ist maximal nur noch bis zum 20.6.16 möglich. Ein Widerruf danach entfaltet keine Rechtswirkung mehr und ist dadurch wirkungslos. Empfohlen wird, dass ein Widerruf umgehend erklärt wird.

Verbraucher haben immer wieder die Frage „Was sind die Folgen eines Widerrufs?“, und ob der Widerruf Nachteile hat.

Hierzu sei klargestellt, dass im Normalfall die Bank gegenüber dem Kunden den Widerruf ablehnt. Aufgrund einer Ablehnung ist sozusagen „nichts passiert“, da die Bank aufgrund der Ablehnung die Vertragserfüllung fordert. Dann muss der Verbraucher entscheiden, ob er einen Anwalt beauftragen will oder nicht.

Falls die Bank den Widerruf akzeptiert, was nicht der Regelfall ist, so wird der Darlehensvertrag natürlich in ein Rückgewährschuldverhältnis mit den sich daraus ergebenden Rechtsfolgen umgewandelt.

Hier sei natürlich erwähnt, dass die Rechtsfolgen des Widerrufs eintreten wenn das Widerrufsrecht besteht und dies ist natürlich unabhängig davon, ob die Bank den Widerruf ablehnt oder akzeptiert.

Aber falls die Bank den Widerruf akzeptieren sollte, so muss der Verbraucher grundsätzlich innerhalb von 30 Tagen die Restschuld zurück bezahlen. Natürlich gibt es zu den Widerrufsfolgen im Normalfall Probleme, d.h. die Bank bietet nicht die komplette Umsetzung der Widerrufsfolgen an. Die Bank hat das Interesse, aus dieser Angelegenheit so günstig wie möglich herauszukommen. Die Umsetzung der Rechtsfolgen und die Verfolgung der Umsetzung kann der juristische Laie oft nicht selbst handhaben. Diesbezüglich wird die Einschaltung eines in diesem Gebiet tätigen Rechtsanwaltes empfohlen.

Aber falls die Bank den Widerruf akzeptieren sollte bzw. dies nach Beauftragung eines Rechtsanwaltes tut, so muss der Verbraucher wie bereits erwähnt die Restschuld zurückzahlen. Und falls eine Umfinanzierung notwendig ist, so sollte der Verbraucher bereits im Vorfeld eine Anfrage bei einer anderen Bank starten, ob eine Umfinanzierung möglich ist und mit welchen Bedingungen.

Eine Umfinanzierung ist im Normalfall immer möglich, wenn die Immobilie in Höhe der Restschuld werthaltig ist und sozusagen keine „Schrottimmobilie“ ist. Probleme kann es geben, wenn eingetragene Grundschulden nicht erstrangig sind oder auch für andere Sicherungszwecke der Bank zur Verfügung stehen und die Bank sich evtl. weigert die Sicherheiten für die umfinanzierende Bank freizugeben oder abzutreten.

Falls die Bank dem Darlehensnehmer ein Angebot machen sollte, so sollte der Darlehensnehmer folgende Punkte wissen bzw. zumindest abschätzen können:

  • ist die Widerrufsbelehrung fehlerhaft?
  • welche Widerrufsfolgen treten bei einem Widerruf ein?
  • welche konkrete wirtschaftliche Vorteile (Stichworte hierzu: Umfinanzierung, Verzinsung der Tilungsleistungen, marktübliche Verzinsung) der Widerruf und die Widerrufsfolgen bringen wird
  • wie die vorgerichtlichen (und notfalls auch die gerichtlichen Chancen) Chancen bzw. Erfolgsaussichten sind, um den Widerruf und all seiner Rechtsfolgen durchzusetzen bzw. alternativ zu einem guten Vergleich zu gelangen
  • welche Kosten bei einer Rechtsverfolgung entstehen.

Das Wichtigste in diesen Tagen ist, dass der Darlehensnehmer nur noch wenige Tage Zeit hat, den Widerruf gegenüber der Bank zu erklären. Maßgebend ist der Eingang des Widerrufs bei der Bank. Nach dem gesetzlich vorgegebenen Fristende besteht danach keine Möglichkeit mehr. Damit besteht dann auch keine Möglichkeit, mehr Ansprüche aus einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung aus den angegebenen Jahren durchzusetzen, da der Widerruf nicht vor Fristende erklärt wurde.

Rechtsanwalt Peter Ganz-Kolb

Rechtsanwalt Ganz-Kolb ist Inhaber der Kanzlei Ganz-Kolb.

Schwerpunktmäßig ist Rechtsanwalt Ganz-Kolb auf dem Gebiet des Kapitalanlagerechts, des Bankrechts und des Anlegerschutzes tätig. Durch fachspezifische Tätigkeiten bei Banken etc. (z. B. 7-jährige Tätigkeit bei einem großen Discount-Broker/Wertpapierbank) sind auch umfangreiche und praktische Produktkenntnisse, Kenntnisse der Vertriebsabläufe etc. vorhanden. Dies beginnt bei einer atypisch stillen Beteiligung und endet bei den Zertifikaten.


Rechtstipp vom 01.06.2016
aus der Themenwelt Rechte betrogener Käufer und dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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