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Aktuelles Thema: Sturmschäden

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„Hui, wie pfeift der Sturm und keucht, dass der Baum sich niederbeugt!“

Nicht erst seit dem „fliegenden Robert“ aus dem bekannten Buch „Struwwelpeter“ wissen wir um die Gefährlichkeit von alljährlich wiederkehrenden Sturmereignissen. Die hierdurch entstehenden Schäden sind immens. Von einem richtigen Sturm spricht man allerdings erst ab der Windstärke 9 oder einer Windgeschwindigkeit von ca. 80 km/h. Nicht immer, wenn dabei ein Baum umstürzt oder ein Schaden durch umherfliegende Ziegel verursacht wird, kann von den Betroffenen Schadensersatz verlangt werden.

Wer aber kommt dafür auf, wenn man selbst durch einen Sturm zu Schaden gekommen ist?

Direkte Sturmschäden betreffen vor allem das Abdecken von Dächern, Abreißen von Antennen, Fahnen und Markisen. Hierfür ist in der Regel die Sturmschadenversicherung des eigenen Gebäudes eintrittspflichtig. Viele Versicherungsgesellschaften bezahlen einen Sturmschaden – bei abgeschlossener Sturmschadensversicherung – dabei erst, wenn der Wind nachweislich Windstärke 8 (stürmischer Wind, der Begriff „Sturm“ ist hier anders zu verstehen) erreicht hat.

Häufig kommt es zu erheblichen Schäden durch umgeworfene Bäume oder abgerissene Äste, die dann auf Nachbars Gartenhaus oder einem auf der Straße abgestellten Fahrzeug landen. Auch diese Risiken sind z. B. durch eine Teilkaskoversicherung abzudecken. Der Grundstückseigentümer des Baumes muss nur bei eigenem Verschulden hierfür eintreten.

Grundsätzlich muss immer derjenige für Schäden aufkommen, der sie verursacht hat und verantwortlich ist. Dazu reicht es nicht, Eigentümer eines umgestürzten Baumes zu sein. Schäden, die ein Naturereignis wie ein Sturm auslöst, sind vom Eigentümer eines Baumes nicht zu ersetzen. Etwas anderes gilt allerdings, wenn er wusste, dass der Baum nicht standfest war oder es morsche Äste gab. Aus diesem Grund muss der Grundstückseigentümer seinen Baumbestand regelmäßig auf Krankheit und Überalterung kontrollieren. Nur wenn ein Baum erkennbar krank oder schlecht gepflanzt ist und trotzdem nicht entfernt wird, muss der Eigentümer für einen Sturmschaden aufkommen. Es genügt also nicht, dass der Eigentümer Bäume gepflanzt und aufgezogen hat: Solange die Bäume im Garten gegen die normalen Einwirkungen der Naturkräfte widerstandsfähig sind, haftet er nicht.

Wenn aber ein Auto während eines starken Unwetters von herunterfallenden Dachziegeln getroffen wird, ist nach einer Entscheidung des Landgerichts Koblenz unter Umständen der Hausbesitzer haftbar.

Bei einem Sommergewitter waren Dachziegel auf ein Autodach gefallen. Die Versicherung des Halters wollte den Schaden vom Hauseigentümer ersetzt haben. Dieser verweigerte jedoch die Zahlung, weil der Sturm ungewöhnlich stark gewesen sei. Zudem sei erst wenige Monate vor dem Sturm das Dach vom Dachdecker überprüft worden. Das ließ das Gericht nicht gelten: Es sei starker Sturm, aber kein Orkan, gewesen, auf den hätte sich der Hausbesitzer aber einstellen müsste. Wenn sich unter solchen Voraussetzungen Dachziegel lösen, könne das Dach nicht in Ordnung gewesen sein. Dann habe der Dachdecker eben nicht gründlich geschaut.

Aber: Sogenannte Jahrhundertstürme wie Kyrill oder in letzter Zeit auch in Deutschland zunehmend auftretende Tornados und schwerste Sommergewitter müssen und können nicht eingeplant werden. Ein Grundstückseigentümer muss nicht haften, wenn seine Dachziegel oder Äste nur aufgrund der besonderen Stärke einer solchen „Naturkatastrophe“ gelöst werden und durch die Gegend fliegen.


Rechtstipp vom 13.07.2017

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            Rechtsanwalt Ralf Pössl (Janssen & Pössl) Rechtsanwalt Ralf Pössl

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