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Aktuelles zu Piccox – Varian defensive capital GmbH: Insolvenzantrag

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Schwarz | Mertsch Rechtsanwälte beschäftigen sich bereits seit Ende des letzten Jahres intensiv mit der Affäre um Picam – Piccor – Piccox. Über diesen Anlageskandal haben wir bereits in mehreren vorangegangenen Rechtstipps berichtet und möchten Betroffene an dieser Stelle auch weiterhin auf dem Laufenden halten.

Die jüngste Meldung in diesem Anlageskandal dürfte nun sein, dass laut den Insolvenzbekanntmachungen das Amtsgericht Augsburg am 22.02.2018 die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Varian defensive capital GmbH angeordnet hat. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stellte den Antrag, das Insolvenzverfahren über das Vermögen dieser Gesellschaft zu eröffnen. 

Zu den Hintergründen

Mit überdurchschnittlichen Renditen wurde ein Vermögensverwaltungsvertrag mit der in der Schweiz ansässigen Piccor AG beworben. Der Vertrieb wurde durch den „Picam Unternehmensverbund“ gesteuert. Mit dem Handel von DAX-Futures sollten angeblich Renditen bis zu 20 Prozent im Jahr erwirtschaftet werden. Teilweise über viele Jahre erhielten die Anleger auch scheinbar erfreuliche Übersichten über den Stand ihrer Kapitalanlage, die sich scheinbar als ebenso zuverlässig wie „renditekräftig“ erwies. 

Dass es sich um ein Schneeball-System gehandelt haben könnte, kann wohl manch ein Anleger, der dort über Jahre investierte und später auch noch 2017 das „Piccox-Zertifikat“ erworben hat, bis heute noch nicht fassen. Allerdings fanden sich bereits 2016 erste Zweifel an der Anlage in der Presse.

Anfang 2017 begannen ernste Schwierigkeiten und der Picam Unternehmensverbund um Thomas Entzeroth ließ verbreiten, dass die Piccor AG „aufgrund externer Umstände“ ihre Leistungen einstellen müsse. Wohl um das mutmaßliche Schneeballsystem am Leben zu erhalten, wurde nun dafür geworben, direkt in ein eigens neu konstruiertes Finanzprodukt zu investieren. Das „Piccox“-Zertifikat sei ein transparentes bankreguliertes Finanzprodukt, welches jederzeitige Verfügbarkeit des Kapitals innerhalb weniger Tage verspreche, so bewarben es rund 70 Anlageberater und -vermittler. Sie traten deutschlandweit gezielt an die Anleger heran warben dafür, keine Rückzahlung des Anlagebetrages zu verlangen, sondern stattdessen direkt in „Piccox“ zu wechseln. 

Einige der Anleger, die Auszahlung verlangten, bekamen noch Gelder zurück, andere warteten vergeblich. Zahlreiche Anleger erhielten auch tatsächlich das „Piccox“-Zertifikat in ihr zu diesem Zwecke bei der Moventum SA eröffnetes Depotkonto eingebucht. In einem Werbeschreiben Entzeroths heißt es auch wie folgt: „Sie führen ein Konto, auf welchem Sie täglich den Wert Ihrer Anlage betrachten können.“ Tatsächlich wurden angeblich „tagesaktuelle Kurse“ verbreitet. 

Wie auch bei der Piccor-Anlage sollte den Anlegern wohl suggeriert werden, dass sie auch noch Wertzuwächse verbuchen könnten. Offenbar schaffen es einige Anlageberater wohl sogar, ihre Kunden nach wie vor trotz der ausführlichen Berichterstattung zu beruhigen und weiter hinzuhalten. Gerade ältere Anlegern, die kaum oder gar keine Recherchen im Internet betreiben und auch das Handelsblatt nicht lesen, kommen offenbar bis heute noch nicht auf den Gedanken, dass ihre Gelder vollständig verloren sein könnten.

Spätestens seit Anfang Dezember 2017 ist das Picam/Picoxx-System zusammengebrochen und offenbarte sich als neuer Anlageskandal. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Berlin. Anfang Februar wurden mehrere Durchsuchungsbeschlüsse in Deutschland und der Schweiz vollstreckt und es konnten wohl immerhin erhebliche Vermögenswerte gesichert werden.

Varian defensive capital GmbH

Die Varian defensive capital GmbH in Pöttmes stellte für die in der Regel als freie Handelsvertreter agierenden Finanzberater/-vermittler das sogenanntes Haftungsdach. Bereits am 05.02.2018 wurde die Tätigkeit mit den Vermittlern offiziell eingestellt. Nun wurde der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Dies ist für sich genommen auch nicht weiter erstaunlich, da sich diese Gesellschaft erheblichen Schadensersatzforderungen der ausgesetzt sehen dürfte. Die Lage der Betroffenen dürfte sich durch diese Meldung aber kaum mehr verschlechtert haben. 

„Sammelklagen“, „Schutzgemeinschaften“, „Interessengemeinschaften“ 

Wie bei allen Anlegerskandalen und gescheiterten Kapitalanlagen schießen nun im Internet eilig ins Leben gerufene „Interessengemeinschaften“, „Anlegerschutzgemeinschaften“ und ähnliche Gruppierungen wie Pilze aus dem Boden. Geworben wird mit griffigen Slogans wie „Gemeinsam sind wir stark!“, „Wir klären auf!“, „Gemeinsam handeln!“ oder „Bündelung der Interessen“. 

Für viele Betroffene, die sich mit dem Verlust erheblicher Vermögenswerte durch Piccor / Piccox konfrontiert sehen, hört sich dies verführerisch an. Um die Geschädigten zu ködern, wird sogar zuweilen suggeriert, man würde kostengünstige „Sammelklagen“ organisieren wollen. Was viele nicht wissen: Tatsächlich sind in dem deutschen Rechtssystem – anders als beispielsweise in den USA – Sammelklagen gar nicht möglich

Betroffene sollten kritisch hinterfragen, wer hinter diesen „Interessengemeinschaften“ steht, welche Interessen verfolgt werden und ob es Sinn macht, die teilweisen üppigen Mitgliedsbeiträge zu zahlen. Letztlich mündet die „Mitgliedschaft“ bestimmungsgemäß in die Empfehlung eines Rechtsanwaltes. Da aber mittlerweile zahlreiche Rechtsanwälte Rechtsvertretung in Sachen Piccor-Piccox anbieten, dürften Betroffene keine Probleme haben, einen mit der Materie vertrauten Rechtsanwalt zu finden. 

Zuweilen werben auch noch Anlageberater, die selbst Piccor/Piccox vertrieben haben, nun auch noch bei den Betroffenen für den Beitritt zu einer Interessen-/Schutzgemeinschaft und empfehlen gezielt einen Anwalt. Betroffene sollten kritisch hinterfragen, ob dies ganz uneigennützig geschieht.

Was können Betroffene tun?

Betroffene sollten anwaltlichen Rat suchen, denn es steht unter anderem immer auch die Frage einer Haftung der Anlageberater und -vermittler der Anlagen Piccor/Piccox im Raum und ob gegebenenfalls auf dieser Seite bestehende Vermögensschadenshaftpflichtversicherungen eingreifen können. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass dies immer individuell im Einzelfall zu prüfen ist. Zudem sollten betroffene Piccor/Piccox-Anleger aber auch der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Berlin, mitteilen, dass sie zu den Geschädigten zählen. 

Die Kanzlei Schwarz | Mertsch vertritt bereits zahlreiche Betroffene und wir stehen auch Ihnen gerne zur Verfügung.


Rechtstipp vom 24.02.2018
Aktualisiert am 03.03.2018

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