Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Alkohol am Arbeitsplatz

Rechtstipp vom 03.08.2018
Rechtstipp vom 03.08.2018

„Alkohol am Arbeitsplatz“ ist ein facettenreiches Thema – ebenso vielfältig sind die Diskussionen, die über den Anlass einer diesbezüglichen Abmahnung geführt werden. Grundsätzlich gilt: Ein Arbeitgeber hat immer den Anspruch darauf, dass ein vertraglich gebundener Mitarbeiter seinen Pflichten nachkommt und seine Arbeit erwartungsgemäß ausführt. Es liegt in der Sache, dass Alkoholgenuss vor dem Arbeitsbeginn oder während des Arbeitstages nicht hingenommen werden muss – selbst dann nicht, wenn der Alkoholisierungsgrad keinen Einfluss auf die Produktivität oder die Konzentrationsfähigkeit des Mitarbeiters hat.

Günther Wurst, Rechtsanwalt MBA, DMS, CM (Oxford-Brookes), aus Herrenberg: „Das Arbeitsrecht fährt hier eine Null-Akzeptanz-Strategie und gegen eine Abmahnung wegen Alkohol am Arbeitsplatz ist in der Regel nicht viel zu machen. Zu Recht betroffene Mitarbeiter sollten eine Abmahnung akzeptieren und Lehren daraus ziehen, solange es sich um einen unglücklichen Zufall oder eine absolute Ausnahmesituation handelt und das Verhalten noch steuerbar ist.“

Allerdings: Erfolgt eine Abmahnung nach mehreren Verstößen und droht das Verhältnis zwischen den Parteien nachhaltig Schaden zu nehmen, dann muss eine Auseinandersetzung über Alkohol am Arbeitsplatz auf einem anderen Niveau geführt werden.

Arbeitgeber sind gut beraten, eine Abmahnung unter Umstanden mit dem Hinweis auf eine notwendige Therapie zu verbinden oder vielleicht sogar ohne Abmahnung gemeinsam tragbare Lösungen für ein ernstes Problem zu finden.

Rechtsanwalt Wurst: „Alkoholismus ist eine Krankheit und daher nicht unbedingt ein klassischer Kündigungsgrund. Arbeitgeber sollten hier ein wachsames Auge haben und verständig differenzieren zwischen einem einmaligen Ausrutscher und erkennbarem Suchtverhalten.“

Ist das Verhalten nicht mehr steuerbar, dann stellt Alkohol am Arbeitsplatz auch keine Pflichtverletzung dar. Abmahnung und sogar Kündigung wären angreifbar und eine Kündigungsschutzklage hätte gute Aussichten auf Erfolg.

Ob ein Arbeitgeber nach Alkoholgenuss am Arbeitsplatz fristlos „feuern“ kann, hängt von den mit der Arbeitsplatzbeschreibung verbundenen Sicherheitsrisiken ab. Bei „normalen Jobs“ gilt: Erst wenn alkoholbedingte Ausfallerscheinungen konkret und wiederholt zu Minderleistungen führen, kann nach Abmahnung und fortgesetztem Verhalten gekündigt werden.

In Ausnahmefällen können Arbeitgeber Alkohol während der Arbeitszeit auch genehmigen, z. B. bei Geselligkeiten während der Arbeitszeit. Ein Freibrief für Ausschweifungen auf rauschenden Festen ist das aber nicht.

Der Genuss von Alkohol am Arbeitsplatz wird auch durch die berufsgenossenschaftlichen Unfallverhütungsvorschriften (UVV) geregelt. Hier gelten z. B. für Kraftfahrer 0-Promille-Grenzen. Mahnt ein Arbeitgeber Verstöße nicht ab und unternimmt er nicht alles, damit sein Mitarbeiter kein Sicherheitsrisiko wird, dann macht er sich selbst strafbar.

Rechtsanwalt Günther Wurst aus Herrenberg steht Arbeitnehmern und Arbeitgebern in allen Fragen des Arbeitsrechts als Ansprechpartner zur Verfügung.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.