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Anhörungsbogen von der Polizei erhalten? Was tun?

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Wer bekommt einen solchen Anhörungsbogen?

Die Polizei verschickt dann sogenannte Anhörungsbögen, wenn man Ihnen eine leichte bis mittelschwere Straftat wie beispielsweise einen Diebstahl, eine Körperverletzung, eine Urkundenfälschung oder einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (Drogen) vorwirft. Der Anhörungsbogen ist eine Alternative zur polizeilichen Vorladung. Aber nicht nur die Polizei verschickt Anhörungsbögen, sondern beispielsweise auch das Hauptzollamt, wenn man Ihnen einen Verstoß gegen zollrechtliche Bestimmungen vorwirft (oft Steuer- und Abgabenhinterziehung). Ebenso verschickt die Bußgeldbehörde Anhörungsbögen bei Ordnungswidrigkeiten. Hier gelten jeweils die gleichen Grundsätze wie bei einem Anhörungsbogen der Polizei.

Anhörungsbogen erhalten – Muss ich antworten?

Zunächst sollten Sie prüfen, ob Sie in dem Anhörungsbogen nur als Zeuge oder als Beschuldigter bezeichnet sind. Hiervon hängen die weiteren Erwägungen und auch Ihre Rechte und Pflichten ab. Ob Sie als Beschuldigter oder als Zeuge geführt werden, erkennen Sie meist an der Überschrift, welche beispielsweise entweder „Anhörung als Beschuldigter“ oder „Zeugenfragebogen“ lautet. Sollte die Überschrift einmal fehlen, können Sie in der Regel dem Text des Anhörungsbogens entnehmen, ob Sie sich als Zeuge oder als Beschuldigter äußern sollen. Bei Beschuldigten lautet der Eingangssatz eines Anhörungsbogens in der Regel sinngemäß „Ihnen wird zur Last gelegt, die nachstehend näher bezeichnete Straftat begangen zu haben.“ Bei Zeugen finden sich häufig im Anhörungsbogen Formulierungen wie „Zur Aufklärung nachstehender Straftat werden Sie gebeten, sich als Zeuge zu äußern.“

Können Sie aus dem Anhörungsbogen nicht erkennen, ob Sie als Zeuge oder Beschuldigter gelten, sollten Sie sich unbedingt an einen Strafverteidiger wenden, der Ihren Status in dem Ermittlungsverfahren zunächst für Sie in Erfahrung bringen wird. Da hiervon die Ihnen zustehenden Rechte und Pflichten abhängen, ist diese Einordnung für das weitere Vorgehen von entscheidender Bedeutung. Betrifft der Anhörungsbogen eine Ordnungswidrigkeit (z. B. Rotlichtverstoß, Unfall, Geschwindigkeitsüberschreitung, Blitzer etc.), werden Sie nicht die Bezeichnung „Beschuldigter“, sondern die Bezeichnung „Betroffener“ finden. Dies meint jedoch im Ergebnis das Gleiche. In beiden Fällen wird Ihnen unterstellt, gegen das Gesetz verstoßen zu haben.

In jedem Fall die Aussage verweigern!

Wie auch im Rahmen der Vorladung zur Vernehmung gilt auch bei der schriftlichen Anhörung des Beschuldigten durch die Polizei, dass Ihnen Ihr Schweigen nicht Negativ angelastet werden kann. Auch, wenn Sie das Bedürfnis haben, etwas „klarstellen“ zu müssen oder die Hoffnung hegen, dass Sie mit Ihrer Kooperationsbereitschaft die Polizei milde stimmen oder für sich gewinnen können, sollten Sie nicht vergessen, dass Sie mit diesem Verhalten möglicherweise eine Vielzahl möglicher Verteidigungsmöglichkeiten kaputt machen. Oftmals kann dann auch der beste Strafverteidiger nicht mehr helfen. Sie sollten sich also vor Augen führen, dass die Polizei zwar grundsätzlich „Freund und Helfer“ ist, in der aktuellen Situation jedoch beabsichtigt, Sie einer Straftat zu überführen. Die Beamten gehen offensichtlich von Ihrer Schuld aus – sonst hätten Sie keinen Anhörungsbogen als Beschuldigter erhalten.

Anhörungsbogen nicht zurückschicken!

Gerade als Beschuldigter sollten Sie den Anhörungsbogen auf keinen Fall komplett ausgefüllt zurückschicken. Überlassen Sie die Kommunikation mit der Polizei einem Experten, also Ihrem Strafverteidiger. Er kennt die Tricks der Ermittlungsbehörden und weiß, welches Verhalten das für Sie beste ist. Hierzu wird Ihr Strafverteidiger zunächst einen Blick in Ermittlungsakten werfen. Denn es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Sie im Rahmen eines Anhörungsbogens etwas eingestehen, das die Polizei in dieser Form noch gar nicht wusste und vielleicht auch nie darauf gekommen wäre. Dies gilt es dringendst zu vermeiden. Es wird im Laufe Ihres Verfahrens noch zahlreiche Möglichkeiten geben, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Gemeinsam mit Ihrem Strafverteidiger werden Sie nach Einschätzung der Chancen und Risiken den richtigen Zeitpunkt finden. Kontaktieren Sie also am besten sofort einen Strafverteidiger – damit machen Sie keinesfalls etwas falsch.

Ich als Ihr Strafverteidiger nehme mir Zeit und berate und verteidige Sie in jedem Stadium. Zögern Sie nicht! Vereinbaren Sie noch heute einen Beratungstermin.


Rechtstipp vom 27.12.2017
aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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