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Anwartschaft in der privaten Krankenversicherung sinnlos?

Rechtstipp vom 27.06.2018
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Rechtstipp vom 27.06.2018
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Es gibt immer häufiger Fälle, in denen eine private Krankenversicherung für längere Zeit unterbrochen werden muss, beispielsweise bei einem längeren Auslandsaufenthalt. Wenn absehbar ist, dass in der Zukunft, beispielsweise nach geplanter Rückreise, dann das Bedürfnis für die Wiederaufnahme der privaten Krankenversicherung besteht, ist es sinnvoll, eine sogenannte Anwartschaftsversicherung für den Zwischenzeitraum abzuschließen.

Dies hat den Vorteil, dass bei Wiederaufnahme der vollständigen privaten Krankenversicherung eine erneute Gesundheitsprüfung nicht erforderlich ist und die Krankenversicherung sich auch wegen des höheren Eintrittsalters nicht verteuert, außerdem schon gebildete Altersrückstellungen nicht verloren gehen.

Leider kann sich in vielen Fällen im Nachhinein eine sogenannte Anwartschaftsversicherung auch als sinnlos darstellen. Die Kanzlei Dawood hat beispielsweise eine Mandantin beraten, die zunächst eine private Anwartschaftsversicherung abgeschlossen hat, da sie plante, irgendwann in der Zukunft sich, ebenso wie ihr Mann, privat krankenversichern zu lassen. Aufgrund einer eingetretenen Erwerbsunfähigkeit wurde die Mandantin jedoch verrentet und damit Mitglied der gesetzlichen Krankenkassen. Die Verrentung wird auch sicher bis zum Eintritt der Rente andauern. Somit ist die Mandantin relativ sicher für den Rest ihres Lebens in der gesetzlichen Krankenversicherung. Damit wird die gebildete Anwartschaftsversicherung sinnlos. Die Mandantin hat daher 18 Jahre lang Beiträge umsonst einbezahlt.

Leider besteht auch kein gesetzlicher Anspruch auf eine Umwandlung in eine Ergänzungsversicherung wie beispielsweise eine Zahnzusatzversicherung. Zwar gibt das Gesetz in § 204 Versicherungsvertragsgesetz das Recht auf einen Tarifwechsel innerhalb der Krankenversicherung. Dieses Recht gilt jedoch nur für gleichartige Versicherungsverträge. Eine normale Krankenversicherung (hierzu zählt die abgeschlossene Anwartschaftsversicherung) ist in Bezug auf eine Ergänzungsversicherung wie eine Zusatzzahnversicherung keine gleichartige Versicherung, sodass hier leider kein Anspruch gegen den Krankenversicherer auf Umwandlung der Anwartschaftsversicherung besteht.

Die einzige Möglichkeit, sich von den Nachteilen dieser Versicherung zu befreien, ist, die Anwartschaftsversicherung zu widerrufen.

Auch in Bezug auf Krankenversicherungen gilt seit dem Jahr 1991 die Verpflichtung, den Verbraucher über ein bestehendes Widerrufs- oder Widerspruchsrecht zu belehren.

Viele dieser Belehrungen sind fehlerhaft. Dies hat die erfreuliche Folge, dass der Widerruf oder Widerspruch noch zum jetzigen Zeitpunkt erklärt werden kann. Kann der Widerruf oder Widerspruch erfolgreich durchgesetzt werden, so hat der Verbraucher gegenüber dem Versicherer einen Anspruch auf Rückzahlung der (umsonst) bezahlten Prämien.

Sofern Sie in einer ähnlichen Situation sind, in der sich nachträglich herausstellt, dass eine Anwartschaftsversicherung sich als sinnlos herausstellt, empfehlen wir Ihnen, sich durch einen Fachanwalt für Versicherungsrecht beraten zu lassen.

Die Kanzlei Dawood steht Ihnen bundesweit für eine kostenlose erste Beratung zur Verfügung, zögern Sie nicht, uns anzurufen oder eine E-Mail zu schicken.


Rechtstipp aus der Themenwelt Private Versicherungen und dem Rechtsgebiet Versicherungsrecht

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