Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Arbeitgeber: Keine falsche Scheu vor der Abmahnung des Arbeitnehmers

Rechtstipp vom 12.06.2018
(2)

Arbeitgeber haben oft Skrupel, einen Arbeitnehmer abzumahnen. Sie befürchten eine Verschlechterung des Betriebsklimas und die Eskalation des Konflikts. Jedoch ist die Abmahnung für den Arbeitgeber ein unverzichtbares Instrument einer effektiven und kostensparenden Personalführung und sogar für den Betriebsfrieden förderlich.

Voraussetzung einer Kündigung

In juristischer Hinsicht ist die Abmahnung der erste Schritt zur Kündigung. Mit der Abmahnung ermahnt der Arbeitgeber ein Fehlverhalten seines Arbeitnehmers an, zum Beispiel das verspätete Erscheinen am Arbeitsplatz. Wiederholt der Arbeitnehmer dieses Fehlverhalten nach der Abmahnung, kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer wirksam kündigen, also eine sogenannte verhaltensbezogene Kündigung aussprechen. Ein Arbeitnehmer kann nur in seltenen Fällen wegen Fehlverhaltens ohne vorherige Abmahnung wirksam gekündigt werden.

Fehlt also eine erforderliche Abmahnung und kündigt der Arbeitgeber trotzdem, kann diese Kündigung für den Arbeitgeber teuer zu stehen kommen: Erhebt der Arbeitnehmer Klage und obsiegt, muss dann der Arbeitgeber trotz Abwesenheit des Arbeitnehmers dessen Lohn bezahlen und für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses zusätzlich eine Abfindung bezahlen, die bei langjährigen, älteren Mitarbeitern sehr hoch sein kann.

Sinnvolle Ermahnungsfunktion

Hängt der Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz, entfaltet die Abmahnung auch ihre Wirkung. Außerdem gibt es für die anderen Mitarbeiter die Sicherheit, dass der Arbeitgeber sie bei Fehlverhalten nicht sofort „feuert“, sondern dass die Arbeitnehmer eine zweite Chance verdienen und bekommen. Es entspricht auch den Gepflogenheiten eines seriösen Arbeitgebers, vor der Kündigung wegen Fehlverhaltens eine Abmahnung auszusprechen. Eine „Hire-und-Fire-Politik“ findet in Bewertungsportalen im Internet ihren Niederschlag und hat zur Folge, dass sich gut qualifizierte Mitarbeiter sich nicht mehr bewerben und abwenden.

Anforderungen an Abmahnung

Eine Abmahnung muss jedoch gewisse Anforderungen erfüllen, damit diese wirksam ist und ihre Wirkung als Ermahnungsfunktion entfaltet und eine wirksame Voraussetzung zur Kündigung ist. Mittlerweile lassen Arbeitnehmer erhaltene Abmahnungen anwaltlich prüfen, aber greifen diese aus taktischen Gründen nicht immer an, auch wenn diese unwirksam ist. Vielmehr wird die Unwirksamkeit der Abmahnung erst nach einer folgenden Kündigung im Kündigungsschutzprozess moniert, mit der Folge, dass die Kündigung unwirksam ist und der Arbeitgeber sich die Beendigung des Arbeitsverhältnisses wie oben beschrieben teuer erkaufen muss.

Bestimmtheit der Abmahnung

Die Abmahnung muss nicht zwingend schriftlich, sondern kann auch mündlich erfolgen. Aus Gründen der Rechtssicherheit sollte diese schriftlich erfolgen, damit der Inhalt der Abmahnung nicht streitig ist. Die Abmahnung muss nämlich hinreichend bestimmt sein. Das heißt, aus dem Inhalt der Abmahnung muss der Arbeitnehmer sein Fehlverhalten erkennen können. Hier liegt eine häufige Fehlerquelle und sollte stets vorsorglich anwaltlicher Rat eingeholt werden, damit das Bestimmtheitserfordernis einer Abmahnung erfüllt ist. Zuletzt berechtigt nicht jedes Fehlverhalten zur Abmahnung: Fehler, die leichtester Fahrlässigkeit zuzuordnen sind, also Fehler, die jedem passieren können, dürfen nicht abgemahnt werden.

Frist und Sammel-Abmahnung?

Eine Frist zur Abmahnung existiert nach dem Gesetz nicht, jedoch gelten länger zurückliegende Verstöße als nicht so schwerwiegend. Liegt der Verstoß des Arbeitnehmers länger als ein Jahr zurück, ist das Recht zur Abmahnung verwirkt. Auch sollte jedes Verhalten mit einer separaten Abmahnung abgemahnt werden. Denn im Streitfall muss der Arbeitgeber das Fehlverhalten des Arbeitnehmers nachweisen. Kann ein einziges Fehlverhalten in einer „Sammel-Abmahnung“ nicht nachgewiesen werden, ist die gesamte Abmahnung und eine hierauf gestützte Kündigung unwirksam. Daher sollte der Arbeitgeber jeden Verstoß mit einer gesonderten Abmahnung so früh wie möglich ahnden.

„Nebenwirkungen“ der Abmahnung

Die Abmahnung hat zur Folge, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer wegen des abgemahnten Vorfalls nicht mehr kündigen kann. Der Kündigungsgrund ist mit der Abmahnung „verbraucht“. Auch verfallen mit der Abmahnung auch andere Abmahnungsmöglichkeiten wegen anderem Fehlverhaltens, das dem Arbeitgeber bereits bekannt war. Im Zweifel sollten Arbeitgeber anwaltlichen Rat einholen, damit die Abmahnung wirksam ist und ihre nützlichen Wirkungen entfalten kann.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.