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Arbeitnehmer in Deutschland – Wenn die Arbeit auf die Psyche schlägt

Rechtstipp vom 17.12.2018
(46)
Rechtstipp vom 17.12.2018
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Arbeitnehmer in Deutschland – Wenn die Arbeit auf die Psyche schlägt
Arbeitnehmer leiden immer häufiger an psychischen Erkrankungen wie Burn-out. Grund hierfür ist beispielsweise eine hohe Arbeitsbelastung.
  • Etwa 668 Millionen Arbeitstage haben Beschäftigte in Deutschland 2017 krankheitsbedingt gefehlt.
  • Die Zahl der Fehltage ist im Vergleich zu 2016 leicht gesunken.
  • Laut des Bundesarbeitsministeriums nehmen jedoch psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz zu.

Fehltage von Arbeitnehmern in Deutschland 2017 leicht gesunken

Laut des Berichts „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales haben Arbeitnehmer in Deutschland 2017 rund 668 Millionen Arbeitstage krankheitsbedingt gefehlt. Im Schnitt bedeutet das circa 17 Fehltage für jeden Beschäftigten. 2016 waren es noch 675 Millionen Tage, an denen Arbeitnehmer nicht am Arbeitsplatz erschienen.
Die meisten Fehltage wurden von Beschäftigten im produzierenden Gewerbe angehäuft, gefolgt von Mitarbeitern im Baugewerbe. An dritter Stelle stehen Lehrer und Erzieher.

Gründe für den Anstieg von psychischen Erkrankungen 

Arbeitnehmer in Deutschland sammelten 2017 aufgrund von psychischen Erkrankungen, wie Depressionen und Burn-out, rund 107 Millionen Fehltage an. Vor zehn Jahren waren es noch 48 Millionen Tage. Die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle werden auf etwa 76 Milliarden Euro geschätzt. Gründe für den enormen Anstieg von psychischen Erkrankungen gibt es viele. Allen voran sind der steigende Zeitdruck und eine hohe Arbeitsintensität zu nennen, dicht gefolgt von der ständigen Erreichbarkeit per E-Mail, SMS oder auch Telefon. Darüber hinaus wird ebenso die wachsende Unsicherheit aufgrund von befristeten Arbeitsverträgen als Grund angeführt.

Ist eine Kündigung aufgrund von Krankheit gerechtfertigt?

Die Krankheit eines Arbeitnehmers ist im Grunde genommen für seinen Chef noch kein Grund, ihm zu kündigen.
Der Arbeitgeber hat dann die Möglichkeit, seinem Mitarbeiter eine krankheitsbedingte Kündigung – diese ist eine Sonderform der personenbedingten Kündigung – auszusprechen, wenn dieser aufgrund von häufigen Kurzzeiterkrankungen dem Arbeitsplatz fernbleibt. Im Grunde genommen sind Kurzzeiterkrankungen kein zulässiger Kündigungsgrund. Sollte der Beschäftigte aber sechs Wochen im Jahr und das über drei aufeinanderfolgende Jahre krank sein, ist eine krankheitsbedingte Kündigung dennoch möglich.
Baut ein Arbeitnehmer wegen einer schweren, langanhaltenden Langzeiterkrankung viele Fehltage auf, hat der Arbeitgeber ebenso die Möglichkeit, ihm krankheitsbedingt zu kündigen. Bei Langzeiterkrankungen ist zwischen einer Kündigung aufgrund von dauernder Arbeitsunfähigkeit bzw. wegen langanhaltender Erkrankung zu unterscheiden. Gemäß dem Bundesarbeitsgericht (BAG) gilt eine Krankheit ab acht Monaten als langanhaltend. Von einer dauernden Arbeitsunfähigkeit ist dann zu sprechen, wenn nicht abzusehen ist, dass sich der Gesundheitszustand des Beschäftigten innerhalb von 24 Monaten bessern wird.

Wann liegt eine wirksame krankheitsbedingte Kündigung vor?

Für die Wirksamkeit der krankheitsbedingten Kündigung sind einige Faktoren entscheidend. Grundsätzlich muss der Arbeitgeber nachweisen können, dass der Angestellte seine bisherige Tätigkeit auf Dauer nicht mehr ausüben kann. Es muss somit eine negative Gesundheitsprognose vorliegen. Zusätzlich zu dieser Art von Prognose muss eine Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen vorliegen. Das bedeutet, der Arbeitsablauf im Unternehmen wird aufgrund der Krankheit des Beschäftigten gestört.
Darüber hinaus muss stets eine Interessenabwägung im Einzelfall stattfinden. Dabei sollten die Interessen des Arbeitgebers die des Beschäftigten überwiegen. Kriterien hierfür sind u. a. das Alter des Arbeitnehmers sowie die Dauer des bisher ungestörten Arbeitsverhältnisses. Des Weiteren muss vor dem Ausspruch der Kündigung ein betriebliches Eingliederungsmanagement – kurz BEM – stattgefunden haben. Darunter ist die Wiedereingliederung des erkrankten Mitarbeiters, z. B. in Form einer verringerten Arbeitsbelastung, zu verstehen.
Wurde jedoch kein BEM durchgeführt, ist die krankheitsbedingte Kündigung zwar nicht automatisch unwirksam. Der Arbeitgeber hat es im Zuge einer Kündigungsschutzklage vor Gericht aber deutlich schwerer, die Kündigung als wirksam durchzusetzen.

(KKA)

Foto : ©Shutterstock.com/Jack Frog


Rechtstipp aus der Themenwelt Arbeitsverhältnis und dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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