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Arbeitsrecht: 11 Irrtümer, über die Sie Bescheid wissen sollten!

Rechtstipp vom 09.03.2017
Rechtstipp vom 09.03.2017

Nicht selten werden Aussagen zum Thema Arbeitsrecht getroffen, die sich im Nachhinein als Halbwahrheiten herausstellen. Damit Sie als Arbeitnehmer künftig aufgeklärt sind, haben wir die 11 häufigsten Irrtümer für Sie zusammengefasst.

Irrtum Nummer 1:

Ein Arbeitsverhältnis benötigt einen schriftlichen Arbeitsvertrag als Grundlage.

Aus gesetzlicher Sicht ist es gleich, in welcher Form ein Arbeitsvertrag abgeschlossen wird. Sei es per Handschlag, in mündlicher oder schriftlicher Form. Lediglich in dem Fall, dass die Beschäftigung befristet ist, muss diese Befristung schriftlich fixiert werden. Achtung: Verträge zur Berufsausbildung müssen immer schriftlich zustande kommen.

Irrtum Nummer 2:

Eine Kündigung des Arbeitsvertrages kann mündlich erfolgen.

Sowohl für Arbeitgeber, als auch Arbeitgeber gilt, dass die Kündigung schriftlich zu erfolgen hat. Auch im Einvernehmen beider Parteien, muss die Kündigung trotzdem schriftlich fixiert werden. Meist wird hier ein Aufhebungsvertrag abgeschlossen.

Irrtum Nummer 3:

Bei der Ausübung eines Minijobs entfallen die Ansprüche auf Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Auch diese Aussage ist falsch. Da Minijobber Teilzeitbeschäftigte sind, haben sie dieselben Grundsätze und Vorschriften, wie andere Teilzeitbeschäftigte. Der Anspruch auf gesetzlichen Mindesturlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und an Feiertagen besteht auch für Minijobber. Achtung: Auch Weihnachts- und Urlaubsgeld muss gezahlt werden, sofern andere Vollzeitarbeitnehmer dies auch erhalten.

Irrtum Nummer 4:

Eine Abmahnung vor der fristlosen Kündigung ist verpflichtend.

Hat der Arbeitnehmer sich einen besonder schweren Verstoß gegen den Arbeitsvertrag geleistet, wird grundsätzlich keine vorherige Abmahnung benötigt, um den Arbeitnehmer sofort zu kündigen.

Achtung! – weitere Fälle, in denen keine Abmahnung notwendig ist:

  1. Bei strafbaren Handlungen (Diebstahl, Betrug und ähnliches)
  2. Bei der missbräuchlichen Verwendung von Kontrollgeräten, wie Zeiterfassungsmechanismen
  3. Bei einer vorgetäuschten Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers
  4. Bei Handlungen, die gegen das Wettbewerbsverbot verstoßen

Irrtum Nummer 5:

Ist der Urlaub noch nicht gänzlich genommen, kann er im Folgejahr ersatzweise genommen werden.

Grundsätzlich gilt, dass der Urlaub bis zum Jahresende genommen werden muss und ansonsten ersatzlos verfällt. Ausnahmen dafür können Situationen sein, in denen man aus betrieblichen oder persönlichen Gründen keinen Urlaub nehmen kann. Gründe dafür wären zum Beispiel ein außergewöhnlich hohes Arbeitsaufkommen oder die Überschneidung mit den Urlaubswünschen anderer Kollegen.

Irrtum Nummer 6:

Erfolgt die Kündigung durch den Arbeitnehmer selbst, erhält dieser für eine bestimmte Zeitspanne kein Arbeitslosengeld durch die Arbeitsagentur.

Bis zu zwölf Wochen Sperrfrist kann die Arbeitsagentur verhängen, wenn der Arbeitnehmer die Kündigung selbst ausgesprochen hat. Erbringt der Arbeitnehmer jedoch einen Nachweis darüber, dass die Kündigung aus einem wichtigen Grund erfolgen musste, kann die Sperrfrist so verhindert werden. Wichtige Gründe wären hierfür beispielsweise ein Jobwechsel, der nicht wie geplant geklappt hat oder gesundheitliche und psychische Gründe.

Irrtum Nummer 7:

Auf eine betriebsbedingte Kündigung hat immer eine Abfindung zu folgen.

Gesetzlich gibt es keine Verpflichtung, dass der Arbeitgeber eine Abfindung zahlen muss. Auch dann nicht, wenn bei einer anderen Kündigung die Zahlung einer Abfindung erfolgte.

Achtung: Wurde ein Sozialplan erstellt, der eine Abfindung vorsieht, ist diese zu zahlen. Genau so verhält es sich bei Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen, die eine Abfindung zugesichert haben.

Irrtum Nummer 8:

Es ist möglich eine Kündigung zurückzunehmen.

Eine Kündigung wird wirksam, sobald diese dem Adressaten zugestellt wurde. Das Arbeitsverhältnis wird dadurch unmittelbar oder unter Berücksichtigung einer Frist unterbrochen. Die Rücknahme einer Kündigung kann jedoch unter Umständen als Angebot gewertet werden, dass beendete Arbeitsverhältnis wieder zu reaktivieren. Dieses Angebot kann daher angenommen oder abgelehnt werden. Eine generelle Rücknahme der Kündigung gibt es jedoch nicht.

Irrtum Nummer 9:

Ich kann während der Probezeit jederzeit rausgeschmissen werden.

Dies stimmt nur zum Teil. Richtig ist, dass der Arbeitnehmer das Beschäftigungsverhältnis ohne Angabe von Gründen beenden darf. Eine Frist von zwei Wochen muss er mit der Kündigung jedoch einhalten. Die Kündigungsfrist kann durch den Arbeitsvertrag beliebig verlängert werden, jedoch keinesfalls gekürzt. Achtung: In Tarifverträgen sind je nachdem kürzere Kündigungsfristen vereinbart.

Irrtum Nummer 10:

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss erst nach drei Tagen vorgelegt werden.

Grundsätzlich ist es richtig, dass am vierten Tag ein Attest beim Chef vorliegen muss. Dieser kann jedoch, sofern es im Arbeitsvertrag oder der Betriebsvereinbarung so verankert ist, eine andere Regelung verlangen.

Irrtum Nummer 11:

Ein Arbeitsverhältnis darf maximal nur dreimal hintereinander befristet werden.

Dies hängt von der Art der Befristung ab. Obliegt die Befristung des Arbeitsverhältnisses sachlichen Gründen, gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Beschränkung der Anzahl an Befristungen. Hierbei handelt es sich meist um Krankheits- oder Mutterschutzvertretungen.


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