Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Arbeitsunfall - Pflichten des Arbeitgebers

Rechtstipp vom 26.03.2015
(5)
Rechtstipp vom 26.03.2015
(5)

Der ausgelernte Zimmermann X mit mehrjähriger Berufserfahrung ist bei Y. Holzbau AG angestellt. An einem Montagmorgen ist er damit beschäftigt, die Holzbalken für ein Dachgerüst vorzubereiten. Dazu benötigt er die etwas ältere Kreissäge, an welcher kürzlich die Schutzvorrichtung abgefallen ist. X hatte bereits in der vorhergehenden Woche den Geschäftsführer auf diesen Defekt hingewiesen.

Dieser hatte zugesagt, er werde sich schnellstmöglich um die Reparatur bemühen, bis dahin jedoch solle X mit erhöhter Vorsicht die Maschine bedienen. Wie es jedoch der Zufall will, geschieht das Befürchtete. Beim Zusägen der Balken verfängt sich der Ärmel von X im Sägeblatt, worauf dessen Arm blitzschnell durch das Sägeblatt gezogen wird. Der Zimmermann verliert dadurch trotz sofortiger Einlieferung ins Spital seinen Arm. Nun stellt sich die Frage nach der Verantwortlichkeit des Arbeitgebers bei einem derartigen, tragischen Unfall.

Pflichten des Arbeitgebers

Gemäß Artikel 328 Absatz 1 OR hat der Arbeitgeber die Persönlichkeit des Arbeitnehmers zu achten und zu schützen, auf deren Gesundheit gebührend Rücksicht zu nehmen und für die Wahrung der Sittlichkeit zu sorgen. Der Arbeitgeber hat alle ungerechtfertigten Eingriffe in die Persönlichkeitsgüter (Leben, physische und psychische Integrität, Freiheit, Ehre und Privatsphäre) des Arbeitnehmers zu unterlassen. Darunter fallen:

  • Schutz der Gesundheit,
  • Schutz vor sexueller Belästigung,
  • Schutz vor Mobbing,
  • Schutz der Gesundheit im Besonderen.

Der Arbeitgeber muss alle Maßnahmen treffen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den Verhältnissen des Betriebes oder Haushaltes angemessen sind, soweit es ihm mit Rücksicht auf das einzelne Arbeitsverhältnis und die Natur der Arbeitsleistung zugemutet werden kann (Art. 328 Abs. 2 OR).

Unter diese Pflicht fallen zum Beispiel die sachgemäße Organisation des Arbeitsablaufs, richtiges Einsetzen, Instruieren und Überwachen des Arbeitnehmers, das Anbringen geeigneter Schutzvorrichtungen an Maschinen und die Bereitstellung zweckmäßiger Arbeitsräume. Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer auch vor selbstverschuldeten Unfällen schützen, sofern dessen Verhalten nicht unvorhersehbar oder grob fahrlässig ist.

Schadenersatz- und Genugtuungsforderung

Der Arbeitgeber haftet für den Schaden, den er dem Arbeitnehmer durch sein fahrlässiges und vorsätzliches Verhalten zufügt, grundsätzlich aus dem Arbeitsvertrag. Allenfalls ist auch eine Haftung aus unerlaubter Handlung respektive Werkeigentümerhaftung gegeben.

Eine Genugtuung ist anzunehmen, wenn auch eine seelische Unbill zu bejahen ist, wie etwa bei den Angehörigen eines getöteten Arbeitnehmers oder bei diesem selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung. Ein Genugtuungsanspruch beim Verlust eines Armes ist klar gegeben.

Die Folgen des Unfalls

Die Y. Holzbau AG ist als Arbeitgeber gegenüber dem zu Schaden gekommenen Mitarbeiter X persönlich schadenersatzpflichtig, soweit er diese Ersatzpflicht nicht auf eine Versicherung abwälzen kann. Der Arbeitgeber muss ihm nicht nur die Arztkosten ersetzen und eine Genugtuung für den verlorenen Arm bezahlen, sondern auch der Unfallversicherung ihre Ausgaben ersetzen, weil es in casu sicherlich grobfahrlässig war, einen Arbeitnehmer mit einer beschädigten Säge arbeiten zu lassen.

In diesem Sinn lohnt es sich nochmals, akribisch den eigenen Versicherungsschutz zu überprüfen, sodass man nicht von einer Versicherungslücke überrascht wird.


Rechtstipp aus der Themenwelt Arbeitsverhältnis und den Rechtsgebieten Arbeitsrecht, Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht | Schweizer Recht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwältin Dominique Calcò Labbruzzo (LAW by CALCÒ)