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Arzthaftungsrecht Teil V: Der Arztvertrag im Arzthaftungsrecht

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Die Pflicht des Arztes zur Anamnese (Familienanamnese, biographische Anamnese, Medikamentenanamnese)

Der Ablauf der ärztlichen Behandlung beginnt mit der Anamnese. Im Rahmen der Anamnese wird die Vorgeschichte eines Patienten in Bezug auf seine Beschwerden erhoben. Ziel der Anamnese ist die größtmögliche Einschränkung der in Frage kommenden Differenzialdiagnosen.

Der behandelnde Arzt muss sich vom seinem Patienten ein eigenes Bild machen, also die Befunde selbst erheben. Hierzu gehört zunächst die Eigenanamnese. Dabei wird die dem Patienten subjektiv erinnerlich und/ oder dessen Angehörigen erinnerliche Vorgeschichte der Erkrankung in Erfahrung gebracht.

Zur sog. Familienanamnese gehören auch Krankheitsangaben aus dem Bereich der Familie. Dies spielt insbesondere im Falle vererbbarer und/ oder ansteckender Krankheiten eine Rolle. Die Familienanamnese gibt Hinweise auf ein etwaiges genetisches Risiko eines Patienten und/ oder eine etwaige Prädisposition für bestimmte vererbliche Erkrankungen. Der Fokus richtet sich nach der untersuchten Krankheit beziehungsweise nach der Verdachtsdiagnose.

Die sog. biographische Anamnese betrifft die frühere Lebensgeschichte und ist insbesondere im Bereich der Psychiatrie relevant. Im Rahmen der biographischen Anamnese wird versucht, neben der Erfassung der Krankheit, nämlich u.a. deren Symptome, Verlauf, Vorgeschichte, sich auch ein möglichst genaues Bild des Patienten in der Ganzheit seiner Persönlichkeit zu verschaffen und eine vertrauensvolle Beziehung zu ihm aufzubauen. Daher sind nicht nur Fakten von Bedeutung, sondern auch deren Kontext.

Die sog. Medikamentenanamnese betrifft u.a. Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Medikamenten. Gerade bei polymorbiden Patienten können Beschwerden unter Umständen auf etwaige Nebenwirkungen und/ oder die falsche Einnahme von Medikamenten zurückgeführt werden. Die Medikamentenanamnese sollte daher möglichst alle eingenommenen Medikamente erfassen, und zwar auch solche die nicht verschreibungspflichtig sind und/ oder nicht also solche wahrgenommen werden.

Rechtstipp vom 18.08.2009
aus der Themenwelt Behandlung und Kunstfehler und den Rechtsgebieten Arzthaftungsrecht, Medizinrecht

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