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Ausbildungskosten als vorweggenommene Werbungskosten: FG Münster entscheidet zugunsten eines Piloten

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Das Thema Ausbildungskosten und deren steuerliche Behandlung sind regelmäßig Gegenstand zahlreicher Auseinandersetzungen zwischen Steuerpflichtigen und der Finanzverwaltung. Der Steuerpflichtige möchte seine Ausbildungskosten vollumfänglich als vorweggenommene Werbungksosten anerkannt wissen, da er diese im Wege eines Verlustvortrages steuerlich erhalten kann. Im Falle einer Nichtanerkennung wird allenfalls ein beschränkter Abzug als Sonderausgaben in Höhe von max. 6.000 € (bis 2011: 4.000 €) gewährt. Das Finanzgericht Münster hat in einer kürzlich veröffentlichen Entscheidung für einen Berufspiloten entschieden und einen Weg aufgezeigt, wie eine Anerkennung von Ausbildungskosten als vorweggenommene Werbungskosten erreicht werden kann (Urteil v. 04.04.2014, Az. 14 K 4281/11 F).

FG entscheidet zugunsten des Steuerzahlers

Gegenstand des Falles ist die Ausbildung zum Berufspiloten. Der Auszubildende musste 40.000 € bezahlen, erhielt aber keine Ausbildungsvergütung. Das zuständige Finanzamt gewährte lediglich den Sonderausgabenabzug, der aber mangels Einkünften des Auszubildenden verpuffte. Das Finanzgericht entschied dagegen für den Steuerpflichtigen. Nach seiner Auffassung lagen vorweggenommen Werbungskosten vor, weil die Ausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattgefunden hat. Denn Grundlage der Ausbildung war ein Schulungsvertrag, der die verpflichtende Teilnahme an Schulungen und Prüfungen vorsah. Auch wurde dem Azubi vertraglich zugesichert, dass er auf die spätere Tätigkeit bei der auszubildenden Fluggesellschaft vorbereitet wird. Dass er keine Ausbildungsvergütung erzielte, stehe der Annahme eines Dienstverhältnisses nicht entgegen, so das Finanzgericht.

Sinnvolle Maßnahmen zur Sicherung des Werbungskostenabzugs

Auszubildende, die viel Geld in ihre Ausbildung investieren müssen und während der Ausbildung keine Vergütung erhalten, sollten Vorsorgemaßnahmen treffen, um eine Anerkennung als vorweggenommene Werbungskosten zu erreichen.

  • Nach Möglichkeit sollte mit dem ausbildenden Unternehmen ein Dienstvertrag geschlossen werden, der konkrete Verpflichtungen und ggf. eine Übernahmemöglichkeit bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen vorsieht.
  • Vor der kostspieligen Ausbildung sollte eine sog. Kurzausbildung absolviert werden, die ebenfalls Fähigkeiten zur Berufswahl vermittelt. Die danach folgende Ausbildung ist dann eine Zweitausbildung. Diese Kosten sind in voller Höhe als Werbungskosten absetzbar.

Das Urteil des FG Münster ist noch nicht rechtskräftig, die Revision beim BFH anhängig. Betroffene Auszubildende sollten gegen die Streichung beantragter vorweggenommener Werbungskosten einen Einspruch und einen Antrag auf Ruhen des Einspruchsverfahrens einlegen.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Steuerrecht

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