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Außerordentliche Kündigung des Fitnessstudiovertrages

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Der Beginn des Trainings im Fitnesstudio beginnt oft mit großer Begeisterung und Elan. Oft stellt sich nach kurzer Zeit heraus, dass der Vertrag doch nicht so häufig genutzt wird wie angedacht. Oder es ändern sich die Lebensumstände, was bei Abschluss des Vertrages noch nicht absehbar war, z.B. ein beruflich notwendiger Umzug in eine andere Stadt. Wie kommt der Verbraucher in solchen Fällen aus dem Vertragsverhältnis heraus ?

Während der Mindestlaufzeit ist eine ordentliche Kündigung nicht möglich. Verträge besitzen oft eine Mindestlaufzeit von 12 oder 24 Monaten. Ob der Verbraucher trainiert oder nicht, die Zahlungsverpflichtung bleibt.

In Betracht kommt allenfalls eine außerordentliche Kündigung. Voraussetzung dafür ist, dass ein wichtiger und schwerwiegender Grund vorliegt, der es dem Verbraucher unter Abwägung aller Umstände unzumutbar macht, an dem Vertrag festzuhalten. Mein Tipp: Sprechen Sie alle Kündigungen schriftlich aus. Bei einer außerordentlichen Kündigung muss keine Frist eingehalten werden. Der Vertrag wird sofort beendet.

1. Bundeswehreinsatz in anderem Land

Wird ein Bundeswehrsoldat mit sofortiger Wirkung zu einem Bundeswehreinsatz in einem anderen Land berufen, hat er das Recht zur außerordentlichen Kündigung.

2. Umzug in eine andere Stadt

Ein Umzug rechtfertigt nicht in jedem Fall eine außerordentliche Kündigung. Unumstritten liegt ein wichtiger Grund bei einem Umzug in ein anderes Land. Bei einem Umzug in eine andere Stadt entfällt dann ein wichtiger Grund, wenn es sich bei dem Fitnesstudio um eine Kette handelt und das Training in einer Filiale fortgeführt werden kann. Auch geringe Entfernungen zum neuen Wohnort sind zumutbar. Der Verbraucher muss hinnehmen, dass er künftig eine längere Zeit unterwegs ist zum Studio und dieses umständlich und beschwerlich ist. Bei weiten Entfernungen von über 50 km wird ein wichtiger Grund in der Regel anerkannt.

3. Erkrankungen 

Eine außerordentliche Kündigung ist auch möglich bei einer schweren Erkrankung, die es dauerhaft und objektiv nicht möglich macht, die vereinbarten Leistungen des Studios zu nutzen. Ein amtsärztliches Attest darf das Fitnessstudio grundsätzlich nicht verlangen, aber die Erkrankung muss durch ein Attest nachgewiesen werden. Aber auch hier wird im Einzelfall geprüft, ob es dem Verbraucher tatsächlich nicht möglich ist, andere Leistungen im Studio zu nutzen, wie z.B. Sauna, Wellness, Schwimmbad.

Bei Erkrankungen gilt in der Regel: War die Erkrankung bereits bekannt, als der Verbraucher den Vertrag abgeschlossen hat, kann er sich später nicht darauf berufen, dass die Erkrankung sich verschlechtert hat. Das liegt in seinem eigenen Risiko. Das gilt auch für psychische Erkrankungen. 

4. Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft berechtigt nicht automatisch zur außerordentlichen Kündigung. Auch hier kommt es wieder auf den Einzelfall an. Ist die Schwangerschaft problematisch, muss die Schwangere zum Beispiel das Bett hüten, ist es ihr nicht subjektiv zumutbar, am Vertrag festzuhalten. War die Schwangerschaft bei Vertragsschluss bekannt, besteht kein außerordentlicher Kündigungsgrund.

5.  Streit mit Trainer oder Inhaber

Eine sofortige Kündigung des Fitnessstudiovertrags ist immer möglich, wenn der Verbraucher das Vertrauen in die weitere vertragliche Zusammenarbeit vollständig verloren haben. Erforderlich ist, dass sich Situationen ereignet haben, aufgrund derer es unvorstellbar geworden ist, das Fitnessstudio noch einmal zu betreten. Zu einer solchen Situation kann es beispielsweise dann kommen, wenn der Verbraucher mit dem Studioinhaber oder mit einem Trainer in einen erheblichen Streit geraten, in dem diese Beleidigungen oder Drohungen gegenüber dem Kunden äußern. 

6. Wegfall Kursangebot oder Geräte

Der Wegfall eines bestimmten Kurses berechtigt nur dann zur außerordentlichen Kündigung, wenn dieser Kurs für den Verbraucher  derart entscheidend war, dass er ohne das Kursangebot den Vertrag erst gar nicht abgeschlossen hätte. Das wird in der Praxis schwierig sein, das nachzuweisen. In der Kündigung sollte genau erklärt werden, warum der Kurs so entscheidend war. Es sollten auch Zeugen hierfür benannt werden.

Der Wegfall einzelner Geräte berechtigt in der Regel nicht zur außerordentlichen Kündigung.

Haben Sie ein Problem im Bereich Fitnessstudio, so können Sie sich gerne an mich wenden. Ich überprüfe Ihren Fall, und teile Ihnen mit, ob ich helfen kann, und wie hoch die Gebühr hierfür wäre.

Rechtsanwältin Sigrid E. Nelsen, Düsseldorf  


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Allgemeines Vertragsrecht, Zivilrecht

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