Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Azubi-Rechte im schnellen Überblick

(12 Bewertungen) 4,3 von 5,0 Sternen (12 Bewertungen)
Azubi-Rechte im schnellen Überblick
Azubis haben nicht nur das Recht auf eine ordentliche Ausbildung.

Azubis müssen fleißig lernen und sorgfältig arbeiten. Anders als diese Azubi-Pflichten interessieren Ausbildungsbetriebe Azubi-Rechte weitaus weniger. Schließlich gehören Angelegenheiten wie zulässige Arbeitszeiten, angemessener Urlaub und gerechte Bezahlung zu ihren Pflichten und nicht zu denen der Auszubildenden. Dass ausbildende Betriebe sie aber genauso erfüllen, wie sie ihrerseits Einsatz von ihren Azubis verlangen, gehört zu einem fairen Ausbildungsverhältnis einfach dazu – ist aber beileibe nicht immer so. Jeder Auszubildende sollte deshalb seine Rechte kennen.

Ausbildung

  • Auszubildende haben ein Recht auf eine ordentliche Ausbildung, mit der sie den Lehrberuf später ausüben können.
  • Erlaubt sind nur dem Ausbildungszweck dienende Aufgaben, die die körperlichen Kräfte nicht übersteigen. Daraus folgt insbesondere: kein Einsatz als Ersatz für andere Arbeitnehmer.
  • Azubis dürfen den Ausbildungsnachweis, sprich das Berichtsheft, auch am Arbeitsplatz führen.
  • Der Ausbildende muss dem Azubi einen Ausbildungsvertrag schriftlich aushändigen, sobald beide ihn unterschrieben haben. Bei minderjährigen Azubis bekommen ihn die gesetzlichen Vertreter, in der Regel also die Eltern. Dasselbe gilt bei Änderungen.

Probezeit

  • Ein Monat bis maximal vier Monate Probezeit sind zulässig. Mit der Probezeit beginnt dabei auch das Ausbildungsverhältnis.
  • In der Probezeit darf der Ausbildungsbetrieb jederzeit und grundlos kündigen. Die Kündigung muss der Auszubildende aber spätestens am letzten Tag der Probezeit erhalten. Sonst kommt sie zu spät und der Betrieb kann nur noch aus wichtigem Grund kündigen.

Arbeitszeit

  • Die Dauer der täglichen Ausbildungszeit muss im Ausbildungsvertrag stehen. Alles darüber sind Überstunden, die nur in besonderen Ausnahmefällen anfallen dürfen.
  • Zulässig sind 8 Stunden pro Tag bzw. 48 Stunden pro Woche für erwachsene Auszubildende. Für minderjährige Azubis ist auch bei 8 Stunden pro Tag, in der Woche aber bereits ab 40 Stunden Schluss. Arbeiten an Samstagen und Sonntagen sowie zwischen 20 und 6 Uhr ist nur ausnahmsweise für sie zulässig.
  • Berufsschule hat Vorrang vor der Arbeit. Azubis haben ein Recht auf Freistellung für den Unterricht.

Urlaub

  • Wie viel bezahlten Urlaub der Ausbilder mindestens geben muss, hängt vom Alter am Anfang des jeweiligen Jahres ab. Ist der Auszubildende
  • zum Jahresanfang noch keine 16 Jahre alt: wenigstens 30 Werktage Urlaub
  • zum Jahresanfang noch keine 17 Jahre alt: wenigstens 27 Werktage Urlaub
  • zum Jahresanfang noch keine 18 Jahre alt: wenigstens 25 Werktage Urlaub
  • zum Jahresanfang über 18 Jahre alt: wie für erwachsene Arbeiter auch, pro Wochenarbeitstag 4 Urlaubstage im Jahr; bei einer 5-Tage-Woche also mindestens 20 Urlaubstage
  • Auf einen Urlaubsantrag muss der Ausbildungsbetrieb innerhalb eines Monats reagieren.
  • Ist der Urlaub danach genehmigt, kann ihn der Betrieb nicht einfach widerrufen.

Bezahlung

  • Ausbilder müssen Auszubildende angemessen bezahlen. Wesentlich dafür ist das Ausbildungsverhältnis. Wenn die Vergütung allerdings mehr als 20 Prozent unter einer tarifvertraglich geregelten Vergütung liegt, ist von einer Unangemessenheit auszugehen.
  • Die Vergütung muss sich außerdem mindestens jährlich erhöhen.

Ausbildungsende

  • Ein Recht auf Übernahme gibt es nicht. Mitglieder einer Auszubildendenvertretung haben allerdings ein Recht, dass sie der Betrieb bei offenen Stellen berücksichtigt.
  • Allerdings müssen Azubis in jedem Fall ein schriftliches Ausbildungszeugnis erhalten. Auf Verlangen muss der Ausbildende auch ein ausführliches Zeugnis ausstellen, das Verhalten und Leistung beschreibt.

Kündigung

  • Azubis dürfen das Ausbildungsverhältnis mit einer Frist von vier Wochen kündigen, wenn sie die Ausbildung aufgeben wollen.
  • Ausbildende dürfen nach Ende der Probezeit nur aus wichtigem Grund kündigen – beispielsweise, wenn der Auszubildende die Ausbildung schleifen lässt, unentschuldigt fehlt, Berichtshefte zu spät abliefert oder die Berufsschule schwänzt. Vorher muss der Betrieb den Azubi fast immer erst einmal abmahnen. Ansonsten droht eine Kündigung bei rassistischem Verhalten oder wenn der Azubi den Ausbildenden bzw. Ausbilder beleidigt, bedroht oder bestiehlt. Kündigen wegen schlechter Leistungen ist dagegen nicht einfach möglich.
  • Schwerbehinderte, Schwangere und Mitglieder einer Auszubildendenvertretung sind besonders vor einer Kündigung geschützt.

Betriebsrat

  • Auszubildende gelten als Arbeitnehmer. Ein vorhandener Betriebsrat bzw. Personalrat ist bei sie betreffenden Angelegenheiten zu beteiligen.

(GUE)

Foto : ©Fotolia.com/industrieblick


Rechtstipp vom 23.05.2017
Aktualisiert am 24.05.2017
aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps der anwalt.de-Redaktion

Alle Rechtstipps der anwalt.de-Redaktion

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.