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Bei Entgelterhöhung übergangen - dulden oder klagen?

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Für erhöhten Blutdruck und Gesprächsstoff am Abendbrottisch sorgt es, wenn der Arbeitgeber einer Gruppe von Arbeitnehmern das Entgelt erhöht, einer andern nicht - und man selbst zu dieser übergangenen Gruppe gehört. Soll man nun auf Gleichbehandlung klagen, um ebenfalls eine Erhöhung zu erhalten, oder hat so etwas gar keinen Zweck?

Eine immer gültige Antwort gibt es - wie leider oft bei der Justiz - nicht. Am besten, man geht ohne Scheu zum Anwalt. Denn: der Arbeitgeber muss in einem Prozess genauestens offenlegen, warum er einer bestimmten Gruppe mehr Geld gibt und einer anderen Gruppe nicht, was er damit bezweckt und was nicht und wie er differenziert hat.

Wer nun als Arbeitnehmer glaubt, der Arbeitgeber habe diese Unterscheidungskriterien bislang nicht offengelegt und könne dies nun nicht mehr "nachschieben", weil man ihn ja jetzt verklagt habe und nun "der Sack zu" sei, der irrt sich, wie das Bundesarbeitsgericht in einer Entscheidung vom Februar 2011 festgestellt hat.

Der Arbeitgeber kann sehr wohl seine Gründe erst im Prozess darlegen. Ob diese "nachgeschobenen" Gründe dann nur "vorgeschoben" sind oder nicht, das muss dann das Gericht bewerten; zuhören muss es dem beklagten Arbeitgeber dazu aber erst einmal. Also riskiert der Arbeitnehmer, erst im Prozess die ganze Wahrheit zu erfahren und mit seinem Gleichbehandlungsanspruch dann eventuell abgewiesen zu werden.

(BAG, Urteil v.23.2.2011, Az.: 5 AZR 84/10)


Rechtstipp vom 10.06.2011
aus der Themenwelt Arbeitsverhältnis und dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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