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Bei 50 Münzen hört der Spaß auf

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Bei 50 Münzen hört der Spaß auf
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Kleinvieh macht auch Mist will sagen: Auch kleine Dinge können große Wirkung haben. In Verbindung mit Geld bringt das einige Mitmenschen, die anderen ihrer Meinung nach etwas ungerechtfertigt zahlen müssen, auf so manch kuriose Idee.

557 Kontoauszüge

Vermutlich war der Mann nicht sehr zufrieden mit der Leistung seines Anwalts. Nach seiner Aktion trafen sich die beiden diesmal als Kontrahenten vor dem Amtsgericht Brilon wieder. Dort ging es allerdings um keinen Fall der Anwaltshaftung. Vielmehr wollte umgekehrt der Rechtsanwalt Schadensersatz von seinem Ex-Mandanten. Der hatte dem Anwalt nämlich eine für ihn ebenso unliebsame wie überraschende Forderung seiner Bank, der Spar- und Darlehenskasse Olsberg, in Höhe von 556,50 DM eingebracht. Obendrein musste der Anwalt auch noch 557 Kontoauszüge abholen.

Was war passiert? Der frühere Mandant hatte von seinem Anwalt eine Rechnung über 1114 DM erhalten. Was dem Mann an der Leistung des Anwalts nicht gepasst hat, ist unklar. Fest steht, es gab dem Mann auf jeden Fall genug Energie, um 1114 Einzelüberweisungen zu je 1 DM zu tätigen. Und da auf einen Kontoauszug 2 Buchungen passten, führte das zu den bereits erwähnten 557 Kontoauszügen. Dass der Schuss jedoch nach hinten losging, zeigte sich später vor dem Amtsgericht Brilon. Denn der Richter verurteilte ihn am Ende wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung. Infolgedessen musste er dem Anwalt die entstandenen Buchungsgebühren von über 500 DM zuzüglich Zinsen erstatten (Amtsgericht Brilon, Urteil v. 14.04.1993, Az.: 2 C 136/93).

29.292 Cent

Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. Das dachte sich im übertragenen Sinne wohl auch der Mann in folgendem Fall. 292,92 Euro hatte ihm das Amtsgericht Wuppertal aufgebrummt, dafür dass er Briefe eines Gefängnisinsassen in Untersuchungshaft aus dem Knast geschmuggelt hatte. Der Mann zahlte die Strafe, allerdings in 29.292 Ein-Cent-Münzen. Die kippte er zudem beim Amtsgericht Wuppertal unverpackt in den Briefkasten.

Doppeltes Glück für ihn: Die Summe stimmte nicht nur auf den Cent genau, obendrein akzeptierte das Gericht die Zahlung auch. Dessen Begründung lautete, dass die Rücksendung des 63 kg schweren Geldbetrags an den Mann zu kostspielig geworden wäre.

Dass es übrigens immer noch eine Gewichtsklasse höher geht, zeigt ein Fall aus den USA. Dort hatte ein Mann einen Teil des für den Unglückstod seines Sohnes bereits erhaltenen Schadensersatzes zurückzahlen müssen. Aus Ärger sendete er 600.000 Dollar davon in Vierteldollar-Münzen per LKW an die Kanzleien der Kläger. Das Gewicht der Rückzahlung betrug hier statt einiger Kilo gleich stolze 3,75 Tonnen.

Münzgesetz begrenzt Einzelzahlungen in barer Münze

Aufgrund von Änderungen durch das EU-Recht regelt das deutsche Münzgesetz übrigens seit 1999 die Annahmepflicht einzelner Zahlungen. Demnach muss niemand mehr als 50 Euro-Münzen bei einer einzelnen Zahlung annehmen - und das unabhängig vom Zahlbetrag. Will jemand allein in deutschen Euro-Gedenkmünzen zahlen, dann ist im Übrigen niemand verpflichtet, mehr als 200 Euro bei einer einzelnen Zahlung anzunehmen. Nicht zuletzt deswegen kann die Rache mittels Zahlung in Kleinstbeträgen gehörig schiefgehen. Für die Bezahlung mit Banknoten gilt die Beschränkung allerdings nicht.

(GUE)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 17.09.2013

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