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Beispiel einer „ganz normalen“ Falschberatung anhand von Geldmarktfonds

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In guten Zeiten verzeiht der Markt alles - auch eine Falschberatung, in schlechten Zeiten verzeiht er nichts. Aber meist erst dann wird die gesamte Misere dem Anleger klar.

Schon die Beachtung dieser Börsenweisheit kann dem Anleger helfen bisher nicht erkannte oder vielleicht verdrängte Risiken zu entdecken. Der Anleger sollte immer auch bei seinen aktuell wertmäßig/kurstechnisch gut laufenden Kapitalanlagen sich fragen, ob die Aufklärung und Beratung vor der Anlageentscheidung richtig, vollständig, wahrheitsgemäß, umfassend etc. erfolgte. Es ist immer vorteilhaft zu wissen, ob man bezüglich seiner Kapitalanlage alle Informationen erhielt, um insbesondere die Risiken für die gesamte Anlagedauer richtig einschätzen zu können und ob man diese eingehen wollte und auch heute noch eingehen würde.

Banken, Berater und Vermittler haben in der Vergangenheit wie mittlerweile bekannt ist, nicht selten die Kunden nicht anlage- und anlegergerecht aufgeklärt und beraten.

Hierzu ein Beispiel: Auch Banken, die nicht so in der Kritik stehen haben ihren Kunden, die zuvor eine sicherheitsbewußte Anlagestrategie hatten, umfangreich Geldmarktfonds empfohlen. Zuvor hatten diese Kunden in Tagesgeldern und Festgeldern angelegt, mehr nicht. Die Banken, Berater und Vermittler rieten zu Geldmarktfonds. Und einzelne Berater äußern sich selbst noch im Jahre 2010 dahingehend, dass die Geldmarktfonds Tagesgeldern entsprechen würden bzw. genauso gut wie Tagesgelder wären.

Hierzu sei klar festgestellt, dass Geldmarktfonds keine Tagesgelder sind, sondern Fonds und im Vergleich zu Tagesgeldern erhöhte Risiken aufweisen. Tagesgelder zeigen aufgrund ihrer einfachen Struktur eine lineare Wertentwicklung auf, Geldmarktfonds jedoch gerade nicht. Über die erhöhten Risiken und den anderen Eigenschaften von Geldmarktfonds wurde nicht aufgeklärt. Gleichzeitig wurden den Kunden die Geldmarktfonds auch z.B. damit schmackhaft gemacht, dass beim Ankauf keine Ausgabenaufschläge anfallen würden. Die Banken erhielten und erhalten jedoch in der Regel die so genannten Kickbacks von den Fondsgesellschaften. Durch diesen Umstand verdient die Bank in aller Regel mit den Geldmarktfonds mehr als mit Tagesgeldern. Bei fehlender Aufklärung über Rückvergütungen/Kickbacks löst dies Schadensersatzansprüche aus. Diese unterlassene Aufklärung führt grundsätzlich zur Rückabwicklung des Vertrages. Dies klingt einfach, aber damit diese Pflichtverletzung eine Rückabwicklung zur Folge hat muss eine ganze Anzahl von Hürden genommen werden, die die Einschaltung eines versierten Rechtsanwaltes normalerweise notwendig macht.

Auch diese Geldmarktfonds haben während der Finanzkrise kurstechnisch gelitten. Die Gründe sind in der Struktur, in der Strategie, im Management, in der Zusammensetzung von Fonds etc. zu suchen. Mit solchen Geldmarktfonds wurden je nach Strategie z.B. auch in andere Banken investiert. Wie bekannt ist hatten und haben diese Banken erhebliche Probleme. Damit einhergehend mussten Gewinneinbrüche und Kursverluste hingenommen werden und teils noch mehr -siehe z.B. Kaupthing Bank.

Anhand dieses Beispiels soll lediglich aufgezeigt werden, dass eine gut laufende Kapitalanlage auch morgen noch, selbst bei Kursrückgängen, für den Anleger noch „gut" läuft, wenn die Aufklärung und Beratung hinsichtlich der Verlustrisiken, der Risikofähigkeit, der Risikoneigung, dem Anlageziel u.s.w. dem Profil des Anlegers entsprach. Falls dies nicht der Fall war, muss jederzeit aufgrund des latent vorhandenen und nicht gewollten Verlustpotentials, mit einem herben oder nicht gewollten Verlust gerechnet werden. Bei einem nicht gewollten Verlust drängt sich natürlich immer der Verdacht einer unterlassenen oder fehlerhaften Aufklärung oder Beratung auf. Oberstes Ziel eines Anlegers sollte immer sein über alle Risiken etc. wahrheitsgetreu vor der Anlageentscheidung informiert zu werden.

Falls sich im Nachhinein Anhaltspunkte für eine fehlerhafte Aufklärung und/oder Beratung auftun, sollte der Anleger sofort zum Zwecke der Schadensverhütung oder der Schadensminderung prüfen, ob die Anlage seinem Risiko, seinem Anlageziel etc. entsprach und noch entspricht und notfalls die notwendigen Konsequenzen treffen. Allerspätestens beim Eintritt von Verlusten, zeitlich gebundenen Anlagen etc. sollte ein in dieser Materie versierter Rechtsanwalt um Rat gefragt werden.

Peter Ganz-Kolb

Rechtsanwalt


Rechtstipp vom 06.04.2010
aus dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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