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Beleidigung der Geschäftsführer als „soziale Arschlöcher“ als außerordentlicher Kündigungsgrund?

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Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein hatte im Januar 2017 genau über diese Frage zu entscheiden. Dem lag der folgende Sachverhalt zugrunde:

Der Arbeitnehmer war seit etwa 23 Jahren in einem kleinen Familienbetrieb beschäftigt. Nach einer Meinungsverschiedenheit mit anschließendem Wortgefecht bezeichnete der Arbeitnehmer die Geschäftsführer des Betriebes am Folgetag als „soziale Arschlöcher“. Der Arbeitgeber stellt ihn daraufhin für drei Tage von der Arbeit frei. Im Anschluss an die Freistellung wurde dem Arbeitnehmer Urlaub gewährt.

Der Arbeitnehmer unternahm jedoch erst im Kammertermin vor dem Arbeitsgericht den Versuch einer Entschuldigung für sein Verhalten gegenüber seinem ehemaligen Arbeitgeber. Er vertrat stets die Auffassung, dass er von seinem Arbeitgeber zu dieser Äußerung provoziert worden sei.

Das Landesarbeitsgericht nahm hier eine Betrachtung des Gesamtsachverhaltes und des Einzelfalles vor. Eine Provokation des Arbeitgebers wurde verneint. Zu berücksichtigen war hier insbesondere, dass zwischen der Meinungsverschiedenheit und der Beleidigung ein Zeitraum von etwa 16 Stunden lag.

Zudem sei die Bezeichnung der Geschäftsführer als „soziale Arschlöcher“ ehrverletzend und nicht zu rechtfertigen.

Als besonderen Grund für die Zerstörung des Vertrauensverhältnisses sah das Landesarbeitsgericht hier den Umstand an, dass der Arbeitnehmer bis zum Kammertermin nicht einsichtig war und eine ernsthafte Entschuldigung zu keinem Zeitpunkt erfolgte.

Bei der Arbeitgeberin handelte es sich um einen kleinen Familienbetrieb, in welchem eine besondere emotionale Nähe besteht. Die persönliche Betroffenheit der Geschäftsführer war hier ebenfalls im Rahmen der Interessenabwägung zu berücksichtigen.

Die Kündigungsschutzklage des Arbeitnehmers wurde abgewiesen. Das Arbeitsverhältnis wurde durch die außerordentliche Kündigung beendet.

Sollten auch Sie Ihrem Arbeitnehmer gegenüber eine fristlose Kündigung aussprechen müssen, so sollten Sie sich möglichst rechtzeitig bei einem auf diesem Gebiet versierten Rechtsanwalt über die Voraussetzungen informieren. Hier sind wichtige Fristen zu wahren, welche beachtet werden sollten.

Sollten Sie hingegen Arbeitnehmer sein und eine außerordentliche Kündigung erhalten haben, so sollten Sie schnell handeln und einen Rechtsanwalt aufsuchen, der sich im Kündigungsschutzverfahren auskennt. Zur Einreichung der Kündigungsschutzklage bleiben Ihnen lediglich drei Wochen Zeit!

Die Hamburger Kanzlei Jöhnke & Reichow steht Ihnen bei Kündigungsstreitigkeiten gern unterstützend zur Seite und hilft Ihnen bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche und Rechte.

Rechtsanwältin Maike Ludewig


Rechtstipp vom 19.08.2017
aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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            Rechtsanwältin Maike Ludewig (Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte) Rechtsanwältin Maike Ludewig

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