Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Benötigt man bei Tierfotos auch ein „Model-Release“?

Rechtstipp vom 20.04.2018
(1)
Rechtstipp vom 20.04.2018
(1)

Wie weit geht bei Tieraufnahmen der eigentümerrechtliche Schutz? Welche rechtlichen Fallstricke sind bei Aufnahmen von Tieren im Einzelnen zu beachten?

Werden Menschen fotografiert, so gestaltet sich die Rechtslage wie folgt: Zur Verwertung der Bilder muss grundsätzlich das Einverständnis eingeholt werden. Ausnahmen betreffen hier hauptsächlich Personen des öffentlichen Lebens im Zusammenhang mit Presseveranstaltungen und ähnlichem. Die einzuholende Zustimmung nennt sich dabei „Model-Release“.

Im Fall von Häusern und sonstigen Gebäuden gelten die Grundsätze der sogenannten „Panoramafreiheit“: Demnach können Bilder ohne Genehmigung des Eigentümers beliebig geschossen und verwertet werden, wenn diese von einem öffentlichen Punkt, beispielsweise dem Gehweg, angefertigt werden. Wir berichteten in diesem Zusammenhang über rechtliche Fragen bei der Aufnahme mit Hilfe von Drohnen und Thermokameras:

Umfasst der eigentumsrechtliche Schutz auch Tiere?

Bei dieser Frage ist grundsätzlich zwischen der Art des Tieres zu unterscheiden. Wilde, freilebende Tiere haben freilich keinen Eigentümer, können demnach nach Belieben fotografiert werden.

Haus- oder Nutztiere fallen selbstredend in das Eigentum des Halters beziehungsweise Besitzers – Tiere gelten nach Gesetzeslage des BGB zwar faktisch nicht als Sachen, werden aber rechtlich wie solche behandelt. Der Besitzer einer Sache kann über diese nach freiem Willen verfügen, Einschränkungen ergeben sich hier lediglich aus den Gesetzen zum Tierschutz. Unter dieses Recht fällt auch die Befugnis, Dritte von „jeder Einwirkung“ auszuschließen – dies wirft die Frage auf, ob das Erstellen von Aufnahmen und deren Verbreitung oder Vermarktung eine solche Einwirkung darstellt.

Als Richtlinie kann hier die bereits erwähnte Panoramafreiheit herangezogen werden, Tierfotografien von öffentlicher Stelle aus sind demnach auch hier erlaubt.

Eingeschränkt werden kann die Panoramafreiheit dabei regelmäßig durch eine Hausordnung: Das Betreten von Grundstücken kann dabei verboten oder unter bestimmte Bedingungen gestellt werden. Eine solche Hausordnung kann auch die Aufnahmemöglichkeiten von Tieren einschränken, beispielsweise kann ein Zoobetreiber festlegen, dass gemachte Aufnahmen lediglich für private Zwecke weiterbenutzt werden dürfen.

Presseveranstaltungen und -berichterstattungen als Ausnahme

Dienen die Aufnahmen dem Zwecke des öffentlichen Interesses an Berichterstattung, können sich Ausnahmen auftun. Ein aufsehenerregender Fall wurde dabei vor dem OLG Naumburg verhandelt (Urteil vom 22.02.2018, Az. 2 Rv 157/17): Tierschützer waren hier in einen Schweinemasthof eingebrochen, um Bilder von den unwürdigen Zuständen dort anfertigen zu können. Grundsätzlich verstießen sie dabei gegen die Hausordnung des Hofes, weswegen auch die Aufnahmen an sich nicht verwertbar waren. Trotzdem nahmen die Richter hier einen rechtfertigenden Notstand an, da keine Möglichkeit ersichtlich war, über die Zustände zu berichten: Das zuständige Tierschutzamt hatte die Umstände trotz Kenntnis vertuscht.

Fazit: Tierfotografien in den meisten Fällen unproblematisch

Grundsätzlich umfasst der Schutz des Eigentums nur in seltensten Fällen das Verbot von Tierfotos und deren Verwertung. Bestätigt hat dies vor einiger Zeit auch das AG Köln (AG Köln, 22.06.2010, Az. 111 C 33/10), hier hatte eine Bäuerin gegen einen Fotografen geklagt, der Aufnahmen ihrer Kälber kommerziell in Werbeanzeigen genutzt hatte – nach Ansicht der Richter wurde ihr Eigentumsrecht hierdurch nicht verletzt.

Existiert auf dem Bild eine Unterschrift oder wird auf sonst eine Art eine Verbindung zwischen Mensch und Tier auf dem Foto hergestellt oder ist das Tier von sich aus schon außerordentlich markant (beispielsweise als „Markenzeichen“ einer berühmten Persönlichkeit), so können bei der Verwertung Persönlichkeitsrechte des Eigentümers verletzt werden.

In solchen Fällen sollte eine Genehmigung des Halters oder Besitzers eingeholt werden, andernfalls könnten – falls eine Beziehung zwischen Mensch und Tier offensichtlich ist – Verstöße gegen personenbezogene Daten m Sinne des § 3 Absatz 1 des Bundesdatenschutzgesetzes bzw. ab dem 25.5.2018 des Art. 4 Nr. 1 DSGVO vorliegen.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Urheberrecht & Medienrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwalt Arno Lampmann (Lampmann, Haberkamm & Rosenbaum Rechtsanwälte)

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.