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Beratung zur Altersvorsorge und ihre Probleme (Teil 3: Schadensersatzansprüche wegen Falschberatung)

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Im zweiten Teil wurden häufige Fehlerquellen bei der Beratung dargestellt. Natürlich muss auch die Beratung zur Altersvorsorge anlagen- und anlegergerecht erfolgen. Die notwendige individuelle Aufklärung und Beratung muss im Einzelfall überprüft werden und nur diese Einzelfallprüfung kann ergeben, ob Ansprüche wegen unterlassener oder fehlerhafter Aufklärung und Beratung gegeben sind.

Auch bei der Beratung zur Altersvorsorge ist oft nicht das Problem das Vorliegen von Pflichtverletzungen sondern die Beweislage, d.h. dass ob die Pflichtverletzungen notfalls auch vor Gericht bewiesen werden können.

Die dargestellten häufig vorkommenden Fehlerquellen können dem einzelnen Anleger Hinweise geben, ob eine Falschberatung naheliegt und ein Schadensersatzanspruch zumindest in Betracht kommt.

Andererseits gibt es zahlreiche Gerichtsurteile, die aber nur bedingt generell und pauschaliert betrachtet auf den Einzelfall übertragen werden können. Wenn ein Anleger z.B. spekulativ oder riskant zur Altersvorsorge anlegen will, da er bereits anderweitig genügend abgesichert ist oder vorgesorgt hat, dann kann ein spekulatives Anlageprodukt für ihn auch zur Altersvorsorge geeignet sein. Wobei sich natürlich hier die Frage stellt, ob eine spekulative Kapitalanlage generell betrachtet überhaupt als Altersvorsorge angesehen werden kann. Ausgangspunkt und maßgeblich ist jedoch das genannte Anlageziel und die Risikoneigung etc. des einzelnen Anlegers und die hierzu erfolgte individuelle Beratung.

Dies stellt aber nicht den Normalfall dar. Im Normalfall soll gerade langfristig zur Altersvorsorge Vermögen aufgebaut werden, d.h. möglichst mit 100%-igen oder nahezu Kapitalerhalt und einer gewissen, möglichst stetig ansteigenden Rendite.

Einzelne Gerichtsentscheidungen können Ihnen weitere Hinweise auf mögliche Schadensersatzansprüche erteilen. In jedem Fall ist jedoch eine Prüfung der Beratungssituation und die wichtige Beweislage notwendig, die ein versierter Rechtsanwalt vornehmen kann. Hier bietet sich natürlich an, die Angelegenheit über ein sogenanntes Pauschalhonorar prüfen zu lassen.

Erfolgt eine Anlage zur Altersvorsorge, dann muss dieses Anlageziel sich an den weiteren konkreten Vorgaben des Anlegers messen lassen. Falls weitere konkrete Vorgaben nicht erteilt wurden, dann muss das Ziel Altersvorsorge im Zusammenhang mit den sonstigen Angaben des Anlegers gesehen und eventuell ausgelegt werden. Falls der Anleger z.B. schon relativ gut für das Alter abgesichert ist -siehe hierzu weiter oben- und zur Altersvorsorge anlegen will, so ist z.B. die lapidare Empfehlung eines Immobilienfonds oder einer sonstigen unternehmerischen Beteiligung ohne weitere Angaben -insbesondere zu den Risiken- zu machen fehlerhaft.

Aufgrund der Nennung des Anlageziels Altersvorsorge werden dadurch gleichzeitig auch grundsätzliche Aussagen zum Kapitalerhalt und zur Rendite gemacht, auch wenn dies nicht konkret genug erfolgte. Wenn über die speziellen Risiken eines Produktes und zum Kapitalerhalt, zur langfristigen Rendite, zur Schwankungsbreite etc. nicht aufgeklärt und beraten wurde, so erfolgte die Beratung eindeutig fehlerhaft. In einem solchen Fall reicht es auch nicht aus, dass z.B. ein Totalverlustrisiko irgendwo in einem Prospekt erwähnt wird. Die Aufklärung und Beratung zum Risiko hat in der Beratungssituation also im Beratungsgespräch zu erfolgen.

Falls diese Ausführungen für Sie nicht ausreichend oder nicht konkret genug sein sollten, so bedenken Sie, dass von Ihrer Seite als Anleger zunächst ganz wichtig ist, dass das Anlageziel oder der Anlagewunsch nicht nur geäußert wurde sondern möglichst auch bewiesen werden kann. Eventuell hilft auch hier die oft von den Beratern vorgenommene Einteilung in eine Risikobereitschaft oder in eine Risikoklasse. Wobei hier nochmals erwähnt sei, dass Anlageziel keinesfalls mit Risikoklasse gleichzusetzten ist (häufige Fehlerquelle). Falls z.B. bei Ihnen in einer Beratungsdokumention das Wort „konservativ" benutzt wurde, so muss vom Berater auch hierzu eine Erläuterung erfolgen was darunter zu verstehen ist und Ihnen hierzu und im Zusammenhang zu Ihrem Anlageziel erklärt wurde. Hierfür ist wiederum der Berater oder die Bank beweispflichtig.

Altersvorsorge ist eine langfristige Angelegenheit und mit teils weitreichenden Folgen verbunden. Handeln Sie bei auftauchenden Zweifeln auch vorsorglich, d.h. möglichst frühzeitig und lassen Sie die erfolgte Anlageberatung einschließlich des Produktes von einem versierten Rechtsanwalt überprüfen.

Peter Ganz-Kolb

Rechtsanwalt

Rechtsanwalt Ganz-Kolb ist Inhaber der Kanzlei Ganz-Kolb

Friedrichsring 10

68161 Mannheim

Telefon 0621 1 666 822

Fax 0621 1 666 823

e-mail: info@ganz-kolb.de

Schwerpunktmäßig ist RA Ganz-Kolb auf dem Gebiet des Kapitalanlagerechts, dem Bankrecht und des Anlegerschutzes tätig. Durch fachspezifische Tätigkeiten bei Banken etc. (z.B. 7-jährige Tätigkeit bei einem großen Discount-Broker/Wertpapierbank) sind umfangreiche und praktische Produktkenntnisse und Kenntnisse der Vertriebsabläufe vorhanden. Dies beginnt bei einer atypisch stillen Beteiligung und endet bei den Zertifikaten.


Rechtstipp vom 03.11.2010
aus dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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