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Besteuerung von Abfindungen im Rahmen eines Vergleichs

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Im Rahmen von Arbeitsverhältnissen werden Abfindungen für die unterschiedlichsten Gründe gezahlt. Beispielsweise kann ein Arbeitnehmer eine Entschädigungszahlung nach einer Arbeitgeber-Kündigung oder nach der Umsetzung im Betrieb erhalten. Auch können vertragliche Ausgleichszahlungen bei Auflösung eines Arbeitsverhältnisses ausgehandelt werden oder das Arbeitsgericht setzt eine Abfindung bei gerichtlicher Auflösung des Arbeitsverhältnisses fest. Diese Beispiele sind nicht abschließend.

Interessant für den Arbeitnehmer ist nicht die ausgehandelte Höhe der Abfindung, sondern die Zahlung, die er nach Abzug der Steuer und ggf. Sozialversicherungsbeiträgen tatsächlich auf sein Girokonto überwiesen bekommt.

Eine Abfindungszahlung als Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes unterliegt regelmäßig einer Steuerbegünstigung. Hierbei wird die Abfindung zwar vollständig versteuert. Jedoch wird nicht der sonst übliche Steuersatz verwendet, sondern gem. § 34 Abs. 1 EStG iVm § 24 EStG nach der sog. „Fünftelregelung“ die Abfindungszahlung versteuert.

In diesem Fall soll die „Fünftelregelung“ den Progressionseffekt mildern. Dabei wird ein Fünftel der Abfindungszahlung dem verbleibenden zu versteuernden Einkommen ohne Abfindungszahlung hinzugerechnet. Die Einkommensteuer, die auf jenes Fünftel der Abfindungszahlung entfällt, wird sodann mit fünf multipliziert. Dieser verfünffachte Steuerbetrag wird der Steuer, welche sich für das zu versteuernde Einkommen ohne Abfindungszahlung ermittelt, hinzuaddiert. Der sich daraus ergebende Gesamtsteuerbetrag ist regelmäßig geringer als der Betrag, der sich ohne Anwendung der „Fünftelregelung“ ergeben würde (mithin bei Hinzurechnung der gesamten Abfindung auf das zu versteuernde Einkommen), sofern sich das zu versteuernde Einkommen im unteren Einkommensbereich bewegt (in der sog. Progressionszone). Im Bereich des Spitzensteuersatzes (derzeit 45 %), aber auch schon bei einem Grenzsteuersatz von derzeit 42 % bei einem zu versteuernden Einkommen von ca. 54.000 Euro (Proportionalzone) ist jedoch keine steuergünstigere Auswirkung zu verzeichnen. Denn hier wird 1/5 der außerordentlichen Einkünfte (Abfindungszahlung) ebenfalls mit dem dann anzuwendenden proportionalen Grenzsteuersatz besteuert.

Ob die Abfindungszahlung auch den Sozialversicherungsbeiträgen wie Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, und Pflegeversicherung unterliegt, hängt davon ab, ob die Abfindung wegen einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu zahlen ist. Dann ist die Abfindung aufgrund des Wegfalls von künftigen Verdienstmöglichkeiten durch den Verlust dieses Arbeitsplatzes sozialversicherungsfrei. Dagegen sind Abfindungen sozialversicherungspflichtig, wenn im Rahmen einer Änderungskündigung das Arbeitsverhältnis fortgesetzt wird oder im Wege einer einvernehmlichen Vereinbarung die Abfindung als Gegenleistung für die Verschlechterung des Arbeitsplatzes gezahlt wurde.

Gern beraten wir Sie in diesen Angelegenheiten.

Enrico Haber

Rechtsanwalt 

von der Kanzlei

Haber Müller Gieseke

Rechtsanwälte & Steuerberater


Rechtstipp vom 26.01.2016
aus den Rechtsgebieten Arbeitsrecht, Steuerrecht

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