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Betrugsverdacht bei Vermögensverwalter Picam

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Anleger, die bei den Vermögensverwaltern des Picam-Firmenverbundes (mit Piccor, Piccox, Varian) Geld angelegt haben, stehen offenbar vor gravierenden Kapitalverlusten. Bei dem Anlageskandal – es besteht der Verdacht auf ein Schneeballsystem – sollen etwa 300 Mio. Euro von 2.000 bis 3.000 Anlegern betroffen sein. 

Razzien in Berlin, München und an anderen Standorten – die Picam-Unternehmensgruppe sorgte Anfang Februar 2018 für unrühmliche Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft äußerte den Verdacht auf ein Schneeballsystem und schätzte den möglichen Schaden für die Anleger laut Medienberichten vorläufig auf 87,6 Mio. Euro. Anleger müssen noch aus einem anderen Grund zittern: Sollten Insolvenzverfahren eingeleitet werden, könnten die Insolvenzverwalter bereits ausgezahlte Gelder von den Anlegern zurückfordern.

Zu den Beschuldigten zählen laut Medienberichten unter anderen Picam-Vertriebschef Thomas Entzeroth in Berlin sowie der Verwaltungsrat bei der Piccor AG in Baar (Schweiz), Peter Züllig; des Weiteren u. a. ein Bankmanager aus Leipzig und ein Wirtschaftsprüfer aus. Es besteht der Verdacht, dass das Kapital der Anleger nicht wie versprochen verwendet wurde – es zirkulierte zwischen verschiedenen Fonds und Unternehmen. Die Ermittlungen sollen dies transparent machen – auch, ob Gelder dabei veruntreut wurden.

Renditen bis zu 20 % versprochen

Die Picam-/Piccor-Unternehmensgruppe hatten den Anlegern eine Vermögensverwaltung angeboten und mit Renditen von jährlich bis zu 20 Prozent durch den Handel mit Finanzterminkontrakten, z. B. mit Dax-Futures, geworben. Vor gut einem Jahr allerdings wurde Piccor (Sitz in der Schweiz) von der Finanzaufsicht auf die Warnliste gesetzt. In der Folge haben die Vermögensverwalter angeblich versucht, das Kapital von den Piccor-Konten in eine neu emittierte Inhaberschuldverschreibung zu investieren, die von einer Firma namens Piccox begeben wurde. In diesem Zusammenhang sollen Anlegern falsche Informationen gegeben worden zu sein, um diese Kapitalumschichtung zu „forcieren“.

Vor diesem Hintergrund spielte eine Varian Defensive Capital GmbH ebenfalls eine Rolle, sie fungierte als Haftungsdach für Berater und Vermittler, die in der ganzen Affäre tätig waren. Varian räumte berichten zufolge selbst „Verstöße gegen den kommunizierten, aufsichtsrechtlich geforderten Prozess“ ein.

Picam, Piccor, Piccox und Varian Defensice Capital, daneben noch die Fondsgesellschaft Von der Heydt Invest in Luxemburg: Die Verbindungen und Kapitalverwendungen bzw. die Umleitung und möglicherweise Veruntreuung von Anlegergeldern sind noch nicht transparent und müssen noch aufgeklärt werden. Möglicherweise, so heißt es, sind mindestens 72 Mio. Euro in Von der Heydt-Fonds geleitet und danach mit Hilfe von Verbriefungsplattformen an verschiedene Unternehmen (in Form von Darlehen) weitergegeben worden.

Der Gesamtschaden für die Anleger ist derzeit noch nicht genau zu beziffern, dürfte aber angesichts der insgesamt im Raum stehenden Kapitalsumme von 300 Mio. Euro beträchtlich sein. Um Schadensersatzansprüche prüfen zu lassen und geltend zu machen, sollten sich betroffene Anleger fachanwaltlich beraten lassen. 


Rechtstipp vom 06.03.2018
aus der Themenwelt Finanzen und Versicherung und dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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