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Bewährungszeit und Widerruf der Bewährung

Rechtstipp vom 12.03.2013
Aktualisiert am 20.06.2017
Rechtstipp vom 12.03.2013
Aktualisiert am 20.06.2017

Dieser Artikel gibt einen kurzen Überblick über die Problematik der Bewährung und des Bewährungswiderrufs.

1. Anordnung der Bewährung

Wenn das Gericht zu dem Ergebnis kommt, dass gegen Sie eine Freiheitsstrafe zu verhängen ist, diese aber aufgrund Ihrer Person und Ihrer Lebensumstände noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann, beginnt mit Rechtskraft des Urteils Ihre Bewährungszeit. Es können jedoch nur Freiheitsstrafen von unter zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass die Vollstreckung der Freiheitsstrafe von unter zwei Jahren zwingend zur Bewährung ausgesetzt wird. Dem ist nicht so! Vielmehr entscheidet das Gericht in jedem einzelnen Fall, ob die Strafvollstreckung zur Bewährung ausgesetzt werden kann oder eben nicht.

Wenn das Gericht in Ihrem Fall entschieden hat, dass bei Ihnen die Vollstreckung der Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird, erhalten Sie nicht nur das Urteil, in dem die Strafe festgesetzt wird, sondern auch noch einen Beschluss.

In diesem Beschluss werden die Dauer Ihrer Bewährungszeit sowie bestimmte Auflagen festgelegt. Eine solche Auflage ist in nahezu allen Fällen die Verpflichtung jeden Wohnortswechsel bei Gericht zu melden. Ansonsten kann das Gericht anordnen, dass Sie während der Bewährungszeit in bestimmten Abständen bei einem Bewährungshelfer zu melden haben. Während der Bewährungszeit kann das Gericht die angeordneten Auflagen und Weisungen auch noch ändern oder aufheben.

Die Dauer der Bewährungszeit kann auf zwei bis zu fünf Jahren festgelegt werden.

2. Widerruf der Bewährung

Sollten Sie in dieser Zeit gegen die Auflagen oder Weisungen verstoßen oder erneut eine Straftat begehen, kann Ihre Bewährung widerrufen werden mit der Folge, dass Sie die Freiheitsstrafe nunmehr in einer Justizvollzugsanstalt verbüßen müssen. Dies ergibt sich aus § 56 f StGB.

Die erneute Straffälligkeit während der andauernden Bewährung ist mit Abstand der häufigste Widerrufsgrund. Wenn gegen Sie während der laufenden Bewährungszeit Anklage in einer neuen Sache erhoben wird, liegt ein Fall der notwendigen Verteidigung vor. Mit Zustellung dieser Anklageschrift durch das Gericht werden Sie aufgefordert innerhalb einer bestimmten Frist Ihren Verteidiger zu benennen, ansonsten ordnet das Gericht Ihnen einen Pflichtverteidiger bei. Nehmen Sie ein neues Verfahren niemals auf die leichte Schulter, denn der Ausgang dieses Verfahrens beeinflusst ganz erheblich die Entscheidung über den möglichen Widerruf Ihrer Bewährung. Ein versierter Verteidiger wird Sie insbesondere im Hinblick auf die anstehende Widerrufssache beraten!

Die Bewährung kann aber muss nicht zwingend widerrufen werden. Dies gilt auch wenn Sie erneut straffällig geworden sind oder gegen eine Auflage oder Weisung verstoßen haben. Das zuständige Gericht prüft in jedem Fall, ob nicht auch andere Maßnahmen wie beispielsweise die Verlängerung der Bewährungszeit ausreichen.

3. Ablauf des Verfahrens

Bevor das Gericht über den Widerruf Ihrer Bewährung entscheidet, werden Sie mündlich angehört. Lassen Sie sich dabei in jedem Fall von einem Strafverteidiger unterstützen. Dieser wird gegebenenfalls vorab eine Stellungnahme an das Gericht übersenden und mit Ihnen die Anhörung vorbereiten.

Nach Ihrer Anhörung entscheidet dann das Gericht im Wege eines Beschlusses über den Widerruf der Bewährung. Sollte Ihre Bewährung tatsächlich widerrufen werden, so können Sie gegen diesen Beschluss sofortige Beschwerde einlegen. Achtung: dieses Rechtsmittel muss innerhalb einer Woche nach Bekanntmachung des Beschlusses eingelegt werden! Versäumen Sie diese Frist nicht.

Wenn die sofortige Beschwerde rechtzeitig eingelegt wurde, überprüft das nächsthöhere Gericht, ob die Aussetzung der Straffvollstreckung zur Bewährung in Ihrem Fall tatsächlich widerrufen werden muss.

Kristin Raddi

Fachanwältin für Strafrecht

Schumacher & Partner PartG mbB


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