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Bewertung einer Arztpraxis bei Scheidung

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In einer aktuellen Entscheidung setzte sich der Bundesgerichtshof (BGH) mit der Frage auseinander, ob und inwieweit der Wert einer Zahnarztpraxis im Zugewinnausgleich bei einer Scheidung zu berücksichtigen ist.

Der BGH bekräftigte, dass eine Arztpraxis nicht nur mit ihrem materiellen Substanzwert (Einrichtung, Arbeitsmittel, Geldguthaben, Forderungen) in die Zugewinnbilanz einzustellen ist, sondern auch mit ihrem immateriellen Goodwill (Geschäftswert), also dem Wert, den ein potentieller Erwerber über den Substanzwert hinaus zu zahlen bereit wäre, weil er auf die Werbewirksamkeit des Goodwill auch nach Übertragung der Praxis auf ihn vertraut.

Der Goodwill hängt von verschiedenen Faktoren ab, u. a. dem Standort und der Lage der Praxis, dem Patientenstamm, der Konkurrenzsituation u. a.

Einfluss auf den Goodwill kann ebenso der Aufwand haben, den ein Praxisinhaber betreibt, um einen bestimmten Ertrag zu erzielen. Eine Praxis, die mit geringerem Aufwand den gleichen Ertrag erzielt, wie eine Praxis, in der man deutlich mehr Zeit etc. investieren muss, ist für einen Erwerber attraktiver und lässt unter Umständen den Goodwill steigen.

Der BGH billigt die zur Bewertung herangezogene modifizierte Ertragswertmethode. Grob gesehen geht man dabei von dem Ertrag im Durchschnitt von ca. 3 Jahren aus abzüglich eines angemessenen Unternehmerlohns. Der so verbleibende Betrag wird mit einem Rentenbarwertfaktor multipliziert, dessen Höhe von verschiedenen individuellen Faktoren abhängt. Abgezogen werden sodann latente Ertragsteuern (BGH Urteil vom 9. Februar 2011, XII ZR 40/09).

Die Bewertung eines Unternehmens ist in der Regel für einen Laien kompliziert. Deshalb bedienen sich auch Gerichte hierfür gern Sachverständiger, die dazu ein Gutachten erstellen.


Rechtstipp vom 06.05.2011

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