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Bewertungen von Prüfungsleistungen und die Kontrolle der Bewertungen

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Wer sich intensiv auf eine Prüfung vorbereitete, die Prüfung absolvierte, mit deren Bewertung aber nicht einverstanden ist, sei es, dass die Note schlechter als erwartet ausfiel oder die Prüfung sogar als nicht bestanden bewertet wurde, sollte als erstes sich im Rahmen einer Einsicht die Bewertung genau ansehen. 

Kann die Bewertung dann immer noch nicht nachvollzogen werden, kann man gegen die Bewertung mittels Widerspruch vorgehen. Nun kann man leider nicht pauschal sagen, wie gut die Chancen eines Widerspruchs bzw. einer Klage sind, da muss man sich die einzelne Prüfung genau ansehen. 

Wichtig ist zu wissen, dass der Umfang einer gerichtlichen Kontrolle der Bewertungen von Prüfungen abhängig davon ist, ob der sog. Beurteilungsspielraum von Prüfern betroffen ist; dann ist die Kontrolle des Verwaltungsgerichtes darauf beschränkt, ob die Grenzen des prüfungsrechtlichen Beurteilungsspielraumes eingehalten wurden. Unbeschränkt ist die verwaltungsgerichtliche Kontrolle demgegenüber dann, wenn sich die Wertung auf die Beantwortung fachlicher Fragen bezieht. Hier ist der Maßstab die fachliche Vertretbarkeit der Ausführungen in der Prüfung. 

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dies einmal mehr in seiner Entscheidung vom 05.03.2018 (6 B 71/17). U. a. führte das BVerwG folgendes aus: „Solche prüfungsspezifischen Wertungen seien die Bestimmung des Schwierigkeitsgrades der Aufgabe sowie die Bewertung der Überzeugungskraft der Argumente, des Aufbaus der Darstellung und der Folgerichtigkeit des Begründungsgangs. Prüfungsspezifisch seien auch die Gewichtungen der einzelnen fachlichen und prüfungsspezifischen Wertungen; d. h. die Bestimmung ihrer Bedeutung für die Notenvergabe. Hierfür müsse sich der Prüfer darüber klar werden, welche durchschnittlichen Anforderungen er an eine Prüfungsleistung stelle.“ Darüber hinaus stellte das BVerwG klar, dass es sich bei der Frage, ob ein Teilnehmer einer juristischen Prüfung alle materiell-rechtlichen Anspruchsgrundlagen bzw. Rechtsfragen behandelte oder entsprechend der Auffassung der Prüfer nicht, um eine prüfungsspezifische Wertung handelt – mit der Folge, dass die insoweit nachteilige Bewertung nicht zu beanstanden wäre.


Rechtstipp vom 21.08.2018
aus der Themenwelt Prüfungen und den Rechtsgebieten Öffentliches Recht, Verwaltungsrecht

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