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BGH verbietet überhöhte Ticketpreise und Premiumversandkosten von Eventim

Werden Tickets automatisiert online verschickt, damit der Käufer sie sich ausdrucken kann, dürfen keine zusätzlichen Kosten veranschlagt werden. Auch Kosten für den Postversand oder Servicegebühren müssen laut BGH für den Verbraucher nachvollziehbar sein. Verwender von Allgemeinen Geschäftsbedingungen haben insoweit keinen Spielraum: Eine AGB über benachteiligende Gebührenpflicht ist unwirksam. Der nachfolgende Beitrag berät Betroffene bezüglich der Möglichkeit einer Rückerstattung der unwirksamen Gebühr.

Auf seiner Onlineplattform verkauft Eventim Eintrittskarten für Konzerte, Sportereignisse und andere Veranstaltungen. Teilweise ist das Unternehmen selbst Organisator der Veranstaltungen, teilweise vermittelt es die Tickets für andere Veranstalter oder verkauft sie als Kommissionär. Die Käufer werden auf der Webseite zunächst allgemein darauf hingewiesen, dass „bei der Internet-Bestellung Service- und Versandkosten erhoben werden, die je nach Veranstaltung variieren können“.

Weiter heißt es an anderer Stelle noch, dass der Ticketpreis die „MwSt, die Vorverkaufsgebühr und eine Buchungsgebühr von max. 2 €“ beinhalte.

Liegen die bestellten Tickets im Einkaufswagen, wählt der Käufer die Versandart aus, zu der jeweils die Kosten ausgewiesen sind:

  • Für den sog. Premiumversand werden 29,90 EUR berechnet,
  • für die sog. print@home-Option 2,50 EUR Servicegebühr.

In Rechnung gestellte Kosten müssen tatsächlich entstehen

Eventim bietet einen „Premiumversand“ an, der bei einer Bestellung von vier Tickets 29,90 Euro kostet. Fans konnten im Rahmen des Vorverkaufs für die AC/DC-Welttournee 2015 ausschließlich den teuren Premiumversand wählen. Tatsächlich wurden die Tickets für 0,60 € von Eventim versandt. Wofür Eventim die 29,90 EUR beim Premiumversand und 2,50 EUR bei der „ticketdirect“-Option (Ausdruck der Tickets zu Hause) einkassieren wollte, blieb auch im Verlauf des Rechtsstreits unklar.

  • Den Betrag, der über die wesentlich niedrigeren Portokosten beim Postversand hinaus ging, konnte das Unternehmen nicht erklären. Diese Klausel wurde daher wegen Intransparenz als unwirksam eingestuft.
  • Der Versand der Tickets gehöre zur Vermittlungstätigkeit von CTS Eventim dazu, zumal in dem Ticketgrundpreis laut der Bedingungen bereits eine Vorverkaufs- und Buchungsgebühr von max. 2 EUR enthalten ist.

Der Versand als pdf-Dokument erfolgte automatisiert und damit ohne zusätzlichen Aufwand, sodass ein solcher auch nicht berechnet werden dürfe. Als Resultat dieser BGH-Entscheidung können sich nun alte Eventim-Kunden zu viel gezahlte Versand- und Bearbeitungskosten zurückholen.

Betroffene können unwirksame Gebühren zurückverlangen

Durch die Unwirksamkeit der Gebühr für das Ausdrucken des Tickets am PC sowie für den Premiumversand können Betroffene die ohne Rechtsgrund von Eventim vereinnahmten Gebühren in Höhe von 2,50 € pro Ticket bzw. in Höhe von 29.90 € zurückverlangen.

Die Verjährungsfrist für die Rückforderungsansprüche beträgt 3 Jahre. Dies bedeutet, dass Betroffene noch bis zum 31.12.2018 Gebühren, die im Jahr 2015 verlangt wurden, zurückfordern kann. Darunter fallen auch die Gebühren im Rahmen der AC/DC-Welttournee im Jahr 2015, bei denen die Bestellung ausschließlich im Premiumversand möglich war.

Für Gebühren, die nach dem Urteil des BGH am 23.08.2018 erhoben wurden, beginnt die Verjährung erst mit Ablauf dieses Jahres und endet zum Ablauf des 31.12.2021.

Auch andere Anbieter betroffen

Das Urteil gilt auch für andere Anbieter, die Kunden beim Ausdrucken von Tickets eine Gebühr in Rechnung gestellt haben oder für die Versandkosten überhöhte Gebühren erhoben haben.

(BGH, Urteil v. 23.08.2018, III ZR 192/17, haufe online news).

Rechtsanwalt Markus Mehlig ist bundesweit im Zivilrecht tätig. Gerne steht er Ihnen in einem kostenlosen Erstgespräch zu den Möglichkeiten der Rückforderung der von Eventim und anderen Anbietern zu Unrecht erhobenen Gebühren zur Verfügung.


Rechtstipp vom 06.09.2018
aus der Themenwelt Unwirksame AGB und dem Rechtsgebiet Allgemeines Vertragsrecht

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