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Binäre Optionen – schwarze Schafe unter ehrlichen Brokern?

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Seit einiger Zeit werden sog. binäre Optionen offenbar immer häufiger interessant für Trader oder Anleger.

Dabei handelt es sich letztlich um eine Wette auf die Entwicklung eines Wertes, also darauf, ob der Kurs/Preis zu einem festgelegten Zeitpunkt höher oder niedriger sein wird, als zum Abschlusszeitpunkt.

Immer häufiger fallen in diesem Zusammenhang Anbieter auf, die bspw. die ohnehin bereits riskante Wette und die Bedingungen für Konten mit nach hiesiger Auffassung fragwürdigen Mitteln „anpassen“, in einigen Fällen drängt sich gar der Verdacht des Betruges auf.

So tauchen auffällig oft äußerst positive Berichte zur angeblichen Seriosität gewisser Anbieter auf, teils von scheinbaren Betrugs-Testseiten, teils wird auch von angeblichen Privatpersonen berichtet, die angebliche Erfahrungen mitteilen.

Angesichts der überraschend übereinstimmenden, zumindest sehr ähnlichen Formulierungen offenbar eine Werbekampagne der Anbieter.

Gleiches scheint für die „Erfahrungsberichte“ zu gelten, für welche offenbar nicht selten sog. Stockfotos verwendet werden, also Agenturfotos, welche nicht den angeblichen Nutzer darstellen.

Auch zeigen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen Regelungen bspw. zu Bonus und Auszahlung, Mindesteinzahlung und Kündigung, welche als zumindest überraschend einzuschätzen sein dürften, wenn nicht gar als betrügerisch.

Hinzu kommen Berichte von Anlegern, welche über Screenshots verglichen haben, wie sich bestimmte Kurse entwickeln, wenn sie dort gewettet haben, oder aber nicht. Und die Kurse sollen sich unterschiedlich entwickelt haben … nach diesen Berichten ist nicht auszuschließen, dass die Kurse manipuliert werden.

Ebenso gibt es Hinweise darauf, dass auch die Zeitfenster für die Wetten manipuliert worden sein sollen, um Gewinne der Kunden zu verhindern.

Aber auch die Auszahlungsmodalitäten sind – gelinde gesagt – schwer nachvollziehbar und Anleger berichten von Hinhaltetaktiken, Aufforderungen zu weiteren Einzahlungen, penetranten Verkaufs-Telefonaten etc.

Geworben wird u. a. auch mit „Registrierungen“, die eine Regulierung und Kontrolle suggerieren.

Die BD Swiss Holding PLC. (mit keinerlei hier bekanntem Bezug zur Schweiz, sondern einem Sitz auf Zypern, die Abkürzung stellt wohl den früheren Namen dar „Bance de Swiss“) bspw. wirbt mit einer solchen Registrierung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) unter Verwendung des BaFin-Logos.

Diese allerdings warnt auf ihrer Seite:

„Die Veröffentlichung von Unternehmen aus dem EWR-Ausland, die nach § 53b KWG grenzüberschreitend nach Deutschland tätig werden, ist bis auf weiteres ausgesetzt. Die BaFin erreichen vermehrt Beschwerden von privaten Anlegern, die davon ausgingen, diese Unternehmen würden von der BaFin in vergleichbarem Maße wie inländische Institute beaufsichtigt und im Vertrauen darauf eine Geschäftsbeziehung eingingen. Dieser Eindruck entstand, da die Registrierung bei der BaFin werbend – teilweise unter Verwendung des BaFin-Logos – eingesetzt wurde, um den Eindruck vermeintlicher Seriosität zu erwecken. Aus Gründen des Verbraucherschutzes erscheinen grenzüberschreitend tätige Unternehmen daher bis zur Abstellung dieses Missstands nicht in der Unternehmensdatenbank, um den werbenden Einsatz der Registrierung zu unterbinden bzw. zu erschweren.“

Jene BD Swiss ist auch in weiterer Hinsicht auffällig:

So hat sie ausweislich der Veröffentlichungen der „Cyprus Securities and Exchange Commission“ (CySEC) bereits 2016 eine Strafzahlung („fine“) i. H. v. $ 5.000,- auferlegt erhalten, 2017 einigte man sich wohl auf eine Strafzahlung („Settlement“) i. H. v. $ 15.000,-.

Zudem ist ihr (zumindest zeitweiser) Director of Board – Herr Jan Malkus – kein unbekannter in der Finanzwelt, zu nennen wäre bspw. die Wirren um die Amitelo AG. Aber auch MaxxTV, Alf Group Holding, MIV Therapeutics, Clenergen, Vastani, Unternehmen, mit denen zumindest einzelne Internetstimmen Hr. Malkus bzw. die Ventura Investments AG in Verbindung sehen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang betreffend Amitelo folgende Klarstellung: Die BaFin hat im Jahr 2007 Verantwortliche der Amitelo AG angezeigt.

Datum: 04.04.2011

In einer auf openPR veröffentlichten Pressemitteilung der Amitelo AG vom 28. März 2011 wird der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Amitelo AG, Khaled Akid, wie folgt zitiert: „Die BaFin hatte an Amitelo im Ergebnis nichts zu bemängeln. Die pauschalen Vorwürfe des ZDF gegen mich haben sich nicht bewahrheitet.“

Hierzu stellt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) klar: Die BaFin hat im Jahr 2007 Verantwortliche der Amitelo AG wegen des Verdachts von Verstößen gegen kapitalmarktrechtliche Vorschriften bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Insoweit ist es unzutreffend, dass die BaFin an der Amitelo AG nichts zu bemängeln hatte.

Doch es tun sich auch weitere Verbindungen auf:

So findet sich sein Name auch im Zusammenhang mit dem Gold-Projekt rund um die Canada Gold Trust-Fonds, an welchem er sich über die Ventura Investments AG vor Ort beteiligte, daneben: Jörg Schmolinski alias Jörg Moser.

Dieser wiederum ist mit Herrn Malte André Hartwieg in Verbindung zu bringen (s. auch weitere Rechtstipps der Kanzlei für Wirtschaftsrecht Bank- und Kapitalmarktrecht Rainer Lenzen, bspw. https://www.anwalt.de/rechtstipps/astoria-organic-matters-und-dima-insolvenzverfahren-nach-turbulentem-unternehmenskarussell_106707.html oder https://www.anwalt.de/rechtstipps/canada-gold-trust-ausschuettungen-muessen-nicht-zurueck-gezahlt-werden-schadensersatz-gegen-xolaris_106342.html).

Nach hiesiger Einschätzung ist es äußerst faszinierend, wie eng der „graue Kapitalmarkt“ – teils auch als schwarzer zu bezeichnen – und dessen Beteiligte vernetzt sind.


Rechtstipp vom 23.08.2017
Aktualisiert am 05.09.2017

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            Rechtsanwalt Rainer Lenzen (Kanzlei für Wirtschaftsrecht Bank- und Kapitalmarktrecht) Rechtsanwalt Rainer Lenzen

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