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Bissiger Hund mal anders

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Bissiger Hund mal anders
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Hunde, die bellen, beißen nicht. Hunde, die beißen, bellen nicht. Und Hunde, die Gebisse klauen, was machen die? Sie beschäftigen vor allem die Justiz. Nicht weil diebische Hunde hinter Gitter müssen. Das müssen einige schon so, unschuldig und ohne Urteil. Andere Möglichkeit: Sie wollten mit dem Menschengebiss im Maul mal so richtig zubeißen. Schließlich ist bekannt: Ein Menschenbiss ist gefährlicher als ein Hundebiss. Wohl eher nicht. Nicht einmal ein Dackel käme auf diese Idee. Die Antwort fällt leichter, wenn das Gebiss ein Knochen wäre.

Gebissbesitzer musste Unglück mitansehen

Folgender Fall spielte sich dazu ab. Augenzeugenbericht des ehemaligen Gebissbesitzers gegenüber der Versicherung: „Als ich wiederkam, musste ich mit Entsetzen feststellen, dass der Hund Apollo am Nachttisch war und meine Reinigungsbüchse für meinen Zahnersatz herunterriss und meinen Zahnersatz aus dem Haus trug und im Garten irgendwo vergrub." Für die Haftpflicht des hundebesitzenden Bruders jedoch kein Grund zu zahlen. Geld gebe es nur bei Zerstörung, nicht bei Entwendung. Das Gebiss sei noch da, nur nicht auffindbar. Dahintersteckende Versicherungslogik: beim Auftauchen einfach wieder einsetzen. Für einen Hund mit falschen Zähnen gibt es keine Versicherungsleistung.

Zerstört sein müssen ist kein Muss

Das Landgericht (LG) Hannover sah das anders - obwohl das Gebiss nach anderthalb Jahre immer noch nicht wieder aufgetaucht war - und entschied: Zerstört sein heißt nicht, zerstört sein müssen. Zerstört sein können reicht. Das lässt sich so zusammenfassen: Und blieb das Gebiss nach Hundebiss selbst ohne Riss, lassen anderthalb Jahre Garten sein Aus mit Sicherheit erwarten. Fazit des Urteils war also: Was nach so langer Zeit nicht wieder auftaucht, gilt als zerstört oder zumindest beschädigt. Das gilt jedenfalls, wenn das Gebiss im Garten und nicht im Haus vermutet wird. Die Versicherung musste somit die dritten Zähne ersetzen. Das Motiv des Vierbeiners blieb dagegen im Dunkeln. Passenderweise hieß der aber Apollo. Denn eine Namensdeutung des griechischen Gotts lautet: Zerstörer, Vernichter - sein göttlicher Beiname lautet Rattenverschlinger. Richtigerweise hätte der beim Hund Apollo wohl eher Gebissverschlinger heißen müssen.

(LG Hannover, Urteil v. 22.03.2005, Az.: 18 S 86/04)

(GUE)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 12.06.2013
aus der Themenwelt Umwelt, Tiere und Pflanzen und dem Rechtsgebiet Recht rund ums Tier

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