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Business-Wegweiser für Nigeria – Teil 1: Was ist Nigeria?

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Nachdem die African Union – ein Verbund aus 55(!) afrikanischen Staaten – immer größere Fortschritte macht, werden viele Länder Afrikas auch für europäische Investoren noch attraktiver. Aus den Erfahrungen unserer Kanzlei mit Wirtschaftsbeziehungen nach Afrika habe ich diesen dreiteiligen Artikel als Business-Wegweiser für Nigeria zusammengestellt. 

Wir verfügen über qualifizierte Kontakte in Politik und Wirtschaft in Nigeria und können Sie bei Ihrem Geschäftsvorhaben unterstützen. Profitieren Sie von unseren Erfahrungen und kontaktieren Sie uns per E-Mail.

„Though tribe and tongue may differ,
In brotherhood we stand,
Nigerians all, are proud to serve
our sovereign motherland.”

(aus Nigeria, We Hail Thee, der Nationalhymne Nigerias)

„Den Nigerianer“ gibt es nicht. Die Grenzen des heutigen Nigeria sind lediglich das Ergebnis einer künstlichen Grenzziehung der Kolonialmächte. Diese Grenzen haben weder auf naturräumliche noch sprachliche oder kulturelle Gegebenheiten Rücksicht genommen. 

Zur Geschichte Nigerias gehört daher die Geschichte mehrerer Staaten und Völker, die vor der Kolonialisierung auf dem Gebiet Nigerias unabhängig voneinander existierten. Der Norden ist muslimisch geprägt, die Mitte und der Süden eher christlich.

Obwohl ein grundsätzlich friedliches Nebeneinander beider Religionen besteht, ist der Biafra-Krieg noch vielen in Erinnerung. Sensibel ist auch die Frage, welches Volk den Präsidenten stellt. Seit ca. 2009 wird insbesondere der Norden von Kriminellen geplagt, die unter dem Deckmantel des Islam die Bevölkerung terrorisieren. Nigeria ist der bevölkerungsreichste Staat in Afrika (ca. 180 Mio.). 

Die meisten Nigerianer identifizieren sich eher über ihre ethnische Herkunft als über Ihre Staatsangehörigkeit. Zur Vereinfachung wählen wir dennoch den Oberbegriff „Nigerianer“.

1. Tribe

Europäer reden über das Wetter. Nigerianer reden über Volkszugehörigkeit. Peter Enahoro, Autor des Klassikers „How to be a Nigerian“ schreibt über die Nigerianer und Ihren Hang zum Thema Volkszugehörigkeit: Doctors (in Nigeria) cannot cure you of fresh colds unless they know what tribe you belong.“ 

Es ist also von Belang, woher Sie kommen. Dies gilt übrigens auch für die Nachbarländer, die auf dieselbe Art und Weise zu ihren Grenzen gekommen sind. Ich erinnere mich gut, als ich das erstmal in 1994 in Kamerun gefragt wurde, „German – yes, but what is your tribe?” Ich bin vom Volk der Niedersachsen. Es klang schon etwas komisch – aber mein Gesprächspartner war zufrieden.

Im Geschäftsleben treffen Sie vorwiegend auf die großen der ca. 400 geschätzten Ethnien, die Volksgruppen Igbos, Hausa, Yoruba. Diese sind von Ihrer Kultur, Religion usw. so unterschiedlich wie z. B. Deutsche, Portugiesen und Italiener. Reden wir also über „Nigerianer“ kommt das in etwa der Bezeichnung „Europäer“ gleich. 

Darum gilt: Beabsichtigen Sie, eine Geschäftsbeziehung einzugehen, versuchen Sie zunächst, über den Namen Ihres Gegenübers festzustellen, ob dieser Igbo, Hausa oder Yoruba ist (oder ein anderes Volk) – Google hilft. Dann machen Sie sich speziell mit den jeweiligen Besonderheiten dieses Volkes vertraut.

2. Die Kommunikation

In Nigeria läuft alles über die Sprache. Ein Beispiel: Jemand hat ein Problem und sucht deshalb seinen Freund zur Hilfe auf. Der Freund fragt: „wie geht es Dir?“ Die Antwortet lautet „gut!“ Auch auf die dritte, vierte und fünfte Fragen nach dem Wohlergehen lautet die Antwort „gut.“ 

Erst dann darf der Freund erwarten, dass man ihm das Problem erläutert. Insbesondere die Sprache Igbo besteht aus unzähligen Sprichwörtern und Methapern. Man fällt also nie mit der Tür ins Haus. Das wäre unhöflich, anders als in Deutschland, wo es geschätzt wird, wenn man „gerade heraus“ – und damit zeitsparend – auf den Punkt kommt.

Nigerianer mögen „Business”. Stellt sich Ihnen jemand vor und erklärt, dass er „Business” macht, fragen Sie nicht gleich danach, womit er denn genau sein Geld verdient. Nigerianer vermeiden eher direkte Fragen und kommen – für deutsche Verhältnisse – „über Umwege“ zum Ziel.

Überspitzt kann man sagen, die Sprachen Nigerias bestehen aus ausgesuchter Höflichkeit, ausgesuchten Sprichwörtern, Zwischenbemerkungen, Unterbrechungen für Gebete und Wiederholungen. Gute Redner genießen großen Respekt in Nigeria.

Geschätzt wird auch die Schlagfertigkeit. Auf einem meiner Flüge nach Lagos wurde der Flug infolge Sandsturms umgeleitet. Sofort gab es intensive Diskussionen unter den nigerianischen Passagieren.

Ein selbsterkorener Experte hatte auf jede Frage eine Antwort. Von einem Landsmann gefragt, woher er denn sein profundes Wissen beziehe, antwortete dieser „I was a flight attendent 25 years ago!” Die Zurechtweisung vom Landsmann kam prompt „Then you are not current anymore!”

3. Nigeria ist anders

„Nigerianer“ sind speziell. Wenn Sie schon Erfahrungen mit Geschäftsleuten aus anderen afrikanischen Staaten gemacht haben, bedeuten diese Erfahrungen in der Regel noch nichts für Ihre Geschäfte mit Nigeria.

Menschen aus den Nachbarländern sagen gerne folgendes über Nigeria: „Everything is stronger in Nigeria. It’s louder, it’s more colorful. Even their detergent is stronger.” Für einen Geschäftsmann aus dem Westen bedeutet dies in der Regel jedoch nur: mehr Stress. Seien Sie darauf gefasst und bereiten sich gut vor!

4. Politik

Nigerias politische Geschichte ist eine der turbulentesten in Afrika. Seit Beginn der Unabhängigkeit 1960 waren die kulturellen und politischen Rivalitäten zwischen den führenden Volksgruppen – Hausa, Yoruba und Igbo – die wichtigste Ursache für die politischen Querelen.

Ab 1999 wurde von den regierenden Parteien der Beschluss gefasst, dass die Präsidentschaftskandidaten abwechselnd aus dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden stammen sollten, um ein Machtgleichgewicht zwischen dem Süden und dem Norden des Landes herzustellen.

Nach wie vor jedoch leidet das Land unter Korruption. Nigerianer schimpfen gerne über Ihr Land: „Oh, this Nigeria!” Stimmen Sie bloß nicht in den Kanon ein, auch wenn Sie sich gerade über Formalitäten am Flughafen oder sonst wo geärgert haben, denn trotz aller Beschwerden: Nigerianer lieben ihr Land.

5. Die „typisch deutsche“ Sicht auf Nigeria

Nigerianer, also Politiker, Geschäftspartner als auch Behördenvertreter sind sehr interessiert an Geschäftsbeziehungen mit deutschen Unternehmen. Aus deutscher Sicht setzen Sie ihre persönlichen Gewinnmargen aber oft zu hoch an. Hier helfen genaue schriftliche Vereinbarungen

Der Arbeitsalltag in Nigeria ist weniger stark reglementiert und wesentlich lockerer als in Deutschland. Dies führt zu mehr Flexibilität, Selbständigkeit, Lernwilligkeit, aber auch weniger Pünktlichkeit und weniger Verlässlichkeit. Die Loyalität zum Unternehmen ist schwächer ausgeprägt als in Deutschland, und die Gefahr von Betrug und Diebstahl ist höher als in Deutschland.

6. Die „typisch nigerianische“ Sicht auf Deutschland

Nigerianer schätzen den in Deutschland herrschenden Wohlstand, die gute und vor allem kostenfrei zugängliche Ausbildung und die Qualität deutscher Arbeit. „Made in Germany” steht auch in Nigeria für deutsche Wertarbeit und moderne Technologie.

Leider können (oder wollen) Nigerianer nicht immer die Preise für eine solche Qualität zahlen und weichen auf chinesische Produkte aus. Gleichwohl habe deutsche Produkte allgemein einen hohen Stellenwert. Viele unserer Mandanten schwören auf Mercedes (angeblich fahren in Lagos mehr Mercedes auf der Straße als in Stuttgart), einige halten deutsches Waschmittel für das beste der Welt.

Wenn Nigerianer geschäftlich nach Deutschland reisen, kommen Sie oft mit Wunschlisten der Familie und einem leeren Extra-Koffer. Wohlhabende Nigerianer schicken Ihre Kinder vorwiegend in englischsprachige Länder, jedoch auch gerne auch nach Deutschland, damit sie hier Medizin, Informatik oder Ingenieurwissenschaften studieren.

(Nebenbei: Das Unternehmen Julius Berger Plc, der nigerianische Bilfinger-Berger-Ableger, ist ein Paradebeispiel für einen dauerhaften und erfolgreichen Markeneintritt eines deutschen Unternehmens in Nigeria. Dieses Unternehmen prägt das nigerianische Bild der Deutschen seit Jahrzehnten.)

„You work like a German!” ist ein Kompliment, sagt aber auch, dass in Nigeria eine andere als die deutsche Arbeitsweise üblich ist. Mit Deutschland werden viele positive Eigenschaften verbunden: Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Genauigkeit, Fleiß und Ehrlichkeit.

Nigerianer assoziieren mit „deutsch“ aber auch negative Eigenschaften: Ungeduld, eingeschränkten Sinn für Humor, wenig Lebensfreude und einen direkten, zuweilen verletzenden Kommunikationsstil. Allerdings überwiegen die positiven Aspekte beim Deutschlandbild der Nigerianer.

In Teil 2 des Business-Wegweisers für Nigeria geht es um Kulturstandards in Nigeria. Für weitergehende Beratungen stehen wir natürlich in Frankfurt und unserem Netzwerk in Nigeria zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns per E-Mail. 


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