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Coronavirus: Recht auf Homeoffice?

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Coronavirus: Recht auf Homeoffice?
  • Arbeitnehmer haben auch in der Corona-Krise weiterhin die Pflicht, zur Arbeit zu erscheinen.    
  • Die Sorge, sich anstecken zu können, genügt nicht, um der Arbeit fern zu bleiben. Ein generelles Recht auf Homeoffice besteht seitens der Arbeitnehmer also nicht.    
  • Die Ausnahmen: Sie zeigen Symptome oder es besteht der Verdacht, dass Sie sich angesteckt haben könnten.    
  • Umgekehrt muss der Arbeitgeber aufgrund seiner Fürsorgepflicht seine Angestellten vor drohenden Nachteilen wie z. B. einer Corona-Infektion schützen. Bei Corona-Verdachtsfällen wird eine Quarantäne angeordnet.    
  • Für arbeitsfähige Arbeitnehmer in häuslicher Quarantäne kann der Arbeitgeber grundsätzlich Homeoffice anordnen, sofern sie über die nötigen Arbeitsmittel verfügen.

Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus und beeinflusst mehr und mehr unseren Alltag. Inzwischen ist auch das Arbeitsleben von der aktuellen Ausnahmesituation betroffen. Jedoch ist die Sache mit der Arbeit im Homeoffice derzeit nicht so einfach!

Darf man in der aktuellen Situation im Homeoffice arbeiten oder ist man verpflichtet, in den Betrieb zu gehen?

Derzeit existiert trotz entsprechender Vorschläge kein grundsätzliches Recht auf Homeoffice. In zahlreichen Unternehmen finden sich aber Vereinbarungen zum Homeoffice in Arbeitsverträgen und Betriebsvereinbarungen. Diese sollten Sie sich genau durchlesen und anschließend das Gespräch mit Ihrem Chef suchen.

Jedoch reicht allein die Angst, sich auf dem Arbeitsweg oder im Job mit dem Coronavirus zu infizieren, nicht aus, um einfach nicht ins Büro zu kommen. Zudem kann auch nicht jede Tätigkeit von zu Hause aus erledigt werden. Die Ausübung gewisser Berufe ist ohne Präsenz am Arbeitsplatz einfach undenkbar. Man denke hier nur an Verkäuferinnen, Automechaniker, Erzieherinnen oder Ärzte.

Ihr Arbeitgeber hat allerdings gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch generell eine Fürsorgepflicht (§ 617–619 BGB). Das bedeutet, dass er seine Mitarbeiter vor drohenden Nachteilen wie etwa einer Infektion mit einer gefährlichen Krankheit schützen muss. Um diese Pflicht umzusetzen, kann er beispielsweise gewisse Hygienevorschriften an prominenten Orten im Unternehmen aushängen oder telefonische statt physischer Meetings vorschreiben.

Was passiert, wenn es zur Anordnung einer Quarantäne kommt? 

Bei Corona-Verdachtsfällen in einem Unternehmen wird durch das zuständige Gesundheitsamt schließlich eine Quarantäne angeordnet. Im Fall einer angeordneten Quarantäne gilt das Infektionsschutzgesetz (IfSG). § 56 IfSG regelt eine Entschädigung bei einem Verdienstausfall. Diese wird in den ersten sechs Wochen in Höhe des Ausfalls, ab der siebten Woche in Höhe des Krankengeldes ausgezahlt. 

Kann der Arbeitgeber Mitarbeiter dazu zwingen, im Homeoffice zu arbeiten?

Generell kann der Arbeitgeber nicht in jedem Fall ohne Weiteres Homeoffice anordnen. Soweit es bei Ihnen arbeitsvertraglich oder in Ihrer Betriebsvereinbarung so geregelt ist, kann im Falle einer Anordnung jedoch eine Pflicht bestehen, der Sie als Arbeitnehmer nachkommen müssen.

In zahlreichen Arbeitsverträgen und Betriebsvereinbarungen fehlen jedoch solche Regelungen. Dafür ist eine konkrete Betriebsstätte definiert, an der die Arbeitsleistung zu erbringen ist. Hier ist es in der Regel arbeitsrechtlich nahezu unmöglich, sämtliche Mitarbeiter gegen ihren Willen per Anweisung ins Homeoffice zu schicken. Als Arbeitnehmer müssen Sie also damit einverstanden sein, längere Zeit vom Homeoffice aus tätig zu werden.

Kann der Arbeitgeber für Mitarbeiter in Quarantäne Homeoffice anordnen?

Wenn Sie sich als Arbeitnehmer bereits in angeordneter häuslicher Quarantäne befinden, gelten spezielle Regelungen: Wenn Sie arbeitsfähig sind und alle erforderlichen Arbeitsmittel zu Hause zur Verfügung haben, besitzt der Arbeitgeber generell das Recht, Homeoffice anzuordnen. Grundlage dafür ist Ihre Treuepflicht unter Vertragsparteien, die sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 242 BGB) ergibt.

Ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer Arbeitsmittel für das Homeoffice zur Verfügung zu stellen?

Bei angestellten Mitarbeitern muss der Arbeitgeber ihnen in der Regel die Arbeitsmittel zur Verfügung stellen. Bei Büromitarbeitern handelt es sich dabei normalerweise um einen Laptop oder Computer samt Monitor, Tastatur und Maus sowie um weitere erforderliche Arbeitsmaterialien in Abhängigkeit von der jeweiligen genauen Tätigkeit. Auch im Homeoffice gelten die Regeln der Arbeitssicherheit.

Welche Arbeitszeit gilt im Homeoffice?

Generell gelten die bisher vereinbarten Arbeitszeiten im Homeoffice auch weiterhin. Es sei denn, es wurde zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber eine abweichende Vereinbarung getroffen. Selbstverständlich sind im Homeoffice ebenso die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes einzuhalten. Sie dürfen also z. B. nicht mehr als 8 Stunden am Tag arbeiten.  

(BCB)

Foto : ©Fotolia.com/baranq

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