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Cybermobbing – mit diesen Strafen müssen Täter rechnen

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Was ist Cybermobbing?

Cybermobbing bezeichnet Mobbing, das im Internet stattfindet, und ist gleichbedeutend mit dem Begriff „Cyberbullying“. Die Erscheinungsformen sind vielfältig und reichen von Beleidigungen in der Kommentarspalte bis zu Stalking und Identitätsmissbrauch in Form von sog. „Fake-Profilen“. Häufig tritt Cybermobbing in sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook auf, es kommt aber auch in Foren, Diskussionsrunden und Chats vor, obwohl die meisten Plattformbetreiber versuchen, dagegen vorzugehen, indem sie rechtsverletzende Inhalte wie z. B. Fake-Profile oder Bildaufnahmen von hilflosen Personen sofort löschen.

Wie unterscheiden sich Offline- und Cybermobbing?

Cybermobbing unterscheidet sich im Wesentlichen durch den Zugang zur breiteren Öffentlichkeit und die erhöhte Anonymität des Täters vom klassischen „Schulhofmobbing“. Täter können sich hinter einem Pseudonym verstecken und müssen nicht ihre wahre Identität preisgeben. Gleichzeitig verfügen sie im Netz über eine unüberschaubare Reichweite, da einmal hochgeladene Inhalte sich oft unkontrolliert verbreiten. Plattformen sind dazu angehalten, Rechtsverletzungen zu entfernen, wenn sie Kenntnis davon erlangen. Es besteht jedoch weiterhin das Risiko, dass andere Nutzer die Inhalte vor der Löschung gespeichert haben und gegebenenfalls woanders verbreiten. 

Welche Straftatbestände erfüllen die Täter?

Bislang enthält das deutsche Strafgesetzbuch keinen eigenen Straftatbestand für Cybermobbing, denn die vielfältigen Ausprägungen verwirklichen häufig bereits bestehende Straftatbestände. Um strafrechtlich gegen die Täter vorzugehen, muss ihre Identität jedoch bekannt sein. Wenn die Betroffenen Strafanzeige erstatten, werden die Ermittlungsbehörden versuchen, die IP-Adresse von den Plattformbetreibern zu erhalten und darüber die Identität des Täters festzustellen. Welcher Straftatbestand im Einzelfall erfüllt sein könnte, ist abhängig von der konkreten Verhaltensweise des Täters. In der Regel werden folgende Straftatbestände erfüllt:

Straftatbestand

Rechtsfolge

Beleidigung, § 185 StGB

Nutzer, die im Internet, beispielsweise in einer Kommentarspalte, durch eine verächtliche Äußerung über oder gegenüber dem Betroffenen selbst seine Ehre verletzen, erfüllen den Tatbestand der Beleidigung.

Den Tätern droht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.

Üble Nachrede und Verleumdung, §§ 186, 187

Verbreitet oder behauptet ein Nutzer gegenüber Dritten absichtlich herabwürdigende Tatsachen über einen anderen, verletzt er die Ehre des Betroffenen und erfüllt den Tatbestand der üblen Nachrede gem. § 186 StGB. Der Unterschied zur Verleumdung nach § 187 besteht darin, dass der Täter bei der Verleumdung gezielt und bewusst Unwahrheiten über den Betroffenen verbreitet, während bei der üblen Nachrede Behauptungen aufgestellt werden, von denen unklar ist, ob sie der Wahrheit entsprechen.

Die Strafe für üble Nachrede beträgt bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe. Die Verleumdung kann mit einer Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe sanktioniert werden.


Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes, § 201 StGB

Derjenige, der ohne Einwilligung der Beteiligten private Voicemails oder Sprachnotizen aufnimmt oder sogar veröffentlicht, verletzt die Privatsphäre dieser Personen. Dadurch macht er sich gem. § 201 StGB strafbar, weil er das nicht öffentlich gesprochene Wort der Öffentlichkeit zugänglich macht.  

Er kann mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden.


Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, § 201a StGB

Durch die unerlaubte Verbreitung intimer Aufnahmen einer anderen Person werden häufig das Recht am eigenen Bild und der höchstpersönliche Lebensbereich tangiert. D. h., es wird in die besonders geschützte Privatsphäre einer Person eingegriffen. Aber nicht nur die Verbreitung ist strafrechtlich relevant. Wird Bildmaterial heimlich und in einem gegen Einblicke besonders geschützten Raum, z. B. einer Umkleidekabine, aufgenommen, ist bereits die Aufnahme strafbar.

Dem Täter drohen eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu 2 Jahren.


Nachstellung, § 238

Stalking stellt eines der größten Probleme beim Cybermobbing dar. Die Täter bedrängen ihre Opfer mit SMS, E-Mails oder über soziale Netzwerke. Häufig werden die Betroffenen dabei bedroht und beleidigt.

Für das Nachstellen einer Person unter Verwendung von Telekommunikationsmitteln (z. B. E-Mails, Anrufe, WhatsApp) fallen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren an. Gefährdet der Täter dadurch das Leben oder die Gesundheit des Opfers oder eines Angehörigen, kann die Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre betragen. Verursacht er sogar den Tod des Betroffenen oder eines Angehörigen, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.


Gewaltdarstellung, § 131 StGB

Das Verbreiten von gewaltverherrlichenden Videos ist gem. § 131 StGB strafbar. Im Übrigen ist auch der Versuch strafbar. Gemeint sind damit brutale Videos, die Gewalt verharmlosen. Dazu zählen beispielsweise Videos, auf denen Hinrichtungen, Vergewaltigungen oder Prügeleien zu sehen sind.


Die Tat kann mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.

Nötigung, Bedrohung, Erpressung, §§ 240, 241, 253 StGB

Oftmals werden die Betroffenen im Netz genötigt und bedroht. Die Täter drohen ihnen mit Schmerzen oder Tod, häufig fordern sie aber auch eine Gegenleistung, um sich zu bereichern. Es ist anhand der konkreten Verhaltensweise festzustellen, ob eine Nötigung, Bedrohung oder Erpressung vorliegt. 

Eine Nötigung wird mit Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft. In minder schweren Fällen kann sie auch mit einer Geldstrafe sanktioniert werden. Bei einer Bedrohung ist die Strafe Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Für eine Erpressung fallen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren an.



Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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