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Darf im Vorstellungsgespräch gelogen werden?

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Arbeitgeber wollen im Vorstellungsgespräch so viel wie möglich erfahren, bevor der Bewerber eingestellt wird. Denn nach der Probezeit kann man sich in der Regel nicht mehr ohne Weiteres von einem Mitarbeiter trennen. Das heißt aber nicht, dass im Vorstellungsgespräch alle Fragen erlaubt sind. Grundsätzlich unzulässig sind Fragen zu

  • Familienplanung und Schwangerschaft,
  • Heiratsabsichten,
  • Vermögensverhältnissen,
  • Vorstrafen,
  • Krankheiten,
  • Religion und Konfession,
  • Parteizugehörigkeit,
  • Gewerkschaftszugehörigkeit und
  • sexueller Orientierung.

Beispiel:

Eine Arbeitnehmerin wird als befristete Schwangerschaftsvertretung eingestellt. Im Vorstellungsgespräch wurde sie gefragt, ob sie schwanger sei, was die Arbeitnehmerin wahrheitswidrig verneint. Der Arbeitgeber meint, er sei von der Arbeitnehmerin arglistig getäuscht worden und erklärt die Anfechtung des Arbeitsvertrages. Weil die Frage nach der Schwangerschaft aber eine als unmittelbare Benachteiligung wegen des Geschlechts zu bewerten ist, durfte die Arbeitnehmerin die Frage wahrheitswidrig verneinen (vgl. Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 11.10.2012 – 6 Sa 641/12).

Ausnahmsweise darf nach Vorstrafen gefragt werden, wenn der Arbeitgeber ein Interesse daran hat, zu erfahren, ob der Arbeitnehmer bestechlich sein oder seine Arbeitsstelle missbrauchen könnte, so etwa bei Kassierern, Bankangestellten oder Polizisten.

Auch darf ausnahmsweise nach Krankheiten gefragt werden, wenn dadurch die Eignung des Bewerbers für Arbeiten im Hotel- und Gaststättengewerbe, die Ausübung von Gesundheits- und Pflegeberufen oder auch für den Kraftfahrbereich festgestellt werden soll.

Lügt der Arbeitnehmer bei einer zulässigen Frage, kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag anfechten, wenn er von der Lüge erfährt.


Rechtstipp vom 01.06.2018
aus der Themenwelt Fragen im Vorstellungsgespräch und dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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