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Das Einmaleins zum rechtssicheren Selfie

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Das Einmaleins zum rechtssicheren Selfie
Bitte recht freundlich! Aber auch bei der populären Selbstfotografie lauern rechtliche Stolperfallen

Nicht nur die Bewohner des türkischen Orts Amasya – seines Zeichens Standort des „Selfie-Prinzen“ –, Fans von Katzenbärten, die Besucher des „Selfie-Museums“ in Manila und Kim Kardashian wissen es – der Selfie-Boom im Netz hält weiterhin an.

Für alle Uneingeweihten hier eine kurze Definition des Trends, der momentan aus dem Netzgeschehen nicht mehr wegzudenken ist: Bei einem Selfie handelt es sich um ein üblicherweise von der Kamerafunktion eines Smartphones eingefangenes Selbstporträt, welches gemeinhin mit dem Zweck des Postens auf sozialen Netzwerken aufgenommen wurde.

Zu den Stilmitteln gehören oft ein leicht an der Kameralinse vorbei gerichteter Blick und ein prominent abgebildeter ausgestreckter Arm, der das im Bild nicht sichtbare Kamerahandy hält. Auf dem populären sozialen Netzwerk Instagram gehört zum guten Ton zusätzlich ein großzügig dosierter Fotofilter, der die abgebildete Einheit aus Urheber und Motiv effektvoll in Szene setzt. Der jüngste Einfall selbstverliebter Foto-Egomanen sind die berüchtigten „Selfie-Sticks“, mit denen noch effektvollere Schnappschüsse aus luftiger Höhe möglich sind. Eine eigentlich ingeniöse Erfindung, die allerdings aktuell bei immer mehr Veranstaltungen draußen bleiben muss.

Der unaufhaltsame Trend wurde nicht über Nacht geboren

Die erste Verwendung des Begriffs im heutigen Sinne lässt sich auf einen Beitrag auf dem Community-Forum des australischen Fernsehsenders ABC zurückverfolgen. Wohlgemerkt wurde dieser bereits im Jahr 2002 veröffentlicht – nennenswerte Mainstream-Popularität erlangte das Selbstportrait-Phänomen erst ganze zehn Jahre später. Weshalb, ist aktuell noch nicht geklärt – der Reiz des „Selfies“ selbst lässt sich jedoch unschwer nachvollziehen. Gewisse Selbstinszenierungstendenzen sind einem Großteil von auf sozialen Netzwerken veröffentlichten Fotos bekanntlich nicht abzusprechen. Hier scheint das „Selfie“ wie der logische nächste Schritt. Denn hier befindet sich der Urheber des Schnappschusses deutlich sichtbar im Mittelpunkt des Geschehens. Und hiermit nicht genug: Wer als Fotograf und Motiv in Personalunion agiert, strahlt zudem zusätzliche Souveränität aus und erhält nicht zuletzt die Möglichkeit, sich ausschließlich nach eigenem Gutdünken in Szene zu setzen.

Vor dem Gesetz besteht kein Unterschied zum „herkömmlichen“ Lichtbild

Doch Vorsicht: Obwohl der trendigen Selbstdarstellung der Ruf eines modernen Medienphänomens vorauseilt, ist sie juristisch wie eine klassische Fotografie zu behandeln. Demzufolge ist auch bei der Aufnahme von Selfies das Urheberrecht zu beachten. Wer in seinem „Me first“-Schnappschuss – beabsichtigt oder auch unbeabsichtigt – ohne Erlaubnis ein urheberrechtlich geschütztes Motiv verbreitet oder die Rechte anderer verletzt, handelt sich schnell Ärger ein.

Manche Selbstinszenierung kann böse enden

Akut wurde dieser Umstand mit einer Kontroverse über das Ablichten von Tattoos. Wer im Selfie-Fieber seine Hautverschönerung zum Hauptmotiv seines Bildpostings auserkoren hat und im Internet veröffentlicht, lässt sich möglicherweise eine Verletzung des Urheberrechts zuschulden kommen. Schließlich liegt dieses weiterhin beim Tätowierer, der das Motiv erstellt hat. Als unbedenklich gelten dagegen weiterhin Aufnahmen, in denen das Kunstwerk aus Tinte nicht zentraler Blickfang ist.

Eine weitere Fußangel liefert das populäre Gruppen-Selfie. Hier bildet sich der smartphoneschwingende Selbstbildniskünstler bevorzugt inmitten einer bunten, gut gelaunten Gruppe ab. Wer hier wirklich auf der sicheren Seite sein möchte, sollte jeden Teilnehmer der Gruppe um Erlaubnis fragen, bevor er sein Werk auf seinem bevorzugten sozialen Netzwerk veröffentlicht. Nur so können spätere Zwistigkeiten vermieden werden – wer hier nicht Vorsicht walten lässt, lässt sich schnell einen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht zuschulden kommen.

„No photos, please“ bedeutet auch „No selfies, please“

Und auch wo gemeinhin Fotografierverbot herrscht, gilt dies dementsprechend auch für den populären fotogewordenen Egotrip. Zum Schutz von Kunst und Künstler ist in zahlreichen Theatern, Pinakotheken und Kunsthallen Fotografieren generell ein No-Go – Pech für denjenigen, der sich stolz auf Instagram vor weltbekanntem Kulturgut präsentieren möchte. Wie ein Selfie-Enthusiast aus Pamplona anhand einer saftigen Geldstrafe erfahren musste, gilt übrigens auch während des traditionellen spanischen Stiertreibens striktes Schnappschussverbot.

Auch Egozentrik nach Maß ist möglich

Interessanterweise haben diverse Museen und Pinakotheken angesichts des ungebrochenen Booms bereits damit begonnen, das ursprünglich verhängte Fotografierverbot aufzuweichen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Publicity, welche die in sozialen Netzwerken verbreiteten Schnappschüsse mit sich bringen, ist schlicht zu attraktiv. Wer jedoch spontan davon ausgeht, dass die Darsteller der nächsten Shakespeare-Veranstaltung oder die Aussteller auf dem nächsten Kunstmarkt ähnlich reagieren werden, könnte sich jedoch irren.

Hier Klarheit zu schaffen, ist jedoch nach wie vor ein Leichtes. Wer sich in strittigen Fällen vor dem Knipsen nach der notwendigen Erlaubnis erkundigt, ist immer auf der sicheren Seite – auch wenn dies manchen Selbstporträt-Rebellen nicht schmecken mag. Kein Egotrip ist es schließlich wert, dass man die Rechte anderer mit Füßen tritt. Wir wünschen also viel Spaß beim rechtssicheren „Ego-Shooting“!

(JSC)

Foto : ©Fotolia.com/vladimirfloyd


Rechtstipp vom 12.05.2015
aus dem Rechtsgebiet Urheberrecht & Medienrecht

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